Kommission: 3.000 Kinder in katholischen Schulen in Frankreich sexuell missbraucht

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Mindestens 3.000 Kinder sind nach Einschätzung einer offiziellen Komission seit 1950 in Frankreich Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester beziehungsweise kirchliche Mitarbeiter geworden. Die Dunkelziffer liege vermutlich "weitaus höher".

Das meldet die Agentur "Agence France Presse" (AFP).

Der Präsident der Kommission, Jean-Marc Sauve, sagte am heutigen Mittwoch, vorläufige Zahlen ließen vermuten, dass etwa 1.500 Geistliche und andere kirchliche Amtsträger den Missbrauch begangen hätten.

Die Kommission wurde im vergangenen Juni auf Ersuchen der französischen Bischöfe im Zuge der wetweiten Kirchenkrise durch die Aufdeckung zahlreicher Fälle sexueller Gewalt durch Kleriker und kirchliche Mitarbeiter.

Eine Hotline, die die französischen Opfer auffordert, sich zu melden, habe im vergangenen Jahr 5.300 Anrufe erhalten, sagte Sauve vor Journalisten in einer Videokonferenz.

Die Zahl der geschätzten Opfer beläuft sich im Durchschnitt der letzten sieben Jahrzehnte auf über 40 Fälle pro Jahr.

"Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es noch viele weitere Opfer gibt", sagte Sauve laut "AFP".

"Was wir nicht wissen, ist, wie wir diese beiden Quellen" für potenzielle Fälle - die Hotline und die eigenen Untersuchungen der Kommission - zusammenführen können, sagte er.

Der Zeugenaufruf wurde bis zum 31. Oktober verlängert, und die Durchsicht der kirchlichen Archive wurde wieder aufgenommen, nachdem sie während der französischen Coronavirus-Sperre ausgesetzt worden war.

Der Kommission unter der Leitung des hochrangigen Beamten Sauve gehören Rechtsexperten, Ärzte, Historiker, Soziologen und Theologen an.

Es wird erwartet, dass sie im nächsten Jahr einen Abschlussbericht mit Empfehlungen zur Verhinderung von Missbrauch vorlegen wird.

Opferverbände haben das Bekenntnis der französischen Kirche zur Transparenz begrüßt. Die französischen Bischöfe stimmten im vergangenen November auch zu, Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester eine finanzielle Entschädigung zu gewähren. Die möglichen Summen sollten ursprünglich im April erörtert werden, mit Priorität für Opfer, deren Fälle außerhalb der Verjährungsfrist für die Strafverfolgung liegen.

Wegen der Coronavirus-Pandemie musste dies jedoch verschoben werden.

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