Das Jahr Johannes Pauls II: Die Berge - Ort des Geistes, Ort Mariens

Die Aufenthalte in den Bergen als Momente, die Wurzeln des Glaubens und sich selbst zu finden

Papst Johannes Paul II. auf der Marmolata
Foto: ChurchPOP

"Das mittägliche Angelusgebet findet heute im zauberhaften Panorama der Berge statt, zwischen den Gipfeln und den Wäldern des "grünen Comelico", von dem aus sich zu jeder Jahreszeit mit stiller Kraft ein Chor der Herrlichkeit zum Schöpfer erhebt. Diesem wunderbaren Rahmen der Schönheit fügt die spirituelle Intimität der kleinen Kirche "Madonna vom Schnee" eine besondere Note hinzu. Sie steht dort, demütig und einladend. Der Geist wandert zu den marianischen Heiligtümern, die die Berge und Hügel dieses geliebten italienischen Landes zieren. Zahlreich sind sie, von einem bis zum anderen Ende der Halbinsel.

Viele von ihnen gehen auf eine Initiative der Heiligen Jungfrau selbst zurück, die - gleichsam noch einmal den Weg ihres mütterlichen und töchterlichen ´Fiat´ gehend, das sie sofort nach der Verkündigung ´ins Bergland´ (vgl. Lk 1,39) führte - darum gebeten hat, man möge ihr in der erhebenden Einsamkeit der Berge ein Heiligtum errichten, eine Oase des Gebetes und der Liturgie, an dem das eucharistische Opfer die reale Präsenz ihres göttlichen Sohnes erneuert. Die Vorliebe Mariens für das Gebirge, das sich von Natur aus zum Himmel ausrichtet, hat eine sehr lebendige Bedeutung, die jeder in der tröstlichen Gewissheit des Psalmisten zusammenfassen kann: ´Exaudivit me de monte sancto sua´ (Er erhörte mich von seinem heiligen Berg; vgl. Ps 3,5).

Diese Worte sprach Papst Johannes Paul II. am 12. Juli 1987 bei seinem Besuch in Pramarino di San Pietro di Cadore im Val Visdende in der Provinz Belluno, mit denen seine Juli-Urlaube in den Bergen begannen, die zur Gewohnheit werden sollten. 

In den vorhergehenden Jahren reiste der Papst, der gerne spazieren ging und Ski fuhr, gelegentlich in die Abruzzen oder an andere Orte in der Nähe Roms, aber auch zu den Gipfeln der Marmolada, wie im August 1979. 

In diesem Jahr beschloss Johannes Paul II. - im Gedenken an die Wahl seines Vorgängers Papst Johannes Paul I. (Albino Luciani) im Jahr zuvor - die Marmolata zu besteigen und eine Marienstatue zu weihen, die er "Königin der Dolomiten" nannte und die sich noch heute in der Muttergottes-Grotte von Punta Rocca in 3265 Metern Höhe befindet. 

Diese Reisen sind immer Gelegenheit, Betrachtungen anzustellen, die allen als geistliche Ratschläge für die Sommerzeit dienen können.

Der Papst sprach aber auch andere Themen an, wie beispielsweise jenes der Umwelt am 11. Juli 1993: "Es ist symptomatisch, dass in unserer Zeit  - angesichts dessen, was man als Gefahr eines "Umwelt-Holocaustes" bezeichnet hat - eine große kulturelle Bewegung entstanden ist, die sich dem Umweltschutz und der Wiederentdeckung des natürlichen Ambiente verschrieben hat. 

Für diese Dringlichkeit sollte man besonders die Jugendlichen sensibilisieren. Die respektvolle Nutzung der Natur muss als wichtiges Element im Erziehungsprozess betrachtet werden. Wer wirklich sich selbst finden will, muss lernen, die Natur zu genießen, deren Zauber sich durch innerliche Affinität mit der Stille der Kontemplation verbindet. Die Modulationen der Schöpfung sind ebenso viele Wege außergewöhnlicher Schönheit, auf denen die empfindsame und gläubige Seele leicht das Echo der geheimnisvollen und überragenden Schönheit erfassen kann, die Gott selbst ist, der Schöpfer, in dem jede Realität ihren Ursprung und ihr Leben hat."

1995, wenige Tage nach der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens Mulieris Dignitatem, als sich der Papst in der Gemeinde Introd im Aostatal befand, in die er oft zurückkehren wird, sagte er: "Unter allen Gaben und Pflichten, die ihr (der Frau) eigen sind, ragt besonders ihre Berufung zu Mutterschaft hervor. Mit ihr nimmt sie gleichsam eine ´Gründerrolle´ on Bezug auf die Gesellschaft ein. Es ist eine Rolle, die sie mit ihrem Ehemann teilt, aber die Natur hat ihr unbestreitbar den größeren Teil dabei zugeteilt."

Auch im großen Jubiläumsjahr 2000 kehrt der Papst in das Aostatal zurück. Beim Angelus am 16. Juli erklärt er: "Wenn ich auf diese Berge schaue, gehen meine Gedanken heute zum Berg Karmel, der in der Bibel wegen seiner Schönheit besungen wird. Heute feiern wir nämlich den Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berg Karmel. Auf jenem Berg, der in Israel in der Nähe von Haifa liegt, verteidigte der heilige Prophet Elia mit großer Tapferkeit die Unversehrtheit und Reinheit des Glaubens des auserwählten Volkes an den lebendigen Gott. Auf demselben Berg versammelten sich im 12. Jahrhundert nach Christus mehrere Eremiten, um sich der Kontemplation und Buße zu widmen. Aus ihrer geistlichen Erfahrung entstand der Orden der Karmeliter.

Der Karmel steht symbolisch für den Berg der vollkommenen Annahme des Willens Gottes und für unser ewiges Heil. Wir alle sind berufen, diesen geistlichen Berg mutig und ohne Rast zu besteigen. 

Wenn wir mit der seligen Jungfrau gehen, dem Vorbild der vollkommenen Treue zum Herrn, werden wir weder Hindernisse noch Schwierigkeiten fürchten. Von ihrer mütterlichen Fürsprache gestützt können wir, wie Elia, unsere Berufung als wahrhaftige ´Propheten´ des Evangeliums in unserer Zeit ganz verwirklichen."

Die Berge sind der Ort, an denen Papst Johannes Paul II. Gott und der Schöpfung begegnet. Sie sind nicht nur ein physischer Ort, sondern ein Ort des Geistes.

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