Kardinal Cupich kritisiert Erklärung der US-Bischofskonferenz zur Vereidigung Joe Bidens

Kardinal Blase Cupich im Presse-Saal des Vatikans am 18. Februar 2019
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Kardinal Blase Cupich, Erzbischof von Chicago, hat auf Twitter eine heftige Kritik an der offiziellen Erklärung der US-amerikanischen Bischofskonferenz zur Amtseinführung von Präsident Joe Biden veröffentlicht.

In seinem vierteiligen Twitter-Thread am Mittwoch sagte Kardinal Cupich, dass "die US-Konferenz der katholischen Bischöfe am Tag der Amtseinführung von Präsident Biden eine unüberlegte Erklärung abgegeben hat. Abgesehen von der Tatsache, dass es anscheinend keinen Präzedenzfall dafür gibt, kam die Erklärung, die Präsident Biden kritisiert, für viele Bischöfe, die sie nur Stunden vor ihrer Veröffentlichung erhielten, überraschend."

"Die Erklärung wurde ohne die Beteiligung des Verwaltungsausschusses ausgearbeitet, einer kollegialen Beratung, wie sie für Erklärungen, die die überlegte Zustimmung der amerikanischen Bischöfe darstellen und genießen, üblich ist", so Cupich weiter.

Das berichtet die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.  

"Die internen institutionellen Versäumnisse, die damit verbunden sind, müssen angegangen werden, und ich freue mich darauf, zu allen Bemühungen zu diesem Zweck beizutragen, damit wir, inspiriert durch das Evangelium, die Einheit der Kirche aufbauen und gemeinsam die Arbeit zur Heilung unserer Nation in diesem Moment der Krise aufnehmen können", so der Kardinal.

Die unverhohlene Kritik Cupich an der Bischofskonferenz des Kardinals folgte einer separaten Erklärung auf seiner eigenen Website, die diese Kritik nicht enthielt.

Mehrere US-Bischöfe stellten sich nach seiner Kritik explizit hinter die Erklärung der Bischofskonferenz. Drei Bischöfe erklärten gegenüber CNA, dass sie sich bewusst waren, dass sich Kardinal Cupich eine weniger kritische, lobende Erklärung an Biden wünschte, und dass er am Mittwoch über viele Stunden hinweg versuchte, die Unterstützung anderer Bischöfe für sein Statement zu bekommen.

Die USCCB-Erklärung, auf die Cupich reagierte, sollte ursprünglich um 9 Uhr morgens Ortszeit veröffentlicht werden. Sie wurde jedoch verschoben und erst veröffentlicht, nachdem Biden im Amt vereidigt worden war – und dann praktisch zeitgleich mit der Botschaft von Papst Franziskus an den neuen Präsidenten veröffentlichte. Unterzeichner der Erklärung ist Erzbischof Jose Gomez von Los Angeles, der Vorsitzende der Bischofskonferenz (USCCB).

Gomez erklärte, dass es nicht die Aufgabe der Bischöfe sei, sich politisch zu äußern, sondern die Wahrheit zu predigen. Er sagte, dass es zwar zahlreiche Themen gebe, die die Bischofskonferenz beschäftigten, aber dass Abtreibung ein Thema ist, das nicht ignoriert werden könne. Abtreibung sei "ein direkter Angriff auf das Leben, der auch die Frau verwundet und die Familie untergräbt, so Gomez.

Der Erzbischof betonte, dass Abtreibung keine Privatangelegenheit sei: "Sie wirft beunruhigende und grundlegende Fragen der Brüderlichkeit, der Solidarität und der Einbindung in die menschliche Gemeinschaft auf. Es ist auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Wir können die Tatsache nicht ignorieren, dass die Abtreibungsrate unter den Armen und Minderheiten viel höher ist – und dass der Eingriff regelmäßig genutzt wird, um Kinder zu beseitigen, die mit Behinderungen auf die Welt kommen würden."

"Anstatt Abtreibung und Empfängnisverhütung auszuweiten, wie er es versprochen hat, bin ich hoffnungsvoll, dass der neue Präsident und seine Regierung mit der Kirche und anderen Menschen guten Willens zusammenarbeiten werden. Meine Hoffnung ist, dass wir einen Dialog beginnen können, um die komplizierten kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren anzusprechen, die die Abtreibung vorantreiben und die Familien entmutigen", so Erzbischof Gomez.

"Meine Hoffnung ist auch, dass wir zusammenarbeiten können, um endlich eine kohärente Familienpolitik in diesem Land einzuführen, eine, die die entscheidende Bedeutung von starken Ehen und Elternschaft für das Wohlergehen der Kinder und die Stabilität der Gemeinden anerkennt", fuhr der USCCB-Vorsitzende fort.

"Wenn der Präsident, mit vollem Respekt für die Religionsfreiheit der Kirche, sich auf dieses Gespräch einlassen würde, wäre das ein großer Schritt zur Wiederherstellung des zivilen Gleichgewichts und zur Heilung der Nöte unseres Landes."

Unterdessen hat Papst Franziskus in seiner Botschaft an den 46. – und zweiten katholischen – Präsidenten der USA Weisheit und Kraft bei der Ausübung seines Amtes gewünscht. In einer Zeit, in der die Menschheit vor schwerwiegenden Krisen stehe, die weitsichtige und gemeinsame Antworten verlangten, bete er, "dass Ihre Entscheidungen von der Sorge um den Aufbau einer Gesellschaft geleitet werden, die von echter Gerechtigkeit und Freiheit geprägt ist", so der Papst.

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