Indische Polizei ermittelt gegen Kardinal wegen Vorwurf der Vertuschung von Missbrauch

Kardinal Oswald Gracias ist Erzbischof von Bombay am 22. Oktober 2015.
Foto: CNA / Daniel Ibanez
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Die indische Polizei hat Ermittlungen gegen Kardinal Oswald Gracias von Bombay und zwei Weihbischöfe aufgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, den sexuellen Missbrauch eines Minderjährigen vertuscht zu haben.

Im Jahr 2015 wurde offenbar ein 13-jähriger Jugendlicher – laut einem Bericht von "UCA News" – von einem katholischen Priester nach dem Abendgebet sexuell missbraucht.

Der Vorwurf wurde Berichten zufolge von medizinischen Fachleuten bestätigt und von den Eltern des Jungen an die Polizei gemeldet, so "UCA News" weiter. Der mutmaßliche Täter wurde am 2. Dezember 2015 festgenommen und befindet sich seitdem in Haft. Der Priester wurde angeklagt, mehrere Verbrechen gegen das Kinderschutzgesetz verübt zu haben.

Der Vater des Jungen hat nun gegenüber den Behörden geltend gemacht, dass Kardinal Gracias und zwei seiner Weihbischöfe, Savio Fernandes und John Rodrigues, versucht hätten, den Missbrauch zu vertuschen. Die Kirchenmänner hätten die Anschuldigungen hudem nicht ordnungsgemäß den Behörden gemeldet.

Ein Gericht beauftragte die Polizei von Mumbai am 7. Mai, eine Untersuchung einzuleiten, berichtete "The Hindu", eine indische Tageszeitung. Der Vater des Jungen sagte vor Gericht aus, dass Bischof Rodrigues zum Zeitpunkt des Vorfalls eine interne, kirchliche Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet habe, aber der Familie nie die Ergebnisse der Untersuchung mitgeteilt wurden –und die Polizei nicht über den Vorfall informiert worden sei.

Pater Nigel Barrett, ein Sprecher der Erzdiözese Bombay, sagte UCA News, dass die Erzdiözese die Untersuchung begrüße, weil sie "nichts zu verbergen" habe.

Laut einer "detaillierten Aufzeichnung" der Erzdiözese, die "UCA News" vorliegt, haben Gracias und die Weihbischöfe den Missbrauchsverdacht nicht der Polizei gemeldet, weil die Eltern des Jungen dies bereits getan hätten.

Kardinal Gracias habe den Tatverdächtigen aus dem aktiven Dienst entfernt sobald er von der Anschuldigung erfuhr. Gracias habe auch versucht, die Familie des betroffenen Jungen zu erreichen, um sie zu trösten, so Presssprecher Barrett. Dann habe er sich aber an Weibischof Rodrigues mit der Bitte gewandt, sich um die Angelegenheit zu kümmern, da er in dieser Nacht einen Flug nach Rom nehmen musste.

(Kardinal Gracias ist einer der verbleibenden Mitglieder des den Papst beratenden Kardinalsrates, dem "K6".)

Bistumssprecher Barret erklärte gegenüber "UCA News", dass sich Mitarbeiter des Bistums mit der Familie getroffen und diese mehrmals kontaktiert hätten, um Beratungen oder medizinische Hilfe anzubieten. Dies sei von der Familie abgelehnt worden.

Laut "The Hindu" schreibt die indische Gesetzgebung vor, dass rechtlich Vorgesetzten bis zu einem Jahr Gefängnisstrafe droht, die Straftaten von Untergebenen nicht zur Anzeige bringen.

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