Das macht die Diplomatie des Vatikans einzigartig

Die Flagge des Vatikans weht am 12. März 2015
Foto: CNA/Petrik Bohumil
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Auf einer Veranstaltung zur Religionsfreiheit in Washington hat "Außenminister" des Vatikans erklärt, wie der Heilige Stuhl einen einzigartigen Ansatz zur Diplomatie und zur Förderung der Religionsfreiheit verfolgt.

Erzbischof Paul Gallagher, der seit 2014 als Sekretär des Vatikans für die Beziehungen zu anderen Staaten tätig ist, betonte dabei, dass er kein Fan der "groß Diplomatie" sei, in der die Entscheider sich aus der Ferne anmaßen, Urteile zu fällen.

"Für uns ist das ganz einfach, etwas in Rom zu sagen oder in der internationalen Presse. Aber die Bevölkerung vor Ort muss die Konsequenzen tragen", so Erzbischof Gallagher gegenüber CNA.

"Wir versuchen stattdessen, uns einzubringen, uns zu kümmern, und sehr oft vor Ort, über unsere lokalen Netzwerke, zu arbeiten."

Bei einer Veranstaltung am 24. Juli, die gemeinsam vom Religious Freedom Institute und dem Center for Religious Liberty der Katholischen Universität von Amerika veranstaltet wurde, wies der Erzbischof auf die Rolle des Vatikans bei den Verhandlungen in den von schweren Krisen erschütterten Nationen Nicaragua und Venezuela hin.

"Die Bischöfe haben auf Einladung der Regierung die Aufgabe übernommen, einen Dialog zwischen der der staatlichen Seite und oppositionellen Gruppen zu begleiten und betreuen. Das ist sehr kompliziert, und im Moment ist es ein Dialog, der sich in großen Schwierigkeiten befindet, aber wir bleiben ihm verpflichtet."

Gallagher weiter: "Wir versuchen, engagiert zu bleiben. Wir ziehen uns nicht zurück. Wir geben nicht auf. Wir glauben, dass Lösungen möglich sind."

Gallagher, der zuvor als päpstlicher Nuntius in Burundi, Guatemala und Australien gedient hat, sagte CNA, dass er sich seiner Verantwortung gegenüber den Menschen vor Ort noch mehr bewusst sei, wenn er in seiner derzeitigen Rolle als Staatssekretär Entscheidungen trifft.

"Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber den Menschen vor Ort immer sehr bewusst, denn sie sind es, die manchmal den Preis dafür zahlen müssen, und das empfinde ich persönlich sehr, und ich weiß, dass der Heilige Vater das tut, also sind wir offensichtlich vorsichtig", erklärte der Erzbischof.

Für Gallagher ist dies einer der Aspekte, der die Diplomatie des Vatikans von der Außenpolitik anderer Länder unterscheidet, die ein spezifisches nationales Interesse verfolgen.

"Wir sind wohl die älteste diplomatische Organisation der Welt", erklärte er.

"Der Heilige Stuhl und der Papst üben diese Rolle im Namen der Menschheit aus, nicht nur zur Förderung der katholischen Kirche", so der Diplomat und Priester.

"Fast überall auf der Welt gibt es Katholiken.... Manchmal sind diese Katholiken eine Minderheit. Sie können sehr verwundbar sein. Wenn wir durch das, was wir sagen und tun, zu ihrer Verwundbarkeit beitragen oder dieses verschlimmern, dann ist das etwas, worüber man lange und intensiv nachdenken muss, bevor man es tut. Deshalb neigen wir dazu zu sagen: "Versuchen wir es mit diplomatischen Mitteln. Lass uns mit den Leuten unter vier Augen reden.'"


Während "grandiose Aussagen und Denunziationen" auch ihren Platz im Instrumentarium der Diplomatie hätten, sagte Gallagher weiter: "Ich ziehe es vor, mit Menschen zu reden und mich auszutauschen, oder sie unter persönlichen Druck zu setzen."

Gallagher sagte jedoch, er wünsche sich mehr öffentliche Debatten über Religions- und Gewissensfreiheit und nannte diese "den Lackmustest jeder Gesellschaft".

Die Veranstaltung vom 24. Juli mit dem Titel "Der Kampf um internationale Religionsfreiheit: Perspektiven aus dem Vatikan" war Ableger einer größeren Veranstaltung des US-Außenministeriums über internationale Religionsfreiheit, die vom 24. bis 25. Juli stattfand.

Die US-Botschafterin am Heiligen Stuhl, Callista Gingrich, und ihr Vorgänger, Botschafter Miguel Diaz, sprachen auch darüber, wie die USA und der Vatikan zusammenarbeiten, um für verfolgte Religionsgemeinschaften in der ganzen Welt einzutreten.

Gingrich leitete ein Podiumsgespräch, das sich mit den Schnittstellen zwischen Frauenrechten und Religionsfreiheit befasste.

Sie sprach über die weit verbreiteten sexuellen Übergriffe, Vergewaltigungen und Morde an Frauen und Mädchen in Burma, an die Entführungen durch Boko Haram und die Versklavung und Vergewaltigung von unzähligen Frauen durch Kämpfer des Islamischen Staates, seien sie Jesidinnen, Christinnen oder Muslimas.

"Während diese und andere abstoßende Handlungen zum Teil aus religiösen Motiven begangen wurden, stellen sie in Wirklichkeit Perversionen des religiösen Glaubens dar. Diese Missbräuche haben zu einem Missverständnis geführt, dass Religionsfreiheit und Frauenrechte unvereinbar sind - dass mehr Religionsfreiheit die Gleichheit und Gerechtigkeit für Frauen einschränkt".

Gleichzeitig lehnte Gingrich diese Ideen als "unfaire und irreführende Charakterisierung" ab und sagte: "Wenn die Religionsfreiheit geschützt wird, werden die Rechte der Frauen gestärkt, und Gesellschaften gedeihen".

Übersetzt und redigiert aus dem Englischen

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