Generalvikar von Speyer tritt zurück: Andreas Sturm wird altkatholisch

Dom zu Speyer
Foto: Kai Scherrer / Wikimedia Commons (CC0 1.0)

Der Generalvikar von Speyer, Andreas Sturm, ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten und wird von nun an "als Priester in der Altkatholischen Kirche tätig sein", wie das Bistum am Freitag bekanntgab.

"Ich habe im Lauf der Jahre Hoffnung und Zuversicht verloren, dass die römisch-katholische Kirche sich wirklich wandeln kann", erklärte Sturm. "Gleichzeitig erlebe ich, wie viel Hoffnung in laufende Prozesse wie zum Beispiel den Synodalen Weg gesetzt wird. Ich bin aber nicht mehr in der Lage, diese Hoffnung auch zu verkünden und ehrlich und aufrichtig mitzutragen, weil ich sie schlichtweg nicht mehr habe."

Im letzten Jahr hatte Sturm angekündigt, sich nicht an die Erklärung der Glaubenskongregation halten zu wollen, wonach es der Kirche unmöglich ist, homosexuelle Verbindungen zu segnen.

Bistum Speyer / Wikimedia (CC BY-SA 4.0) 

Reaktion von Bischof Wiesemann

Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat Sturm von allen Aufgaben entbunden – "wenn auch mit großem Bedauern", wie er in einem auf den 13. Mai datierten Schreiben an die Mitarbeiter seines Bistums erklärte.

Als Leiter der Bistumsverwaltung habe sein Generalvikar „wichtige und richtungsweisende Impulse gegeben“, darunter einen "umsichtigen Umgang mit dem Thema Missbrauch" sowie das "Eintreten für Betroffene sexualisierter Gewalt im Raum der Kirche".

Neben der stärkeren Einbindung von Laien und der Erarbeitung der Bistumsvision habe Sturm "wesentlich dazu beigetragen, unser Bistum inhaltlich neu auszurichten und Schritte zur weiteren finanziellen Konsolidierung zu gehen".

"Ich spreche ihm für alles, was er für unser Bistum getan hat, meinen tief empfundenen Dank aus", so Wiesemann wörtlich. "Für seinen weiteren Lebensweg wünsche ich ihm alles erdenklich Gute und Gottes reichen Segen."

Nachfolger von Sturm

Wiesemann ernannte nun Markus Magin zum neuen Generalvikar. Magin ist seit 1994 Priester und seit 2009 Regens des Priester- und Pastoralseminars St. German in Speyer. Er habe sich in seiner bisherigen Laufbahn durch ein "breites theologisches Wissen, eine tiefe geistliche Verwurzelung und ein großes Organisations- und Kommunikationstalent" ausgezeichnet, sagte Wiesemann.

Übertritte zu Altkatholiken

Matthias Ring, der als Bischof der Altkatholiken in Deutschland fungiert, sagte im April, es seien in jüngerer Zeit vermehrt Übertritte von Katholiken zu sehen.

Im Dezember 2020 war der einstige Prior des Benediktinerklosters Andechs, Anselm Bilgri, altkatholisch geworden. Wenig später "heiratete" er seinen homosexuellen Partner.

Auch der einstige Dominikaner Frank Ewerszumrode arbeitet für die Altkatholiken. Zuvor hatte er an verschiedenen Hochschulen und Universitäten katholische Theologie gelehrt. Wie Bilgri ist Ewerszumrode offen homosexuell.

Bei den Altkatholiken können Frauen geweiht werden, eine Wiederheirat nach Scheidung ist möglich und homosexuelle Verbindungen werden gesegnet.

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