Das Leben, die Bekehrung und der Tod der Frau hinter "Roe v. Wade"

Norma McCorvey im texanischen Austin am 27. Januar 2001.
Foto: Joe Raedle/Getty Images
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Aus der Frau, die Abtreibung in den USA legalisieren half, wurde eine entschiedene Gegnerin und praktizierende Christin. Nun ist die Frau hinter dem Urteil "Roe v. Wade" verstorben.

Ihr Leben, ihre Bekehrung, und nun auch ihr Tod sind prägend für den Kampf um die Abtreibung: Norma McCorveys Geschichte steht - so Lebensschützer - paradigmatisch für den Kampf moderner Frauen um Würde.

Eine Geschichte über Vergebung

"Letzten Endes war Normas Geschichte nach [dem historischen Urteil] Roe nicht eine der Verbitterung, sondern der Vergebung. Sie entschied sich für Heilung und Versöhnung durch ihren christlichen Glauben", sagte Marjorie Dannenfelser, Vorsitzende der Lebensschutz-Organisation Susan B. Anthony List, nachdem bekannt wurde, dass "Jane Roe" alias Norma McCorvey am Samstag starb.

"Sie hat die Lügen der Abtreibungsindustrie und seiner Verfechter überstanden und das Wort erhoben gegen den Schrecken, der immer noch so viele betrifft", fügte Dannenfelser hinzu. "Ihr zum Gedenken und zur Ehre werden wir diese Arbeit fortsetzen, und wir beten für ihre ewige Ruhe."

Norma McCorvey, die Klägerin mit dem Alias "Jane Roe" im Fall "Roe v. Wade", der Abtreibung in den USA per Gerichtsentscheid legalisierte, starb am vergangenen Samstag im Alter von 69 Jahren.

Schwanger mit ihrem dritten Kind, verklagte sie den Bundesstaat Texas. Sie wollte das Kind abtreiben - aber dies war nach damaliger Gesetzgebung illegal. "Im Jahr 1973 war ich eine verwirrte 21-jährige mit einem Kind und einer ungeplanten Schwangerschaft", sagte McCorvey in einem kürzlich erschienen Interview mit "VirtueMedia".

Ihr Fall war angeblich der einer Schwangerschaft durch Vergewaltigung. Später gab McCorvey jedoch zu, gelogen zu haben; sie war nicht vergewaltigt worden.

"Manipulation, Lügen und Druck"

"Viele glauben, dass sie in diese Situation hineingezwungen wurde, und ermutigt wurde, über ihre Lage zu lügen und zu behaupten, dass sie vergewaltigt worden war", kommentierte Jeanne Mancini, Vorsitzende des "Marsches für das Leben". Tatsächlich stecke hinter dem Fall jedoch "grobe Manipulation und Lügen und Druck", fügte sie hinzu. 

Der Fall ging bis vor den Supreme Court, den Obersten Gerichtshof. Mit seinem Urteil legalisierte dieser die Abtreibung in allen 50 Bundestaaten der USA. 

Seit 1973 wurden über 50 Millionen Kinder in den Vereinigten Staaten abgetrieben. 

Doch wie auch im Fall Doe v. Bolton - der am gleichen Tag entschieden wurde wie Roe v. Wade - hatte keine der Klägerinnen eine Abtreibung. Beide Frauen hatten letztlich "diese radikale Bekehrung zur Wahrheit und widmeten ihr Leben dem Schutz der angeborenen Würde des Menschen", sagte Mancini.

Statt ihr Kind abzutreiben brachte McCorvey es auf die Welt und gab es zur Adoption frei. Sie war Mutter dreier Töchter. 

Bekehrung zum Glauben

Eine Zeitlang arbeitete sie in einer Abtreibungsklinik; später machte sie publik, dass sie die "Jane Roe" des historischen Urteils war. Mitte der 1990er Jahre erlebte sie eine radikale Bekehrung. Sie wurde Christin und schloss sich der Lebensschutz-Bewegung an. 

