Kirche muss evangelisieren, sonst ist sie krank, warnt Papst Franziskus

Papst Franziskus beim Angelus am 20. September 2020
Foto: Vatican Media

Gottes Gnade ist nicht etwas, das wir verdienen, aber Gott gibt sie uns dennoch. Das hat Papst Franziskus am Sonntag in seiner wöchentlichen Angelus-Ansprache gesagt. Gleichzeitig rief der Pontifex die Katholiken in aller Welt erneut auf, hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden. Denn eine Kirche, die nicht evangelisiert, ist eine Kirche, die "an den vielen Übeln, die wir in der Kirche haben" krank wird.

"Warum gibt es diese Krankheiten in der Kirche? Weil sie nicht hinausgeht. Es stimmt: wenn jemand hinausgeht, dann kann es Unfälle geben. Aber eine Kirche, die ’verunfallt’, weil sie hinausgeht, das Evangelium verkündet, ist besser als eine Kirche, die aus Abschottung krank wird".

Gott geht immer hinaus, weil er Vater ist, weil er liebt. Das muss auch die Kirche tun: sie muss immer hinausgehen."

Franziskus knüpfte damit auch an seine warnenden Worte an die deutschen Katholiken an, die er mit Blick auf den umstrittenen "Synodalen Weg" geschrieben hat: Bereits im Juni 2019 rief der Papst die deutschen Katholiken auf, zu evangelisieren. Daran erinnerte jüngst auch die Anweisung des Vatikans, dass Pfarreien wieder ihren Missionsauftrag ernst nehmen, und "pulsierende Zentren der Begegnung mit Christus" werden sollen.

Gottes "Handeln ist mehr als gerecht, in dem Sinne, dass es über die Gerechtigkeit hinausgeht und sich in der Gnade manifestiert", sagte der Papst am 20. September. "Alles ist Gnade. Unsere Erlösung ist Gnade. Unsere Heiligkeit ist Gnade. Indem er uns Gnade gibt, gibt er uns mehr, als wir verdienen."

In seiner Ansprache legte Franziskus auch das Evangelium zum heutigen Sonntag aus – das Gleichnis vom Gutsbesitzer und den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20,1-16).

Ruf, Lohn und Maria


In dieser Erzählung zeige Jesus die überraschende Handlungsweise Gottes anhand des Rufs des Gutsbesitzers, und anhand dessen Belohnung.

"So handelt Gott auch heute: Er ruft alle Menschen, zu jeder Stunde, um sie zur Arbeit in seinem Reich einzuladen".

Das sei "der Stil Gottes, den nachzuahmen auch wir gerufen sind", betonte der Papst. Er bleibe nicht eingeschlossen, sondern gehe stets hinaus, um die Botschaft zu verkünden.

Die Entlohnung der Arbeiter im Weinberg dafür sei die zweite, Gott gemäße Haltung des Gutsbesitzers.

"Am Ende des Tages befiehlt er, allen den gleichen Lohn zu geben, also einen Denar", erklärte der Papst. Es ist der "höchste Lohn" – "und hier erkennt man, dass Jesus nicht über Arbeit und gerechten Lohn spricht, sondern über das Reich Gottes und die Güte des himmlischen Vaters".

Abschliessend betete der Papst: "Die selige Gottesmutter Maria helfe uns, jeden Tag die Freude und das Staunen darüber zu empfinden, von Gott gerufen zu sein, für ihn zu arbeiten auf seinem Acker, der die Welt ist, in seinem Weinberg, der die Kirche ist. Und als einzigen Lohn für seine Liebe die Freundschaft Jesu zu haben, die für uns alles ist."

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