Das Leben, die Bekehrung und der Tod der Frau hinter "Roe v. Wade"

Norma McCorvey im texanischen Austin am 27. Januar 2001.
Foto: Joe Raedle/Getty Images
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Aus der Frau, die Abtreibung in den USA legalisieren half, wurde eine entschiedene Gegnerin und praktizierende Christin. 2017 ist die Frau hinter dem Urteil "Roe v. Wade" verstorben – das sich am heutigen Mittwoch zum 47. Mal jährt.

Ihr Leben, ihre Bekehrung, und nun auch ihr Tod sind prägend für den Kampf um die Abtreibung: Norma McCorveys Geschichte steht – so Lebensschützer – paradigmatisch für den Kampf moderner Frauen um Würde.

Eine Geschichte über Vergebung

"Letzten Endes war Normas Geschichte nach [dem historischen Urteil] nicht eine der Verbitterung, sondern der Vergebung. Sie entschied sich für Heilung und Versöhnung durch ihren christlichen Glauben", sagte Marjorie Dannenfelser, Vorsitzende der Lebensschutz-Organisation Susan B. Anthony List, nachdem bekannt wurde, dass "Jane Roe" alias Norma McCorvey gestorben war.

"Sie hat das Wort erhoben gegen den Schrecken, der immer noch so viele betrifft", fügte Dannenfelser hinzu. "Ihr zum Gedenken und zur Ehre werden wir diese Arbeit fortsetzen, und wir beten für ihre ewige Ruhe."

Norma McCorvey starb im Jahr 2017 im Alter von 69 Jahren.

Als junge Frau war sie mit ihrem dritten Kind schwanger, und wollte eine Abtreibung – die nach damaliger Gesetzgebung jedoch verboten war. Sie zog gegen den Bundesstaat Texas vor Gericht mit der Behauptung, sie sei infolge einer Vergewaltigung schwanger geworden.

Später gab McCorvey jedoch zu, gelogen zu haben; sie war nicht vergewaltigt worden.

"Im Jahr 1973 war ich eine verwirrte 21-jährige mit einem Kind und einer ungeplanten Schwangerschaft", sagte McCorvey in einem 2017 veröffentichten Interview mit "VirtueMedia".

"Manipulation, Lügen und Druck"

"Viele glauben, dass sie in diese Situation hineingezwungen wurde, und ermutigt wurde, zu lügen und zu behaupten, dass sie vergewaltigt worden war", so Jeanne Mancini, Vorsitzende des "Marsches für das Leben" in den USA.

Tatsächlich stecke hinter dem Fall jedoch "grobe Manipulation und Lügen und Druck".

Der Fall ging bis vor den Supreme Court, den Obersten Gerichtshof. Mit seinem Urteil legalisierte dieser die Abtreibung in allen 50 Bundestaaten der USA. Seit 1973 wurden über 50 Millionen ungeborene Kinder in den Vereinigten Staaten abgetrieben. 

Doch abgetrieben hat Norma McCorvey nicht.

Wie auch im Fall Doe v. Bolton – der am gleichen Tag entschieden wurde wie Roe v. Wade – hatte keine der Klägerinnen eine Abtreibung. Beide Frauen hatten letztlich "diese radikale Bekehrung zur Wahrheit und widmeten ihr Leben dem Schutz der angeborenen Würde des Menschen", wie Mancini im Jahr 2017 zusammenfasste.

Statt ihr Kind abzutreiben brachte McCorvey es auf die Welt und gab es zur Adoption frei. Sie war Mutter dreier Töchter. 

Bekehrung zum Glauben

Eine Zeitlang arbeitete McCorvey in einer Abtreibungsklinik. Dass sie die "Jane Roe" des historischen Urteils war, wurde erst nach mehreren Jahren publik. Und dann, Mitte der 1990er Jahre, kam eine radikale Bekehrung: Die Frau, deren Fall Abtreibung in den USA legalisierte wurde zu einer überzeugten Christin und schloss sich der Lebensschutz-Bewegung an. 

