"Kapitulation vor dem Zeitgeist": Erzbischof Aquila reagiert auf Brief von Bischof Bätzing

Erzbischof Samuel Aquila
Foto: screenshot / YouTube / Human Life Action

Erzbischof Samuel Aquila hat den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz (DBK) für dessen Antwort auf die Besorgnis, die Kardinäle und Bischöfe aus aller Welt angesichts des "Synodalen Wegs" vorgebracht haben, in einem CNA Deutsch vorliegenden Schreiben scharf kritisiert. Der Erzbischof von Denver in den USA sprach von einer "Kapitulation vor dem Zeitgeist".

"Der Kern Ihrer Antwort scheint zu sein, dass die deutsche Kirche aufgrund des Versagens der deutschen Bischöfe beim Schutz der Kinder in der Vergangenheit nun einen neuen Ansatz für den Glauben wählen muss", so der Erzbischof. "Warum muss sich die katholische Lehre in grundlegenden Fragen der Lehre und des moralischen Lebens ändern, weil die deutschen Bischöfe es versäumt haben, wirksam zu lehren und ehrlich zu führen?"

Aquila reagierte damit auf die Antwort von Bischof Georg Bätzing auf den von mittlerweile 100 Kardinälen und Bischöfen aus der ganzen Welt unterschriebenen Brandbrief. Die Unterzeichner warnten, der "Synodale Weg" drohe in eine "Sackgasse" zu führen und "zerstörerische Effekte" zu haben.

Bätzing, der DBK-Vorsitzende, hatte in einem am Karsamstag veröffentlichten Brief geantwortet:

Ich würde mich allerdings sehr wundern, wenn Sie und die Unterzeichner des Offenen Briefes die Bedeutung der Notwendigkeit nicht sähen, sich als Kirche der Frage des Missbrauchs zu stellen und daraus auch für die Kirche und ihre Strukturen Konsequenzen zu ziehen. In diesem Zusammenhang muss leider auch offen über Macht und Machtmissbrauch in der Kirche gesprochen werden, da helfen euphemistische Verbrämungen, wie Sie sie in ihrem Schreiben versuchen, nicht wirklich weiter.

Aquila: Lehre der Kirche ist nicht Schuld an Missbrauch

"Der Glaube der Kirche hat nicht zum Skandal des Missbrauchs durch Geistliche geführt!", so Aquila mit Nachdruck. Es gebe stattdessen andere Gründe:

Das Versagen, sich an den Weinstock Jesus Christus (Joh 15) zu binden, und die Entscheidung, sich eher an die Welt, als an das Evangelium zu halten, führten zu der Krise. Die sündige Natur des gefallenen Menschen und das Versagen der Verantwortlichen, die an sie herangetragenen Sorgen ernst zu nehmen, haben zu der Krise beigetragen. Das Versäumnis, Herz und Verstand nach dem Vorbild Christi zu formen, nur den Willen des Vaters zu suchen, sich selbst zu verleugnen, sein Kreuz auf sich zu nehmen und den Fußstapfen Jesu zu folgen (Mt 16,24), das Sittengesetz zu achten und sich an das zu halten, was die Kirche auf der Grundlage von Offenbarung und Vernunft lehrt – all dies hat zur Missbrauchskrise beigetragen.

In den USA habe man die Krise in den vergangenen Jahrzehnten aufgearbeitet, ohne "die Grundwahrheiten des Glaubens oder die festen Überzeugungen der Kirche über den angemessenen Ausdruck der menschlichen Liebe" zu hinterfragen.

Keine Kompromisse zwischen Katholizismus und Säkularismus

Es könne keine gegenseitige Akzeptanz "zwischen der Wahrheit der göttlichen Offenbarung und der katholischen Lehre auf der einen Seite und der verzerrten Anthropologie der heutigen säkularen Hochkultur, die eine zunehmend dysfunktionale Sexualität fördert, auf der anderen Seite" geben, so Aquila.

"Es liegt nichts Heilsames darin, zerstörerisches Denken und Verhalten zu segnen", erklärte der Erzbischof. "Die Kapitulation vor dem Zeitgeist ist keine Frage des Lesens der 'Zeichen der Zeit', sondern ein Verrat am Evangelium. Es wird nur zu einer weiteren Entleerung unserer Kirchen führen, denn eine solche Kapitulation vor dem Zeitgeist spiegelt nicht das Festhalten an Jesus Christus und dem wider, was wir von ihm, dem Vater und dem Heiligen Geist durch die Schrift und die Tradition empfangen haben."

Austausch durch offene Briefe

Bätzing hatte in seiner Antwort auf den Brandbrief auf "das konkrete Zeugnis vieler Gläubigen" verwiesen, "die statt für die Öffentlichkeit bestimmter Briefe einen wirklichen Austausch suchen, zu dem das Präsidium des Synodalen Weges stets bereit ist".

Aquila schrieb demgegenüber: "Sie erinnern sich vielleicht, dass ich den deutschen Bischöfen im vergangenen Jahr geschrieben habe, um meiner ernsten Sorge über die Situation der Kirche in Deutschland Ausdruck zu verleihen. Ich habe weder eine Antwort noch eine Empfangs-Bestätigung von Ihnen erhalten."

"Begründungen" für Kritik am "Synodalen Weg"

Der DBK-Vorsitzende hatte in seinem Schreiben in der Karwoche außerdem bemängelt, die Bischöfe aus aller Welt hätten zwar "Behauptungen in den Raum gestellt", aber keine "Begründungen" geliefert.

Aquila fügte seinem Brief nun fünf Seiten mit Zitaten aus bereits verabschiedeten bzw. aus noch endgültig zu debattierenden Dokumenten des "Synodalen Wegs" bei, "die Anlass zu ernster Besorgnis geben. Dies ist lediglich eine kleine Auswahl dessen, was hätte zitiert werden können."

Der "Synodale Weg" stelle "das Glaubensgut in Frage und lehnt es in einigen Fällen gar ab", so Aquila. "Die Dokumente des Synodalen Weges können nicht anders gelesen werden, als dass sie die ernsthaftesten Fragen aufwerfen über das Wesen und die verbindliche Autorität der göttlichen Offenbarung, über das Wesen und die Wirksamkeit der Sakramente sowie über die Wahrheit der katholischen Lehre hinsichtlich der menschlichen Liebe und Sexualität."

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