Gregor Pawlowski, jüdischer Holocaust-Überlebender und katholischer Priester, begraben

Ein Denkmal auf dem jüdischen Friedhof in Izbica, Polen.
Foto: Aung via Wikimedia (gemeinfrei)

Pater Gregor Pawlowski starb am 21. Oktober im Alter von 90 Jahren in Israel. Sein Wunsch war es jedoch, dass sein Leichnam in Polen an der Seite seiner jüdischen Familie und anderer Opfer des Holocausts beigesetzt wird.

"Pater Pawlowski lebte mehr als 50 Jahre lang in Jaffa, wo er den Gläubigen diente und Zeugnis von der Liebe zum Messias ablegte", heißt es auf der Website des St. Jakobus-Vikariats für hebräischsprachige Katholiken in Israel.

"Wir werden dich vermissen, Gregor", sagte das Vikariat, eine autonome Abteilung innerhalb des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, die sich um hebräischsprachige Kinder von Migranten und Asylbewerbern kümmert.

Der Priester hatte eine Requiem-Messe. Zu den Wünschen des Priesters gehörte aber auch, dass er ein jüdisches Begräbnis in dem Massengrab in Polen erhält, in dem seine Mutter, seine beiden Schwestern und Hunderte seiner Nachbarn aus ihrem Heimatdorf liegen.

Schon lange wollte er dort begraben werden. Bevor er nach Israel zog, hatte er in den 1970er Jahren eine Gedenkstätte in ihrem Namen errichtet.

Das Denkmal trägt eine Inschrift in polnischer und hebräischer Sprache aus dem Buch Hiob: "Denn ich weiß, dass mein Erlöser lebt und dass er am Ende auf der Erde stehen wird". Es erinnert an Pawlowskis Eltern, seine Schwestern und "an alle Juden, die von den Nazi-Mördern und Schändern der Gebote Gottes ermordet und auf diesem Friedhof begraben wurden."

"In Dankbarkeit gegenüber Gott, dass wir gerettet wurden, errichten wir dieses Denkmal", heißt es in der Unterschrift. Es trägt den Namen von Pawlowskis Bruder, den Taufnamen des Priesters und seinen Geburtsnamen.

Rabbiner Shalom Malul, Dekan der Jeschiwa Amit Ashdod, und mehrere Studenten flogen nach Polen, um dem Priester ein jüdisches Begräbnis neben dem Grab seiner Schwestern und seiner Mutter zu geben. Sie rezitierten das Kaddisch, das traditionelle Morgengebet, wie es sich der Priester gewünscht hatte, berichtet die Jerusalem Post.

Pawlowski wurde am 23. August 1931 als Jacob Zvi Griner in einer jiddischsprachigen jüdischen Familie in Polen geboren. Er war das jüngste von vier Geschwistern von Mendel und Miriam. Sie lebten in Zamosc im heutigen Ostpolen, wie aus einer Biografie des Priesters auf der Website des Vikariats St. Jakobus hervorgeht.

Seine Eltern, Mendel und Miriam, betrieben ein kleines Geschäft, in dem sie mit Holz und Kohle handelten und eine Obstbaumplantage pachteten. Er lernte etwas Hebräisch von einem Lehrer an seiner jüdischen Schule und etwas Polnisch von den Bauern des Dorfes.

Der Zweite Weltkrieg begann 1939, in dem Jahr, in dem Pawlowski in die erste Klasse gekommen wäre. Er erinnerte sich immer an das Geräusch der deutschen Kampfflugzeuge, die Bomben abwarfen. Die Sowjets marschierten in Zamosc ein und forderten die Dorfbewohner auf, mit ihnen nach Russland zurückzukehren. Pawlowskis älterer Bruder Hayim ging mit ihnen und die Familie verlor schließlich den Kontakt zu ihm.

Als die Nazis Polen vollständig besetzten, hatte die Familie große Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und genug zu essen zu finden. Die Kinder arbeiteten für andere Familien und erhielten dafür Geld, aber manchmal mussten sie auch Lebensmittel stehlen. Sein Vater wurde von den deutschen Soldaten schikaniert und gedemütigt.

Die Juden in Zamosc wurden in ein Viertel gezwungen, das in ein Ghetto umgewandelt wurde, wo die Verfolgung so weit ging, dass die Soldaten einige Juden ungestraft töteten.

Pawlowskis Vater wurde zur Arbeit für die Deutschen gezwungen. Eines Tages ging er zur Arbeit und kehrte nicht zurück, was der Familie das Herz brach. Später zerstörten die Deutschen das Ghetto und schickten die jüdischen Bewohner auf einen Zwangsmarsch ins etwa 14 Meilen entfernte Izbica, wo sie in den Häusern untergebracht wurden, die andere deportierte Juden hinterlassen hatten.

