Erzbischof Viganò widerspricht Vorwürfen des McCarrick-Reports

Erzbischof Carlo Viganò
Foto: Edward Pentin / EWTN News

Erzbischof Carlo Maria Viganò, der von 2011 bis 2016 als Apostolischer Nuntius in den Vereinigten Staaten diente, hat Behauptungen des McCarrick-Report dementiert, er habe es versäumt, Anweisungen zur Untersuchung von Theodore McCarrick Folge zu leisten.

In einem Interview am 12. November mit Raymond Arroyo, dem Moderator der US-amerikanischen EWTN-Sendung "The World Over", sagte der ehemalige Nuntius, er sei während der Erstellung des Berichts weder interviewt noch gebeten worden, seine Sichtweise mitzuteilen.

Gleichzeitig wird Vigano im McCarrick-Report über 300 Mal erwähnt, oft in einem negativen Licht.

Der mit Hochspannung erwartete McCarrick-Report wurde intern im Vatikan vom Staatssekretariat produziert und nach monatelanger Verzögerung diese Woche veröffentlicht.

Der Bericht sollte untersuchen, wie der Ex-Kardinal über Jahrzehnte junge Männer und männliche Jugendliche, bis hin zu Buben, sexuell nötigen und missbrauchen konnte, während er gleichzeitig eine steile Karriere als Kleriker machte.

Der mehr als 400 Seiten umfassende Report schildert unter anderem, wie drei US-amerikanische Bischöfe dem notorischen "Onkel Ted" ein reines Zeugnis gegenüber dem Vatikan ausstellten.

Viganò sagte, es sei klar, dass der Bericht versuche, die Schuld auf Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. abzuwälzen. Er sagte, die ehemaligen Päpste seien wahrscheinlich von Amtsträgern innerhalb der Kurie überzeugt worden, den Gerüchten um McCarrick nicht zu glauben.

"Wer hatte ein Interesse daran, McCarrick befördern zu lassen, um sich einen Vorteil in Bezug auf Macht und Geld zu verschaffen?", fragte er.

"Im Fall von Johannes Paul II. war die Hauptperson, die an der Beförderung von McCarrick interessiert war, definitiv Kardinal [Angelo] Sodano. Er war bis September 2006 Staatssekretär. Alle Informationen kamen zu ihm. Im November 2000 hatte er bereits Informationen vom Nuntius [Gabriel] Montalvo für über den Vorwurf des schweren Missbrauchs durch McCarrick erhalten".

Im Fall von Benedikt XVI., so Viganò, habe Kardinal Tarcisio Bertone "Papst Benedikt dazu veranlasst, zu entscheiden, dass weder ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet noch kanonische Sanktionen verhängt werden sollten", sondern letztlich nur ein Appell an McCarricks eigenes Gewissen.

Im August 2018 veröffentlichte Viganò eine 11-seitige "eidesstattliche Erklärung", in der er behauptete, Benedikt XVI. habe Ende der 2000er Jahre Sanktionen gegen McCarrick verhängt. Er sagte, McCarrick sei "verboten worden, [die Messe] in der Öffentlichkeit zu feiern, an öffentlichen Versammlungen teilzunehmen, Vorträge zu halten und zu reisen, mit der Verpflichtung, sich einem Leben des Gebets und der Buße zu widmen".

Viganò sagte auch, er habe Papst Franziskus persönlich von diesen Sanktionen im Jahr 2013 berichtet, doch Franziskus habe diese Sanktionen nicht nur aufgehoben, sondern McCarrick auch zu seinem "engen Berater" gemacht, der ihn bei mehreren Bischofsernennungen in den Vereinigten Staaten beraten habe. Viganò forderte Papst Franziskus deshalb auf, von seinem Amt zurückzutreten.

Der McCarrick-Report steht im Widerspruch zu mehreren Aussagen der Erklärung Viganòs. Er bestreitet, was er als Sanktionen bezeichnet, die Benedikt XVI. gegen McCarrick verhängt hat, und verweist auf zahlreiche Beispiele dafür, dass McCarrick Viganò über seine Reisen und öffentlichen Engagements auf dem Laufenden hielt, während Viganò Nuntius war.

In einigen Fällen reagierte Viganò darauf mit einem Schreiben, in dem er McCarrick für seine Arbeit würdigte und ihm dafür dankte.

Im McCarrick-Report heißt es auch, dass Viganò es 2012 versäumt habe, die Anweisungen zur Untersuchung der Vorwürfe gegen McCarrick zu befolgen.

Dem Bericht zufolge schrieb Viganò 2012 an Kardinal Marc Ouellet, Präfekt der Bischofskongregation, und informierte ihn über eine Beschweerde gegen McCarrick durch einen sexuell missbrauchten Kleriker, der im Bericht als "Priester 3" bezeichnet wird. In dem Bericht hieß es, Ouellet habe Viganò, der damals Nuntius in den USA war, angewiesen, zu untersuchen, ob die Klage glaubwürdig sei, aber Viganò "habe diese Schritte nicht unternommen".

Viganò wies die Behauptung, er habe es versäumt, die Angelegenheit zu untersuchen, kategorisch zurück und nannte sie "absolut falsch". Er sagte, der Bericht selbst bestätige die schriftliche Korrespondenz zwischen ihm und Bischof Paul Bootkoski von Metuchen, dem Ordinarius von Priester 3, die er im Juni 2013 an Kardinal Ouellet weiterleitete.

In seinem Interview mit Arroyo behauptete Viganò erneut, Papst Benedikt XVI. habe McCarrick sehr wohl angewiesen, sich zurückzuziehen und ein Privatleben in Buße zu führen, ohne an öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen, sagte aber, korrupte Kurienmitglieder hätten diese Maßnahmen nicht durchgesetzt.

Im Gegensatz zu den Aussagen im Bericht Viganò bestand auch weiter darauf, dass er Papst Franziskus direkt und persönlich darüber informiert habe, dass McCarrick eine Generation von Seminaristen und Priestern "korrumpiert" habe und dass Papst Benedikt ihm befohlen habe, ein Leben des Gebets und der Buße zu führen.

Er sagte, er habe dies in Antwort auf eine direkte Frage von Papst Franziskus gekommen, in der er gefragt wurde, was er von McCarrick halte. Er sagte, der Papst habe nicht überrascht auf seine Worte reagiert, sondern das Thema gewechselt.

"Das Beunruhigende ist, dass es in dem Bericht selbst, der offensichtlich von vielen Händen zusammengestellt wurde, zahlreiche Widersprüche gibt - genug, um das Argument, der Bericht sei wenig glaubwürdig, zu belegen", sagte Viganò.

Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.

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