Bischof Meier zu Segnungen für homosexuelle Paare: "Ich lehne niemals einen Segen ab"

Bischof Bertram Meier beim Festgottesdienst seiner Weihe im Dom zu Augsburg am 6. Juni 2020.
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Bischof Bertram Meier von Augsburg hat öffentlich erklärt, homosexuellen Paaren einen Segen nicht zu verweigern. Gleichzeitig ging er auf Distanz zu Clara Steinbrecher, der Leiterin der katholischen Laieninitiative Maria 1.0, die ihm vorwarf, damit nicht die kirchliche Lehre zu vertreten.

„Ich lehne niemals einen Segen ab für Menschen, die zu mir kommen um sich segnen zu lassen“, sagte Meier am Mittwochabend in der Sendung Münchner Runde im Bayerischen Fernsehen, nachdem er auf die Segnung homosexueller Paare angesprochen worden war. „Ich freue mich, denn segnen heißt ja benedicere. Gott segnet eigentlich. Ich bin nur das Sprachrohr, leihe ihm meine Stimme und spreche [dem zu Segnenden] Gutes in Gottes Namen zu.“

Wenn ein gleichgeschlechtlichtes Paar zu ihm käme, „dann würde ich sie segnen, auch sozusagen parallel“, sagte der Bischof. Daraufhin warf Steinbrecher, die aus Eichstätt zugeschaltet war, ein: „Damit stellen Sie sich aber offensichtlich gegen Rom.“

Tatsächlich hatte die vatikanische Glaubenskongregation unter der Leitung von Luis Kardinal Ladaria im März ausdrücklich erklärt, die Kirche habe keine Vollmacht, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen. Das Dokument der Glaubenskongregation ordnete Segnungen den Sakramentalien zu, „mit denen die Kirche ‚die Menschen aufruft, Gott zu preisen, sie auffordert, seinen Schutz zu erbitten und sie ermahnt, sich seiner Barmherzigkeit mit der Heiligkeit des Lebens würdig zu erweisen‘. Darüber hinaus sind ‚sie in einer gewissen Nachahmung der Sakramente eingesetzt und beziehen sich immer und hauptsächlich auf geistliche Wirkungen, die sie kraft der Fürbitte der Kirche erlangen‘.“

Vor diesem Hintergrund, so der Vatikan, „ist es deshalb erforderlich, dass, wenn über einige menschliche Beziehungen ein Segen herabgerufen wird, abgesehen von der rechten Absicht derjenigen, die daran teilnehmen, die zu segnende Wirklichkeit objektiv und positiv darauf hingeordnet ist, die Gnade zu empfangen und auszudrücken, und zwar im Dienst der Pläne Gottes, die in die Schöpfung eingeschrieben und von Christus dem Herrn vollständig offenbart sind.“ Dies sei bei homosexuellen Partnerschaften nicht der Fall.

Man könne „Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften“ keinen Segen erteilen, wenn dabei „eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist)“ eingeschlossen sei, „wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist. Das Vorhandensein positiver Elemente – die in sich betrachtet dennoch zu schätzen und hervorzuheben sind – in solchen Beziehungen ist trotzdem nicht in der Lage, diese zu rechtfertigen und sie daher rechtmäßig zum Gegenstand einer kirchlichen Segnung zu machen, weil diese Elemente im Dienst einer Verbindung stehen, die nicht auf den Plan des Schöpfers hingeordnet ist.“

Bischof Meier erklärte dagegen, er segne homosexuelle Paare gerade wegen des Vorhandenseins positiver Elemente: „Ich segne jetzt nicht die Qualität der Partnerschaft. Wenn Menschen sagen: ‚Wir wollen Werte – Treue, Verbindlichkeit usw. – leben‘, dann gebe ich denen den Segen.“

Die Glaubenskongregation hatte als weiteren Grund dafür, dass die Kirche keine Vollmacht hat, homosexuelle Beziehungen zu segnen, angeführt: „Da die Segnungen für Personen in Beziehung zu den Sakramenten stehen, kann darüber hinaus die Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen nicht als zulässig angesehen werden, weil sie in gewisser Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen würde, der auf den Mann und die Frau herabgerufen wird, die sich im Sakrament der Ehe vereinigen, da ‚es keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn‘.“