Bald darauf begannen die Nazis und ihre ukrainischen Kollaborateure mit einer Massenverhaftung von Juden. Pawlowski, seine Mutter und seine beiden Schwestern versuchten, sich in einem Keller zu verstecken, doch sie wurden entdeckt. Dem Jungen gelang allein die Flucht. Seine Mutter und seine Schwestern wurden an den Rand eines Massengrabes gebracht und erschossen, wo sie zusammen mit etwa tausend Juden aus ihrem Heimatdorf starben.

Für den Rest des Krieges zog Pawlowski von Ort zu Ort. Manchmal halfen ihm die Menschen, manchmal identifizierten sie ihn als Juden und setzten sein Leben aufs Spiel. Von einigen Polen lernte er die Gebete des katholischen Christentums, und ein jüdischer Junge schenkte ihm einen christlichen Taufschein mit einem neuen Namen: Gregor Pawlowski.

Benediktinerinnen nahmen ihn in einem Waisenhaus auf und meldeten ihn in der Schule an. Er durchlief schnell mehrere Klassenstufen und kam dann in ein anderes Waisenhaus.

Ein Priester kam, um die Kinder auf die Erstkommunion vorzubereiten. Der Junge sagte dem Priester nicht, dass er Jude war, sondern dass er nicht getauft worden war. Der Priester glaubte ihm nicht ganz, taufte ihn aber am 27. Juni 1945, als er fast 14 Jahre alt war, unter Vorbehalt.

Er beendete die Schule in der Stadt Polawny, diente der Kirche als treuer Katholik und verteidigte die Kirche und die Religion gegen einen kommunistischen Dozenten. Die Geheimpolizei nahm ihn zum Verhör mit und versuchte, ihn zu überreden, die Nonnen zu bespitzeln, doch er weigerte sich.

Später wollte Pawlowski Priester werden und trat in das große Priesterseminar in Lublin ein. Nur wenige Nonnen und Geistliche wussten, dass er ethnisch jüdisch war, aber der örtliche Bischof sagte, dass dies kein Hindernis sei. Einige Priester befürchteten jedoch, dass die Gemeindemitglieder einen jüdischen Priester nicht akzeptieren würden.

Er wurde am 20. April 1958 zum Priester geweiht. Die Nonnen aus seinem ehemaligen Waisenhaus richteten die Feier aus. Er diente als Priester in der Diözese Lublin. 1966, zur Jahrtausendfeier der Ankunft des Christentums in Polen, erregte Pawlowski landesweite Aufmerksamkeit, als er seine Geschichte in einer großen katholischen Zeitung in Krakau erzählte. Der Artikel gelangte nach Israel, wo Verwandte ihn lasen und Kontakt zu seinem lange verschollenen Bruder Hayim aufnahmen.

Von 1968 bis 1970 studierte er an der Katholischen Universität von Lublin.

Danach zog Pawlowski nach Israel, um sowohl polnisch als auch hebräisch sprechenden Katholiken zu dienen.

"Mein Platz ist hier, unter dem jüdischen Volk. Ich habe den Ruf gespürt, zu kommen und den Christen in meinem Land zu dienen", sagte er.

"Ich gehöre sowohl zu Polen als auch zu Israel. Ich kann nicht gegen Polen sprechen, weil sie mich gerettet haben, und ich kann nicht gegen Juden sprechen, weil ich einer von ihnen bin", so der Priester.

Pawlowski war mehr als 38 Jahre lang in Jaffa ansässig. Er verfasste Gedichtbände über sein Leben und über das Leben von Christus. Er schrieb auch Bücher über Religion und historische Themen, so die Website des Vikariats St. Jakobus.

Er verfasste auch die hebräischen und polnischen Inschriften für das Massengrab, in dem seine Familie und andere jüdische Mitbürger begraben sind.

"Ich verließ meine Familie, um mein Leben zur Zeit der Shoah zu retten", heißt es dort. "Sie kamen, um uns für die Vernichtung zu holen. Mein Leben habe ich gerettet und es dem Dienst an Gott und der Menschheit geweiht."

"Ich bin zu ihnen zurückgekehrt, an diesen Ort, an dem sie ermordet wurden, zur Heiligung des Namens Gottes. Mögen ihre Seelen in das ewige Leben versetzt werden."

Es trägt seinen christlichen und jüdischen Namen: "Pater Gregor Pawlowski, Jacob Zvi Griner, Sohn von Mendel und Miriam seligen Andenkens."

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.