Missbrauchsstudie für das Bistum Passau angekündigt

Der Passauer Dom St. Stephan
Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Das Bistum Passau hat eine Studie zur Aufarbeitung von Missbrauch von 1945 bis 2020 angekündigt.

"Das Vorhaben soll als Drittmittelprojekt an der Universität Passau angesiedelt und ebendort am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte unter der hauptverantwortlichen Leitung von Prof. Dr. Hans-Christof Kraus durchgeführt werden", teilte die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen im Bistum Passau am Freitag mit.

Das Bistum Passau folgt damit dem historischen Ansatz der Münsteraner Missbrauchsstudie, nicht dem etwa im Erzbistum München und Freising veröffentlichen juristischen Gutachten.

Die Arbeit in Passau soll "maximal drei Jahre" dauern und 610.000 Euro kosten.

"Die Studie strebt eine vollständige Erschließung der ca. 3500 Personalakten und anderer Aktenbestände des Bistums an, um eine wissenschaftlich zuverlässige Erschließung des Missbrauchsgeschehens im Zeitraum zunächst ab 1945 zu leisten", heißt es. "Gleich wichtig wie die Erhebung von Tätern, Taten und betroffenen Opfern soll auch der administrative Umgang verantwortlicher Personen vor dem Hintergrund kirchlich-systemischer Strukturen geleistet werden."

Das Bistum Passau folgt dem historischen Ansatz der Münsteraner Missbrauchsstudie, nicht

Der Passauer Bischof Stefan Oster, seit 2014 im Amt und damit möglicherweise auch Gegenstand der Studie, erklärte: "Das Domkapitel, der Ordinariatsrat und der Diözesanvermögensverwaltungsrat stehen einhellig hinter dem Projekt, so wie es die Aufarbeitungskommission vorgelegt hat. Ich selbst natürlich auch."

Man wünsche sich "ein möglichst genaues Bild des Geschehens in der beschriebenen Zeit – um der Betroffenen willen, um der Gläubigen willen und um zu lernen, wie wir als Kirche insgesamt Missbrauch möglichst vermeiden können".

"Die Erkenntnisse werden sicher schmerzhaft sein – weil wir sehen werden, welches Leid den Betroffenen zugefügt wurde – und wer die Taten gedeckt und somit direkt oder indirekt mit ermöglicht hat", so Oster. "Aber ich hoffe, es wird für die ganze Kirche von Passau am Ende reinigend sein."

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