Marx widerspricht Rom, setzt "verbindlichen synodalen Weg" fort

Kardinal Reinhard Marx im Presse-Saal des Vatikans am 17. Oktober 2014.
Foto: Bohumil Petrik / CNA Deutsch
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Kardinal Reinhard Marx hat angekündigt, den vom Vatikan als "ekklesiologisch ungültig" bezeichneten "verbindlichen Synodalen Prozess" fortzusetzen – und vorgeschlagen, dass der deutsche Weg ein Vorbild für die Universalkirche sein könnte.

Das berichtet die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch – ebenso wie weitere Medien – mit Verweis auf ein Antwortschreiben von Marx an Kardinal Marc Ouellet.

In seinem Schreiben weist der Münchner Erzbischof demnach den Präfekten der Bischofskongregation des Vatikans zurecht und teilt ihm mit: "Vielleicht wäre ein Gespräch vor der Versendung dieser Schriftstücke hilfreich gewesen."

Weiter widerspricht der deutsche Kardinal dem Rechtsgutachten der Päpstlichen Kommission für die Gesetztestexte – und kündigt an, demnächst mit Ouellet in Ruhe ein klärendes Gespräch zu führen, um die vielen Missverständnisse, von denen Kardinal Ouellet sich habe leiten lassen, aufzuklären.

Der Brief des deutschen Kardinals informierte den Vatikan auch, dass der synodale Prozess fortgeführt werde wie geplant, ungeachtet der Anweisungen der Kurie und Bedenken des Papstes, und über Fragen abstimmen wird, welche die universale Lehre und Disziplin der gesamten Kirche betreffen.

Der "Synodale Weg" sei außerdem ein "Prozess sui generis", so Marx: "Es ist kein Partikularkonzil!" Als ein solches örtliches Konzil hatten die Kirchenrechtler des Vatikans den Prozess in ihrem Gutachten identifiziert; ein Partikularkonzil steht unter der direkten Autorität des Vatikans.

Ausschnitte des Briefs wurden über das vergangene Wochenende unter anderem in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zitiert. 

Die englischsprachige CNA berichtet zudem, ihr lägen interne Dokumente vor, die zeigten, dass die zuletzt verabschiedeten Statuten am 1. August verfasst wurden und bis Ende dieses Monats unverändert geblieben waren - "entgegen des Beharrens von Marx im Brief an Ouellet, der Entwurf der Statuten sei im August weiter geändert worden".

Die CNA meldet weiter, dass Mitarbeiter sowohl in der Bischofskongregation als auch im Päpstlichen Rat für Gesetzestexte bestätigten, dass der Vatikan bereits im Besitz der neuesten Entwurffassung der deutschen Synodenstatuten war, als Ouellets Brief am 4. September an Marx geschickt wurde.

Die aktuelle Version sei zudem offensichtlich als ausreichend fertiggestellt eingeschätzt worden: Die Bischofskonferenz habe die Statuten in mehrere Sprachen übersetzen lassen – hochrangige Kurienmitarbeiter hätten gegenüber CNA bestätigt, dass es offensichtlich die Absicht der deutschen Bischöfe sei, anhand des deutschen Weges ein Beispiel für die Weltkirche zu schaffen.

Ähnlich habe sich Marx auch in seinem Schreiben an Ouellet ausgedrückt, und geschrieben, dass die deutsche Vorgehensweise hilfreich für die Weltkirche und für andere Bischofskonferenzen sein könnte, so der Bericht der CNA weiter.

Unterdessen wurde bekannt, dass Kardinal Rainer Maria Woelki und Bischof Rudolf Voderholzer einen alternativen Vorschlag für Statuten eines "Synodalen Wegs" vorlegten.

Dieser Entwurf setzte die Evangelisierung in den Mittelpunkt des Prozesses, wie Papst Franziskus gefordert hat, bezog möglichst viele Vertreter des Katholizismus in Deutschland ein, umging kirchenrechtliche Hürden wie sie nun auch der Vatikan aufgezeigt hat, "und hätte zudem die Diskussion bereits geklärter Fragen vermieden, um damit keine "unerfüllbaren Erwartungen" zu schüren, so Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer in einer Stellungnahme. So hätte man auch verhindert, schreiben Sie weiter, " dass der Keim der Spaltung in die Partikular- und Universalkirche hineingetragen wird. Damit werden Sonderwege für die Katholische Kirche in Deutschland vermieden, die zu einem Bruch mit der Universalkirche führen können."

In der Sitzung des Ständigen Rates im August wurde der Entwurf den Bischöfen zur Abstimmung vorgelegt. 21 stimmten dagegen, drei Bischöfe stimmten dafür, und drei weitere enthielten sich der Stimme.

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