"Durch die Hand derer, denen die Legalisierung der Abtreibung wichtiger war als ihre persönlichen Umstände, hatte Norma enorm zu leiden", sagte Marjorie Dannenfelser, Vorsitzende der Susan B. Anthony List. Dannfelser ist Gründerin der Gruppe "Roe No More", deren Ziel es ist, das Urteil und seine kulturellen Folgen aufzuheben. 

"Als ich zu Gott fand, realisierte ich, dass mein Fall, der Abtreibung auf Abruf legalisierte, der größte Fehler meines Lebens war", so Normal McCorvey im Nachhinein.

So viele Frauen und Mütter, aber auch die Väter und die Familien insgesamt, leideten unter den Folgen von Abtreibungen, fuhr sie fort.

Obwohl schon als Christin getauft, fühlte sich McCorvey zum Katholizismus hingezogen. In einem Artikel für die Gruppe "Priester für das Leben" – Priests for Life –  erzählte sie einmal, sie habe als Kind mit ihrer Mutter die heilige Messe besucht, da ihr Mutter katholisch gewesen sei.

"Ich mochte das unheimlich, war oft zu Tränen gerührt. Ich spürte die Gegenwart Gottes", schrieb sie.

Die Rituale und der Symbolismus der Kirche hätten sie sehr bewegt, so McCorvey: "Die Prozession mit Priester und Ministranten, der Weihrauch, das Kreuz, die Kerzen, die Statuen und die Musik. Ich wusste, dass Gott überall ist, aber in katholischen Kirchen war ich Ihm besonders nah."

Reue, Mut und Lösungen

Tom Peterson, Vorsitzender und Gründer von "VirtueMedia", interviewte McCorvey nach ihrer Bekehrung zum Katholizismus und ihrer Entscheidung, für den Schutz des ungeborenen Lebens einzutreten. 

"Da war eine Frau, die ihre Entscheidung zutiefst bereute, die den Mut und den Glauben hatte, mit dieser Botschaft vor ein landesweites Fernsehpublikum zu treten", so Peterson. "Dafür zahlte sie einen hohen Preis".

Im Gespräch sei ihm klar geworden, dass diese "Jane Roe" über viele Jahre schwere physische und psychische Kämpfe auszufechten hatte.

Seine Firma "VirtueMedia" hat die Website "JaneRoe.com" ins Leben gerufen, auf der sowohl McCorvey zu Wort kommt wie auch Frauen, die abgetrieben haben und diesen Schritt bereuen.

McCorvey legte nach ihrer Bekehrung zum Katholizismus die Beichte ab und empfing die Sakramente der Erstkommunion und Firmung. Nach der Messe beschrieb sie, was sie während der Eucharistiefeier empfand:

"Mir war erklärt worden, was dies bedeutet. Jesus starb nicht wieder. Stattdessen zog Jesus uns in Sein Opfer hinein, machte es uns gegenwärtig, erlaubte uns, unsere Leben, unser Leiden mit Seinem zu vereinen. Das war und ist das Opfer, dass die Welt rettet, dass die Macht des Todes überwindet und die Macht der Abtreibung zerstört. In dieser Messe konnte ich an Ort und Stelle in den Kelch all die Tränen geben, die ich über die abgetriebenen Babies geweint habe, all die Scham, die ich jemals empfunden habe darüber, in einer Abtreibungsklinik gearbeitet zu haben und ein Aushängeschild für die Abtreibungsbewegung gewesen zu sein. An Ort und Stelle, so wie Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt wurden, konnte die ehemalige Jane Roe noch einmal jubeln über ihre Verwandlung in ein neues Geschöpf Christi."

Katholiken und führende Figuren der Lebensschutz-Bewegung beteten für Norma McCorvey, ihre Familie, und alle Opfer von Abtreibung. 

(Eine frühere Fassung dieses ursprünglich auf Englisch bei CNA erschienen Artikels erschien am 21. Februar 2017 bei CNA Deutsch.) 

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