Missbrauch in Niederlanden: Opfer reagieren auf Bericht, der Hälfte der Bischöfe belastet

Bis zu 20.000 Minderjährige in einem Zeitraum von 45 Jahren von etwa 800 Geistlichen, Ordensleuten und Laien an katholischen Einrichtungen des Landes sexuell missbraucht

Lange Nieuwstraat in Utrecht
Foto: Ben Bender / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
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Opfergruppen fordern eine lückenlose Aufklärung und die Offenlegung kirchlicher Akten in den Niederlanden im Zuge eines Berichts des "NRC Handelsblatts", demzufolge 20 der 39 Bischöfe, die in den Niederlanden von 1945 bis 2010 im Amt waren, entweder selber Missbrauch verübt oder diesen vertuscht und Täter gedeckt haben. 

Vier Bischöfen wird vorgeworfen, selber Minderjährige sexuell missbraucht haben; 16 weitere hätten "die Versetzung pädophiler Priestern erlaubt", die in anderen Pfarreien wieder in der Lage waren, Opfer zu suchen, so der Zeitungsbericht.

Die Kirche in den Niederlanden teilte mit, dass "die Bischöfe bei der Versetzung von Priestern nicht mit ausreichender Sorgfalt gehandelt" hätten.

Eine Kirchensprecherin sagte gegenüber der "AFP", dass die meisten der im Bericht angeklagten Geistlichen mittlerweile verstorben seien, und dass die Verjährungsfrist in allen Fällen abgelaufen sei.

Der Artikel des "NRC Handelsblad" wertet die Ergebnisse eines von der Kirche in den Niederlanden in Auftrag gegebenen Berichts von 2011 aus, sowie Opferaussagen vor einer Untersuchungskommission und eigene Recherchen.

Die Studie hatte dokumentiert, dass bis zu 20.000 Minderjährige in einem Zeitraum von 45 Jahren von etwa 800 Geistlichen, Ordensleuten und Laien an katholischen Einrichtungen des Landes sexuell missbraucht wurden.

Opfervertreter forderten die Kirche am gestrigen Montag auf, alles öffentlich zu machen, was sie wisse, berichtet die Zeitung "RP Online".

"Wenn sie diesem Elend eine Ende machen wollen, diesen Verbrechen, die an Kindern begangen wurden, dann können sie nicht einfach davon gehen. Dann müssen sie die Dinge öffentlich machen und ein neues System einrichten, wo Leute ihre Klagen einreichen können", sagte Bert Smeets von der Geschädigtengruppe Mea Culpa.

Der niederländische Bericht folgt der Vorabveröffentlichung von Auszügen der Missbrauchstudie in Deutschland, und inmitten der durch Missbrauch- und Vertuschungsskandale in den USA, Chile, Irland und Australien ausgelösten weltweiten Kirchenkrise. 

Hintergrund: Kirche in den Niederlanden

In den Niederlanden sind noch knapp vier Millionen Katholiken gemeldet – etwa 23,3 Prozent der Bevölkerung (1970 waren es über 40 Prozent). Einer Erhebung des Jahres 2014 zufolge besuchten gerade mal 214.000 Katholiken auch am Sonntag die Kirche.

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