Wiederum widersprach Meier in seinen Ausführungen der Glaubenskongregation und sagte, er vermeide alles, „um den Eindruck zu erwecken, es ist eine Ehe. Also zum Beispiel, ich würde nicht mit der Stola die Hände umwickeln und Formeln sprechen, die bei einer sozusagen sakramentalen Eheschließung sind.“

Dann wandte sich der Augsburger Bischof direkt an Steinbrecher: „Ich akzeptiere ihre Position.“ Meier verteidigte sich mit einem Verweis darauf, in Rom studiert und gearbeitet zu haben. „Da möchte ich mich schon ein bisschen verwahren“, so Meier, „dass jetzt von einzelnen Leuten auch Bischöfe klassifiziert werden: ‚Die einen sind romtreu und die anderen nicht.‘ Das lasse ich auf mir jetzt so nicht sitzen. […] Ich war römisch, das heißt aber nicht vatikanistisch, sondern weltkirchlich unterwegs mit Rom als dem Zentrum. Und dabei möchte ich stehen. Und das kann ich auch so verantworten in dem was ich tue und was ich praktiziere.“

Steinbrecher hatte zuvor die katholische Position zur Homosexualität dargelegt und betont, es lasse sich sowohl aus der Heiligen Schrift als auch aus der naturgegebenen Ergänzung der Geschlechter herleiten, „dass Homosexualität eine Sünde ist“.

Auch in Sachen Frauenweihe zeigte sich Steinbrecher offensiver als Meier. „Das Priestertum ist dem Mann vorbehalten“, sagte die junge Lehramtsstudentin. „Das wird sich auch nicht ändern, und da würde ich wirklich sagen dass […] ist absolut klar. Und das ist deswegen eigentlich nicht Aufgabe der Kirche immer wieder zu erklären: ‚Ja, vielleicht könnte man es ja versuchen. […] Also wir versuchen euch vielleicht mal da einzubeziehen. Wir versuchen irgendwie wieder darüber nachzudenken oder so.‘ […] Im Gegenteil, wir sollten klar sagen was ist und dann eben auch Klarheit zu schaffen und über andere Dinge lieber zu sprechen, die wichtiger sind [und] auch zu verstehen, warum denn das so ist.“

Meier, seit 2020 Bischof von Augsburg, sagte in diesem Zusammenhang: „Ich muss jetzt schauen, was gerade die Zeichen der Zeit […] in der Welt sind, ganz klar.“ Er sagte allerdings gleichzeitig, man könne keine „Quantensprünge“ machen. „Der Weg der katholischen Kirche als Global Player ist ein Weg der kleinen Schritte. […] Aber die Weihe: Da muss ich sagen bin ich weltkirchlich eingebunden. ich kann nicht – was also auch Johannes Paul II [1994] mal gesagt hat in Ordinatio Sacerdotalis – von mir als Bischof sagen: Also, das werfen wir einmal über den Haufen. Das ist eine bindende Lehre, und da ist für mich jetzt einfach auch eine Grenze erreicht.“

Jacqueline Straub – die sich dafür einsetzt, selbst die Priesterweihe zu empfangen – behauptete, die Frauenweihe werde mehrheitlich nicht nur in Deutschland, sondern auch in südamerikanischen Ländern und letztlich weltweit gewünscht. Daraus ein Argument ableiten zu können, widersprach Steinbrecher, die betonte, dass es in diesen Dingen nicht um Mehrheiten, sondern um die Wahrheit gehe. Die Kirche habe keine Autorität zu sagen, „‚Das passt uns jetzt nicht. Die Mehrheit ist dafür.‘ Die Mehrheit sagt nicht, was die Wahrheit ist. Deswegen kann sich insbesondere jetzt zum Beispiel in Bezug auf das Frauenpriestertum niemals etwas ändern.“

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