Bischof Voderholzer: "Corona-Beschränkungen nicht antikirchlich motiviert"

Der Regensburger Hirte zu den Auswirkungen der Coronakrise auf Kirche und Gesellschaft, Synodaler Weg und Neuevangelisierung, Möglichkeit einer Diakoninnenweihe

Bischof Rudolf Voderholzer
Foto: Bistum Regensburg

Welche Lektionen lernt die Kirche in Deutschland aus der Coronavirus-Krise? Bischof Rudolf Voderholzer analysiert das Leid, das die COVID-19-Pandemie vielen Gläubigen gebracht hat. Und er warnt: "Es wird noch viel Leid mit sich bringen". Gleichzeitig seien die schmerzhaften Sicherheitsmaßnahmen des Staates für die Kirche nicht antikirchlich motiviert, "sondern schlicht notwendig" gewesen.

"Sowohl zu Beginn der Maßnahmen wie auch im Zuge der vorsichtigen Lockerungen gab es einen engen Kontakt zwischen Staatsregierung und katholischem Büro".

Im Interview mit Pater Daniel Eichhorn von der Petrusbruderschaft spricht der Regensburger Hirte über die Auswirkungen auch über den sogenannten "Synodalen Weg" sowie die Neuevangelisierung – und die Frage nach der Möglichkeit einer Diakoninnenweihe. 

Um den "Synodalen Weg" sei es in der Coronavirus-Krise ziemlich ruhig geworden, stellt Voderholzer fest. 

"Leider ist es trotz des sehr eindeutigen Briefes von Papst Franziskus vom 29. Juni 2019 nicht gelungen, die Themen 'Evangelisierung' oder 'Glauben angesichts der Herausforderungen einer säkularisierten Welt' ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken".

Eine Mehrheit - auch der Bischöfe - vertrete die Auffassung, erst müssten die hinlänglich bekannten Themen "Macht und Partizipation", "Priesterliche Lebensform", "Ämter für Frauen in der Kirche" und "Katholische Sexualmoral" bearbeitet und mit neuen Antworten versehen werden.

"Als ob nicht ein Blick auf die anderen kirchlichen Gemeinschaften, wo all die katholischen vermeintlichen Glaubenshürden nicht bestehen, lehrte, dass die Problematik viel tiefer angesiedelt ist", betont der Bischof. 

Dass die Territorialseelsorge abgedankt, das sakramentale Priestertum sich als überflüssig erwiesen und der gesellschaftliche Einfluss der Kirche sich weiter minimiert habe: Das seien ganz offenkundig projektionsgesteuerte Urteile, gegen die er sich verwahre, fährt Voderholzer fort.

"Ein Dekan berichtete mir schon Ende März, er beobachte, dass es in der Seelsorge plötzlich viel spiritueller zuginge. Die kirchenpolitischen Fragen seien zurückgetreten und alle bemühten sich, auf ihre Weise das Evangelium zu verkünden und den Gläubigen zu helfen, 'Hauskirche' zu leben".

Evangelisierung müsse jedoch der Anfang sein, betont der Bischof: "Jede Evangelisierung beginnt mit der Selbst-Evangelisierung. Und weil dies stets mit je neuer Umkehr zu tun hat, spielt das Bußsakrament eine entscheidende Rolle".

"Die Antike kannte Priesterinnen"


Mit Blick auf die Frage nach einer Weihe von Frauen zu Diakonen erklärt Voderholzer, dass die krude These, früher habe sich eine Kirche einfach keien Frauen als Priesterinnen vorstellen können, nachweislich falsch sei. Die Antike habe ja sehr wohl Priesterinnen gekannt.

"Viele der antiken Religionen und Kulte kannten ein weibliches Priestertum. Eine Ausnahme bildet freilich Israel. Das führt zu der Einsicht, dass die Zuordnung des sakramentalen Dienstamtes zum männlichen Geschlecht etwas zu tun haben muss mit der in der Geschlechterdifferenz und Geschlechterpolarität begründeten natürlichen Zeichenhaftigkeit der Relationalität von Mann und Frau."

Die heilsgeschichtliche Begründung des Ehe-Sakramentes als realsymbolische Darstellung der Beziehung Christi zu seiner Kirche spiele eben auch für das Weihesakrament eine Rolle. Gleichzeitig betont der Bischof:

"Im Übrigen hat jede Gemeinde- und Pastoralreferentin, jede Religionslehrerin, Direktorin einer kirchlichen Schule, Theologieprofessorin, Ordinariatsrätin, Ordensoberin oder gar Äbtissin unvergleichlich viel mehr Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten, als es eine solche Diakonisse als Seelsorgshelferin je hatte, von den Müttern und Großmüttern ganz zu schweigen, die seit jeher in der Kirche als die wichtigsten Missionarinnen den Glauben bezeugen und weitergeben."

Voderholzer war nach eigenen Angaben selbst als Assistent von Professor Gerhard Ludwig Müller sehr intensiv in die Forschungen der ersten Theologischen Studienkommission einbezogen, die sich dieser Frage widmete. 

"Dass aber das dreigestufte apostolische Amt unum sacramentum ist, ein Sakrament und nicht drei verschiedene Sakramente (die sozusagen je für sich betrachtet und hinsichtlich des Empfängers unterschiedlich behandelt werden könnten), ist Glaubensüberzeugung der Frühen Kirche, das wurde vom Konzil von Trient gelehrt und vom Zweiten Vatikanischen Konzil bestätigt", bekräftigt Voderholzer in dem Interview.

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