Kardinal Pell sprach sich gegen umstrittenes Darlehen des Vatikans für Krankenhaus aus

Kardinal George Pell
Foto: Daniel Ibáñez / ACI Prensa
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Quellen aus dem Vatikan versichern, Kardinal George Pell habe sich Ende 2014 gegen ein umstrittenes Darlehen des Vatikans in Höhe von 50 Millionen Euro für ein italienisches Krankenhaus ausgesprochen. Es wurde letzendlich genehmigt und dadurch wurden internationale regulatorische Vereinbarungen gebrochen.

Laut Angaben verschiedener Angestellter im Vatikan, hatten zwei Kardinäle Ende 2014 gefordert, dass das Istituto per le Opere die Religione (in der Abkürzung IOR, auf deutsch Institut für die religiösen Werke und gemeinhin Vatikanbank genannt), für ein bankrottes Krankenhaus ein Darlehen von 50 Millionen Euro genehmige. Es handelte sich um das Istituto Dermopatico dell'Immacolata (IDI), das von der Kongregation der Söhne der Unbefleckten Empfängnis verwaltet wird.

Das Geld hätte dazu dienen sollen, einen Teil der millionenschweren Schulen zu begleichen.

Vertreter des Vatikan erklärten gegenüber der englischsprachigen Agentur der CNA-Gruppe,  Kardinal Angelo Becciu, der damals Substitut des Vatikanischen Staatssekretariats war, und Giuseppe Versaldi, der aktuelle Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, seien an dem Vorgang beteiligt gewesen.

Zwei Quellen aus dem Vatikan äußerten gegenüber CNA, der Vorschlag des Darlehens sei 2015 abgelehnt worden, nachdem das IOR festgestellt hatte, dass das IDI keine Möglichkeiten hätte, das Geld zurückzuzahlen.Verwaltungsangestellte der Güterverwaltung des Heiligen Stuhls (Administratio Patrimonii Sedis Apostolicae, kurz APSA) und der Präfektur für die ökonomischen Angelegenheiten des Apostolischen Stuhls betonten, Kardinal Pell hätte sich klar gegen das Darlehen ausgesprochen. Kardinal Pell war damals auf Wunsch von Papst Franziskus für die Reform der Finanzen des Vatikan verantwortlich.

Nach der Ablehnung durch das IOR wurde die Forderung in Höhe 50 Millionen bei der APSA gestellt und von dort ausgeführt, was gegen verschiedene internationale Vorschriften verstoßen habe.

"Sie waren verzweifelt. Es gab einfach keinen anderen Weg, es zu tun", so eine Quelle aus dem Vatikan zu CNA.

"Sie wollten kein 'Nein' als Antwort akzeptieren", erklärte eine Quelle der APSA gegenüber CNA in Bezug auf die Kardinäle Versaldi und Becciu. "Die Präfektur (für ökonomische Angelegenheiten) hat versucht, die Vereinbarung zu blockieren, aber man hat sie trotzdem gemacht", fügte sie hinzu.

Eine weitere Quelle aus dem Vatikan kommentierte gegenüber CNA auch, dass die Kardinäle Becciu und Versaldi ihre Bitte an die APSA richteten, da sich diese Institution und das Staatssekretariat gegen die von Kardinal Pell durchgeführten Reformen resistent gezeigt hätten.

Nach den Spannungen, die aufgrund des Darlehens aufgetreten waren, das letztendlich duch die APSA gewährt wurde, entzog der Papst dem Büro von Kardinal Pell die Befugnis zur Aufsicht über die Investitionsentscheidungen der APSA. Verschiedene Quellen gaben gegenüber CNA an, diese Entscheidung des Heiligen Vaters sei stark auf den Einsatz Kardinal Beccius in diese Richtung zurückzuführen.

Kardinal Becciu war auch für die Aufhebung einer vorgeschlagenen externen Prüfung verantwortlich, die von der angesehenen Firma PricewaterhouseCoopers (PwC) in allen vatikanischen Finanzbereichen durchgeführt werden sollte; ebenso lehnte er die Bemühungen von Kardinal Pell ab, die Gewohnheit zu beenden, dass einige Aktiva und Fonds des Heiligen Stuhls "nicht in den Büchern erscheinen".

Zuverlässige Quellen in der Präfektur für ökonomische Angelegenheiten und in der APSA erklärten gegenüber die CNA, dass die Absage der Prüfung teilweise durch das Versprechen einer anderen, unabhängigen Prüfung erklärt worden war, die nie durchgeführt wurde. Sie präzisierten aber, zwischen der APSA und der Vatikanischen Finanzinformationsbehörde (AIF) hätte es eine eine "Vereinbarung in gutem Glauben" gegeben.

Die AIF wurde von Papst Benedikt XVI. ins Leben gerufen und ist jene Behörde des Heiligen Stuhls, die für die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zuständig ist.

Mehrere Quellen in der Präfektur für ökonomische Angelegenheiten und in der APSA teilten der CNA mit, dass die Bemühungen um Transparenz in der APSA und im Staatssekretariat ein entscheidender Faktor für das Entlassung des ersten obersten Wirtschaftsprüfers Libero Milone im Jahr 2017 gewesen waren.

Milone sagte, er sei gezwungen worden, zurückzutreten, weil er sich daran gemacht hatte, Informationen über Hunderte von Millionen Euro zu suchen, die nicht in den Büchern der Institutionen der Kurie auftauchen.

"Einige waren besorgt, denn ich war dabei, etwas aufzudecken, das man nicht sehen sollte. Wir waren nahe an den Informationen dran, die sie geheimhalten wollten, und so haben sie eine Situation geschaffen, um mich auszuschalten" erklärte Milone gegenüber der Financial Times am 2. November.

Als Milone gezwungen wurde, sein Amt niederzulegen, sagte Kardinal Becciu in Bezug auf den Wirtschaftsprüfer: "Er hat gegen alle Regeln verstoßen und das Privatleben seiner Vorgesetzten ausspioniert. Auch meines. Wenn er nicht eingewilligt hätte, zu kündigen, dann hätten wir ihn rechtlich belangt."

Kardinal Pell befindet sich derzeit in einem Gefängnis im australischen Bundesstaat Victoria, nachdem man ihn in fünf Fälle des sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden hatte. Es war nicht möglich, ihn für eine Stellungnahme zu kontaktieren.

CNA bat Kardinal Becciu um einen Kommentar zu seiner Rolle bei der Forderung des 50-Millionen-Darlehens von der IOR zugunsten des IDI. Der Kardinal hat jedoch abgelehnt, eine Erklärung abzugeben.

Übersetzt und redigiert von Susanne Finner und Walter Sanchez Silva.

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