Erdbeben in Italien: Die unglaubliche Ähnlichkeit mit den Ereignissen des Jahres 1703

Erdbeben in Mittelitalien.
Foto: PD via ACI Stampa
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1703 war aufgrund der Erdbeben ein schreckliches Jahr für Mittelitalien. Es gab zwei Beben mit einem Abstand von nur 19 Tagen in Umbrien (am 16. Januar) und in den Abruzzen (am 2. Februar). Die Epizentren dieser beiden Erbeben waren ziemlich nahe an Rom, so dass sie auch im Vatikan Schäden und Panik verursachten. Papst Clemens XI. richtete eine Kommission ein, um zu verstehen, ob es möglich sei, Erdbeben vorherzusehen.

Das Beben wird in den Werken von Ludwig von Pastor wie folgt beschrieben: "Am Abend des 14. Januar 1703 wurde Rom von einem Erdbeben erschüttert, begleitet von Wasserströmen und Stürmen. Das Beben war kurz, aber sehr heftig und die Glocken der Kirchen fingen von alleine zu läuten an. Auch das Glöckchen auf dem Tisch des Papstes läutete, der in diesem Moment den Bericht des Sekretärs für die Bittschriften anhörte. Clemens lief in die Kapelle, in der sich viele seiner Verwandten befanden, um zu beichten. Auch in den anderen Kirchen der Stadt versammelten sich viele Bürger jeden Standes, um zu beten."

Im Text heißt es weiter: "Am folgenden Tag ging der Papst zwei Stunden vor Sonnenaufgang nach Sankt Peter, wo er vor einer großen Menschenmenge die heilige Messe las. Dann berief er die Kardinäle in einem Konsistorium ein und mahnte sie, den Zorn Gottes durch Buße zu besänftigen. In Rom, wo sogar äußerst solide Gebäude Risse zeigten, war der Schrecken so groß, dass viele trotz des Regens die Nächte in Hütten auf den Feldern oder in Kutschen verbrachten.... Neue, leichtere Beben folgten, als sich der Papst am 16. Januar in den Lateran begab, einen Ablass ausrief und Bittprozessionen anordnete... Die Schäden, die vom Erdbeben des 2. Februar verursacht wurden, waren in der ganzen Stadt beträchtlich."

Er berichtet weiter:

"Vor allem die Kirche des heiligen Laurentius erlitt große Schäden... Der Papst ließ auch wissenschaftliche Beobachtungen anstellen, um zu erforschen, ob es möglich sei, die Erdbeben vorherzusehen... am 15. April folgte ein heftiger Wirbelsturm und am 24. Mai ein erneutes Erdbeben, das – obwohl es leicht war – viele dazu bewegte, ins Umland zu flüchten. Die Chronik von Rom verzeichnet zudem für den 10 Oktober Orkane und weitere Erdbeben... vor allem in Norcia, Foligno, Spoleto und L'Aquila. Der Papst schickte dorthin ausgiebig Unterstützung."

Das "Große Erdeben" war also kein einmaliges Ereignis, sondern eine Reihe von seismischen Ereignissen, die in der Region stattfanden, die der aktuellen Provinz L'Aquila und Teilen der Provinz Rieti entsprechen. Im Januar 1703 gab es innerhalb weniger Tage drei Beben mit hohen Werten auf der Momenten-Magnituden-Skala: am 14. Januar, am 16. Januar und am 2. Februar mit den jeweiligen Werten 6.8, 6.2 und 6.6. Eine seltsame Analogie in der Geschichte und in der Natur.

Die jetzigen Beben fanden in der Tat in einer metereologisch 'schwierigen' Periode statt aufgrund der großen Schneefälle, die die Bevölkerung erneut in Angst und Schrecken versetzten, so dass in den von den Erdbeben betroffenen Städten die Notaufnahmestellen wieder geöffnet wurden. Und wie damals, so ist auch heute Papst Franziskus in engem Kontakt mit den Bischöfen der betroffenen Diözesen, wie Bischof Nunzio Galantino, Sekretär der italienischen Bischofskonferenz, berichtete.

Die Bemühungen der italienischen Caritas gelten allen Personen in Mittelitalien; sie verfielfacht den Einsatz für die leidende Bevölkerung, auch wenn der Schnee die Arbeiten schwierig macht und  hindert, einige Orte zu erreichen.

"Erdbeben und Schnee – eine tödliche Mischung, die weitere Opfer gefordert hat", so die Caritas. "Neben dem Landwirt, der in Teramo durch den Einsturz seines Stalles umkam, gab es weiter Opfer in Farindola bei Pescara, wo ein Hotel von einer Schneelawine erfasst wurde."

Die Caritas betont: "Neben der weiteren konkreten Hilfe besteht die Priorität aktuell darin, den örtlichen Gemeinden zuzhören und das Leid und die Verlassenheit so vieler an die Institutionen weiterzugeben, ihre Enttäuschung nach zu vielen Versprechen, die gemacht, aber nicht gehalten wurden. Ein Ballast an Fragen, die wirklich Antworten brauchen, von den jetzt nötigsten bis hin zum Wiederaufbau, von dem die Zukunft dieser Personen abhängt."

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