Katholiken und Juden begehen gemeinsamen Tag des Judentums

Bischof Romuald Kaminski liest Psalm 130 auf dem jüdischen Friedhof in Warschau (Polen) am 17. Januar 2021.
Jakub Truszynski.

Katholiken und Juden in Polen haben am Sonntag den jährlichen Tag des Judentums mit Psalmen, Musik und stillen Gebeten begangen.

Die Haupt-Gedenkveranstaltung fand am 17. Januar auf dem Jüdischen Friedhof Bródno in Warschau statt, einem der größten jüdischen Friedhöfe der Welt, auf dem rund 320.000 Menschen begraben sind.

Die polnischen Katholiken begehen den Tag des Judentums seit 1998. In diesem Jahr wurde der Tag mit einem gemeinsamen Wortgottesdienst begangen, gefolgt von Ansprachen von katholischen und jüdischen Führern.

Die Lesung war dem Buch Deuteronomium entnommen, auf dem auch das Motto des diesjährigen Gedenktages basiert: "Leben und Tod. Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor." Das Zitat stammt aus Deuteronomium 30,15.

Auch der Psalm 130, einer der Bußpsalmen, erklang im Gottesdienst. Er wurde zuerst auf Polnisch gelesen und dann auf Hebräisch gesungen. Es gab auch Zeit für stilles Gebet.

Die Andacht endete mit einem Konzert. Musik von Symcha Kellers Band wurde mit Geschichten über Mitglieder der historischen und heutigen polnischen jüdischen Gemeinden verwoben.

Bischof Romauld Kamiński von Warschau-Praga war anwesend, ebenso wie Michael Schudrich, der Oberrabbiner von Polen, der letzte Woche sagte: "Der Tag des Judentums in der Kirche ist für mich als Rabbiner ein heiliger Tag."

Laut einer Pressemitteilung der polnischen Bischofskonferenz merkte Rabbiner Stas Wojciechowski in seiner Betrachtung an, dass die Passage aus dem Deuteronomium üblicherweise zum jüdischen Neujahrsfest gelesen wird, "eine Zeit, um zusammenzufassen, wie wir unsere Freiheit genutzt haben, ob wir das Leben oder den Tod gewählt haben."

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"Der Rabbiner betonte, dass diese Worte in der Synagogenliturgie im Kontext der Bekehrung interpretiert werden sollten, d.h. solange ein Mensch lebt, kann er sich bekehren", hieß es in der Erklärung.

Bischof Kamiński verknüpfte die Lesung mit der laufenden Coronavirus-Pandemie und Gedanken über Leben und Tod, so die Mitteilung der Bischöfe. "Er betonte, dass das Hören auf Gottes Wort ein Privileg ist, aber es stellt sich die Frage: Höre ich auf Gott, der zu mir spricht? Hat er eine Chance, mich heute mit seinem Wort zu erreichen?"

Der Tag des Judentums findet zu Beginn der Gebetswoche für die Einheit der Christen statt, die jährlich vom 18. bis 25. Januar abgehalten wird. In Polen begeht die katholische Kirche am Ende der ökumenischen Woche auch einen Tag des Islam.

Der von der Bischofskonferenz organisierte Tag des Judentums "zielt auf den interreligiösen Dialog und hilft, die Wurzeln des Christentums zu entdecken", so die Erklärung der Bischöfe.

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