"Durch die Hand derer, denen die Legalisierung der Abtreibung wichtiger war als ihre persönlichen Umstände, hatte Norma enorm zu leiden", sagte Marjorie Dannenfelser, Vorsitzende der Susan B. Anthony List

Sie ist Gründerin der Gruppe "Roe No More", deren Ziel es ist, das Urteil und seine kulturellen Folgen aufzuheben. 

McCorvey offenbarte:

"Als ich zu Gott fand, realisierte ich, dass mein Fall, der Abtreibung auf Abruf legalisierte, der größte Fehler meines Lebens war." Sie fügte hinzu, dass "Abtreibung eine unendliche Zahl von Müttern, die abgetrieben haben, von Vätern und Familien verwundet". 

Obwohl schon als Christin getauft, fühlte sich McCorvey zum Katholizismus hingezogen. In einem Artikel für die Gruppe "Priester für das Leben" erzählte sie einmal, sie habe als Kind mit ihrer Mutter die heilige Messe besucht, da ihr Mutter katholisch gewesen sei.

"Ich mochte es unheimlich, war oft zu Tränen gerührt. Ich spürte die Gegenwart Gottes", schrieb sie. Die Rituale und der Symbolismus der Kirche hätten sie sehr bewegt, so McCorvey: "Die Prozession mit Priester und Ministranten, der Weihrauch, das Kreuz, die Kerzen, die Statuen und die Musik. Ich wusste, dass Gott überall ist, aber in katholischen Kirchen war ich Ihm besonders nah."

Reue, Mut und Lösungen

Tom Peterson, Vorsitzender und Gründer von "VirtueMedia", interviewte McCorvey nach ihrer Bekehrung zum Katholizismus und ihrer Entscheidung, für den Schutz des ungeborenen Lebens einzutreten. 

"Da war eine Frau, die ihre Entscheidung zutiefst bereute, die den Mut und den Glauben hatte, mit dieser Botschaft vor ein landesweites Fernsehpublikum zu treten", so Peterson - mit einer Botschaft, die geholfen habe, die Wunden zu heilen, und in jeder noch so komplizierten Situation Lösungen zu finden.

"Dafür zahlte sie einen hohen Preis", so Peterson.

"Sie sagte, dass es sie schwer belaste, dass 50 Millionen Babies starben aufgrund ihrer Beteiligung an diesem Fall", erzählte Peterson weiter. Und sie habe über die Zahl der dadurch verletzten Frauen gesprochen. 

"Für viele Jahre hatte sie schwere physische und psychische Kämpfe auszufechten", erinnerte er sich. 

Seine Firma "VirtueMedia" hat die Website "JaneRoe.com" ins Leben gerufen, auf der sowohl McCoey Zeugnis ablegt als auch Frauen, die abgetrieben haben und diesen Schritt bereuen.

McCorvey legte nach ihrer Bekehrung zum Katholizismus die Beichte ab und empfing die Sakramente der Erstkommunion und Firmung. Nach der Messe beschrieb sie, was sie während der Eucharistiefeier empfand:

"Mir war erklärt worden, was dies bedeutet. Jesus starb nicht wieder. Stattdessen zog Jesus uns in Sein Opfer hinein, machte es uns gegenwärtig, erlaubte uns, unsere Leben, unser Leiden mit Seinem zu vereinen. Das war und ist das Opfer, dass die Welt rettet, dass die Macht des Todes überwindet und die Macht der Abtreibung zerstört. In dieser Messe konnte ich an Ort und Stelle in den Kelch all die Tränen geben, die ich über die abgetriebenen Babies geweint habe, all die Scham, die ich jemals empfunden habe darüber, in einer Abtreibungsklinik gearbeitet zu haben und ein Aushängeschild für die Abtreibungsbewegung gewesen zu sein. An Ort und Stelle, so wie Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt wurden, konnte die ehemalige Jane Roe noch einmal jubeln über ihre Verwandlung in ein neues Geschöpf Christi."

Katholiken und führende Figuren der Lebensschutz-Bewegung beteten für Norma McCorvey, ihre Familie, und alle Opfer von Abtreibung. 

"Mit Normas Tod beten wir selbstverständlich, dass ihre Seele Ruhe findet", wie nun auch für das ganze Land in dieser entscheidenden Zeit gebetet werde, so Peterson. 

Das könnte Sie auch interessieren: