Das Jahr Johannes Pauls II: Die Wissenschaft im Dienst des Friedens

Als der Papst die Wissenschaftler bat, jene unbewaffneten Propheten zu sein, die die Welt braucht

Der heilige Papst Johannes Paul II.
Foto: Vatican Media
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Die Zusammenarbeit des heiligen Papstes Johannes Paul II. mit der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften endet nicht, wie bereits erwähnt, mit dem Fall Galileo Galileis.

Eines der Themen, die die Karol Wojtyła besonders am Herzen lagen, war stets das des Friedens, wie Angela Ambrogetti von unserer Schwesternagentur ACI Stampa, in einem weiteren Artikel zum Jubiläumsjahr des hundertsen Geburtstags des Papstes schreibt.

Johannes Paul II. hatte ja selbst, am eigenen Leib, die Katastrophe des Krieges erlebt.

Am 12. November 1983 ermutigte er die Wissenschaftler anlässlich der Vollversammlung der Akademie mit den Worten: "Habt den Mut und die Kühnheit des Verstandes, der unermüdlich das Wahre sucht, und ihr werdet in der Kirche und in diesem Apostolischen Stuhl die überzeugtesten Verbündeten haben."

Die Suche nach der Wahrheit dient auch der Erlangung des Friedens. "Das Ziel des Universums ist nicht nur, die Wahrheit zu offenbaren, die ihm immanent ist, sondern die erste Wahrheit kundzutun, die der Welt Ursprung und Form gegeben hat" so der Papst. "In diesem so schweren Moment der Geschichte bitte ich euch um die Liebesgabe des Wissens, das den Frieden aufbaut. Der Friede ist ein Geschenk, das Gott den Menschen guten Willens macht. Meine Worte richten sich an alle Menschen guten Willens - welchem Glauben sie auch angehören - und vor allem an euch, die ihr mir zuhört!"

Die Wissenschaft kann den Frieden förden, zu dem auch "unbewaffnete Propheten", wie die Päpste aufrufen. Johannes Paul II. erinnert besonders an Papst Pius XI..

"Die unbewaffneten Propheten wurden zu allen Zeiten belächelt, vor allem von den schlauen Politikern der Macht. Aber muss unsere Gesellschaft heute nicht anerkennen, dass die Menschheit sie braucht? Sollten nicht sie allein einmütig Gehör finden in der weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft, damit die Laboratorien und Werkstätten des Todes verlassen werden zugunsten der Laboratorien für das Leben? Der Wissenschaftler kann seine Freiheit nutzen, um den Bereich seiner Forschung zu wählen: Wenn es in einer bestimmten historischen Situation fast unausweichlich ist, dass eine gewisse wissenschaftliche Forschung für aggressive Zwecke genutzt wird, muss er sich für einen Bereich entscheiden, der am Wohl der Menschen und an der Errichtung des Friedens mitwirkt. In der Ablehnung bestimmter Forschungsgebiete, die unter konkreten historischen Bedingungen unweigerlich den Zielen des Todes dienen, sollten sich die Wissenschaftler der ganzen Welt in dem einen gemeinsamen Willen vereinen, die Wissenschaft zu entwaffnen und eine Kraft für den Frieden bilden."

Der Frieden ist das Werk der Gerechtigkeit, erinnerte der Papst; er ist "ein unermüdliches Werk, das niemals aufhören wird, weil in der Welt, aufgrund der sowohl individuellen als auch sozialen Sünden, ständig Brandherde der Ungerechtigkeit entstehen."

Der Papst ist sich dieser Realität sehr bewusst und bittet um die Mitarbeit der Wissenschaft: "Der Friede ist eine beständige Bemühung, der - was euch betrifft - eurer Forschung anvertraut ist und den technischen Anwendungen, die ihr durch euer Prestige zur Förderung der Gerechtigkeit hin ausrichten müsst, mit jener Befreiung und Freiheit der Intelligenz, die euch dort, wo eure Recherchen und Entdeckungen starke Instrumentalisierungen gegen die Gerechtigkeit und den Frieden erleiden könnten, andere Entscheidungen ermöglicht."

Er fügt aber auch hinzu: "Der Friede darf nicht - wie es viele tun - als Garantie für ethische Permissivität und Konsumismus in Anspruch genommen werden. Die universelle Anrufung des Friedens muss von einer tiefen Betrachtung über das Schicksal des Menschen, über den Sinn und die Qualität des Lebens durchdrungen sein. Wo die Bekehrung zu Wahrheit, zur Freiheit, zur Gerechtigkeit und Liebe nicht zu einer weit verbreiteten Anforderung wird, zu einer überall geförderten Praxis, da ist der soziale Frieden instabil, weil ihm seine tiefste Wurzel fehlt, die sich im Herzen des Menschen findet."

Johannes Paul II. ist zutiefst vom Nutzen der Wissenschaft für den Frieden überzeugt.

Er drückt dies auch in einem Brief an den Direktor der Vatikanischen Sternwarte und Mitglied des Rates der Akademie, Pater George Coyne, aus: "Wir haben vor Gott eine enorme Verantwortung für den Zustand der Menschen, da wir historisch gesehen eine beachtliche Bedeutung für die Entwicklung von Ideen und Werten und für den Verlauf des menschlichen Handelns hatten und haben."

Die Ansprachen des Papstes vor der Akademie der Wissenschaften müssen einzeln gelesen werden. Als sich der Papst im Jahr 1990 mit den Akademikern traf, erinnerte er beispielsweise an die Rolle und Bedeutung der Kultur im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils: "Die Kultur wird von den Menschen unserer Zeit als soziale und historische Realität wahrgenommen. Die gesamte wissenschaftliche Welt ist sich der Pflicht bewusst, eine kritische Position im Herzen der Entwicklung der Kulturen unserer Zeit einzunehmen; denn die Menschen von heute laden die Vertreter der Wissenschaft ausdrücklich ein, die Verantwortung zu übernehmen, die ihnen angesichts des Bedürfnisses nach Frieden, Entwicklung aller Völker, Schutz des menschlichen Lebens und der Natur obliegt. Dieses neue Bewusstsein, das die breite Öffentlichkeit von der Verantwortung hat, die den Wissenschaftlern zukommt, ist eines der Merkmale der modernen Kultur und beinhaltet auch eine klare Vorgabe für die Päpstliche Akademie der Wissenschaften.

Auch dieser Aspekt gehört zum Erbe des großen polnischen Papstes.

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