Kardinal Woelki spricht über "tiefe Risse" im Erzbistum Köln

Kardinal Rainer Maria Woelki
Foto: Jochen Rolfes / Erzbistum Köln

Kardinal Rainer Maria Woelki hat in seinem Fastenhirtenbrief zum morgigen Sonntag über "tiefe Risse" in seiner Erzdiözese gesprochen – und erneut erklärt, warum ein umstrittenes Gutachten über den Umgang mit sexuellen Missbrauch vorerst nicht veröffentlicht wurde, sondern stattdessen ein zweites Gutachten Mitte März erscheinen soll. 

Wie CNA Deutsch ausführlich berichtete, ist der Kardinal für seinen Umgang mit der Studie von anderen deutschen Bischöfen, Kirchenfunktionären und einigen Journalisten so vehement angegriffen worden, dass sich mehrere Initiativen und Kommentatoren mittlerweile hinter den Kölner Erzbischof gestellt haben. 

In seinem Hirtenbrief – hier der volle Wortlaut – zum morgigen ersten Fastensonntag betont Woelki, dass er "tiefe Risse" im Erzbistum nicht nur vor Augen habe: "ich spüre sie jeden Tag: den Verdacht von Vertuschung im Kontext der Aufarbeitung von Machtmissbrauch, sexualisierter Gewalt und pädophilen Verbrechen. Den gravierenden Vertrauensverlust. Die fehlende Akzeptanz und die Frustration, weil wir in unserer pastoralen Entwicklung nicht so vorankommen, dass wir uns wirklich miteinander auf dem Weg wissen. – All das bewegt und bedrückt mich sehr."

In seinem Brief, der den Titel "Das Leben lieben" trägt, betont Woelki wörtlich:

"Unser Miteinander, das trotz mancher Kontroversen eine verlässliche Grundlage für unser Ringen um Gegenwart und Zukunft der Kirche – und unseren Beitrag in der Welt – sein sollte, ist empfindlich gestört. Dabei weiß ich, dass viele Menschen in unserem Erzbistum (und darüber hinaus) mich persönlich dafür verantwortlich machen", so der Kardinal in seinem Brief. Von Herzen tue es ihm leid, dass er sicher auch Fehler im Rahmen der Aufarbeitung der Missbrauchsvergehen gemacht habe". 

In Hinblick auf Ostern bedankt er sich bei den Gläubigen, dass sie "mit viel Herz und Leidenschaft dafür sorgen, dass unsere kirchlichen Räume so gestaltet sind, dass Menschen sie gern aufsuchen." Unsere von Rissen durchzogene Welt und unser von Rissen durchzogenes Erzbistum brauchten diese österlichen Orte, an denen österliche Menschen anzutreffen sind, so der Erzbischof, Menschen, "die das Leben lieben" (vgl. Ps 34,13).

Der Fastenhirtenbrief wird am ersten Fastensonntag (21. Februar 2021) in allen Heiligen Messen einschließlich der Vorabendmessen verlesen und ist dann auch online verfügbar. Die Video-Fassung des Fastenhirtenbriefs bietet den Gemeinden zusätzlich zur gedruckten und verlesenen Version auch die Möglichkeit für eine Ausstrahlung in der Kirche.

Hier sehen Sie das Video des Hirtenbriefs in voller Länge: 

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