"Befreien wir uns also von dem nuklearen Alptraum": Papst Franziskus bei Friedensappell

Interreliöser Friedensappell mit Papst Franziskus, 25. Oktober 2022
Foto: Vatican Media
Previous Next

Papst Franziskus hat am Dienstag bei einem interreligiösen Friedensappell im römischen Kolosseum das Szenario eines Atomkriegs angesprochen.

Der Papst sprach von einem Rollstuhl aus auf einer Bühne neben Vertretern der orthodoxen Kirche, orientalisch-orthodoxen Kirche, assyrischen Kirche des Ostens, der Protestanten, Muslime, Juden, Buddhisten und Hindus. Er betonte, er halte ein Plädoyer für den Frieden in einer Zeit, in der dieser "in Europa schwer verletzt, angegriffen und mit Füßen getreten wird".

"Heute wird etwas, das wir gefürchtet haben und von dem wir hofften, nie wieder etwas zu hören, direkt angedroht: der Einsatz von Atomwaffen, die auch nach Hiroshima und Nagasaki zu Unrecht weiter produziert und getestet wurden", sagte Papst Franziskus.

Franziskus hob hervor, wie Papst Johannes XXIII. im Jahr 1962 an alle Staats- und Regierungschefs appellierte, der Welt die Schrecken des Krieges zu ersparen – zu einer Zeit, "als eine militärische Konfrontation und ein nuklearer Holocaust unmittelbar bevorzustehen schienen". Er wolle sich diesen Appell 60 Jahre später zu eigen machen, so Franziskus.

Unmittelbar nach der Rede des Papstes verlas ein syrischer Flüchtling einen Friedensappell, der von den anwesenden Religionsführern mitunterzeichnet wurde.

"Die Menschheit muss die Kriege beenden, oder es wird ein Krieg sein, der die Menschheit beendet", hieß es in dem Appell. "Befreien wir uns also von dem nuklearen Alptraum. Lassen Sie uns unverzüglich einen ernsthaften Dialog über die Nichtverbreitung von Kernwaffen und den Abbau von Atomwaffen wieder aufnehmen."

Das Gebetstreffen für den Frieden war Teil eines dreitägigen interreligiösen Gipfels mit dem Titel "Der Schrei nach Frieden", der von der Gemeinschaft Sant'Egidio organisiert wurde. Die katholische Bewegung veranstaltet seit 1986, als Papst Johannes Paul II. den ersten Weltgebetstag für den Frieden in Assisi einberief, jedes Jahr eine internationale Konferenz zum Thema Frieden.

Der französische Präsident Emmanuel Macron sprach am Eröffnungstag des Sant'Egidio-Treffens und rief die Ukraine dazu auf, die Bedingungen für ein künftiges Friedensabkommen festzulegen.

Die letzte Nacht der Veranstaltung begann mit einem ökumenischen Friedensgebet mit christlichen Führern im Kolosseum.

Zu den christlichen Führern, die an der Veranstaltung teilnahmen, gehörten der griechisch-orthodoxe Metropolit Emmanuel von Chalkedon, der koptisch-orthodoxe Erzbischof Dionysius Jean Kawak, Awa III, der Katholikos-Patriarch der Assyrischen Kirche des Ostens, der lutherische Erzbischof Tapio Luoma von Turku und Jong Chun Park, der Präsident des Weltrats der Methodisten.

Zu den Vertretern der Weltreligionen, die an der Zeremonie des Friedensappells teilnahmen, gehörten der Oberrabbiner von Rom, Riccardo Di Segni, der japanische Soto-Zen-Buddhist Shoten Minegishi, Sayyed Abu al-Qasim al-Dibaji von der World Pan-Islamic Jurisprudence Organization und Edith Bruck, eine in Ungarn geborene jüdische Schriftstellerin und Holocaust-Überlebende.

Swami Sarv Asthananda, der Leiter des hinduistischen Ramakrishna Vedanta Meditation Center in Großbritannien, und Jaswant Singh, ein Vertreter der Sikhs, nahmen ebenfalls teil.

"Wir Gläubigen müssen uns auf jede erdenkliche Weise für den Frieden einsetzen. Es ist unsere Pflicht, zur Entwaffnung der Herzen beizutragen und zur Versöhnung zwischen den Völkern aufzurufen", hieß es in dem Aufruf der Religionsführer. "Leider haben wir uns auch untereinander manchmal entzweit, indem wir den heiligen Namen Gottes missbraucht haben: Wir bitten um Vergebung, in Demut und Scham. Die Religionen sind und müssen auch weiterhin eine große Ressource für den Frieden sein. Der Friede ist heilig, der Krieg kann es nie sein."

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency, der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

Das könnte Sie auch interessieren: