Nach anzüglichen Video-Aufnahmen: Bußakt in Kathedrale von Toledo gefeiert

Das Altarbild im Dom von Toledo (Spanien).
Foto: Divot / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Der Erzbischof von Toledo, Francisco Cerro Chaves, hat am Sonntag in der Kathedrale der Stadt einen Bußakt vollzogen, nachdem ein Musikvideo gedreht wurde, das sinnliche Tanzszenen in der Kirche enthält.

Der Bußakt fand in der Kathedrale von Toledo am 17. Oktober zu Beginn der Eröffnung der diözesanen Phase der von Papst Franziskus einberufenen synodalen Vorbereitung der Synode über Synodalität statt. Der Erzbischof bat um Vergebung für "Nachlässigkeit in der Pflege und im Respekt für die Kirche".

Der spanische Rapper C. Tangana veröffentlichte am 7. Oktober ein Musikvideo zu seinem Lied "Ateo" (Atheist), das er mit der argentinischen Sängerin Nathy Peluso aufgenommen hat. In dem Video führen beide anzügliche Tänze in der Kathedrale auf.

Erzbischof Cerro bezeichnete einen solchen Missbrauch der Domkirche als "Sünden gegen die Einheit und die Gemeinschaft in der Kirche, die auf destruktive, absichtliche oder gedankenlose und oberflächliche Kritik zurückzuführen sind".

Darüber hinaus bat der Prälat um Vergebung für "die Unmoral und die Korruption, die den Einzelnen in den moralischen oder physischen Verfall treiben, die Familienbande auflösen und die wahren Werte des Lebens vernebeln".

Pater Juan Miguel Ferrer Grenesche, Dekan der Kathedrale von Toledo, trat wegen des Vorfalls mit dem Musikvideo am 16. Oktober zurück.

"Der Dekan bittet die Institution in seinem eigenen Namen und im Namen der verschiedenen Mitglieder des Domkapitels um Vergebung für alle Fehler und Versäumnisse, die durch Worte, Taten und Unterlassungen bei den jüngsten Ereignissen begangen wurden", so die Erzdiözese Toledo am 12. Oktober.

Die Erzdiözese wies auch darauf hin, dass "nach den internen Bestimmungen des Domkapitels, die seit Jahren in Kraft sind, das Geld, das für außerordentliche Aktivitäten der Kathedrale gesammelt wird, für karitative Zwecke verwendet wird."

C. Tangana zahlte 15.000 Euro für die Nutzung der Kathedrale in seinem Musikvideo.

In einer Erklärung an die spanische Presse, über die Europa Press am 12. Oktober berichtete, sagte Pater Ferrer, dass "Kommunikationsfehler" den Fall verkompliziert hätten und dass er seine erste Erklärung, in der er die Aufnahme des Musikvideos rechtfertigte, nicht bedauere.

Was er damals gesagt habe, "ist wahr, und ich habe die Gründe erklärt, warum die Erlaubnis erteilt wurde".

Doch räumt der Kleriker ein,  dass während der Aufzeichnung der Aufführung keine Vertreter der Kathedrale anwesend waren, um "die Dinge zu erkennen, die später bei einigen Leuten zu einem Skandal geführt haben. Das war ein Versäumnis".

Pater Ferrer sagte auch, dass Genehmigungsanträge für diese Art von Aufnahmen normalerweise nicht an den Erzbischof weitergeleitet werden, was "vielleicht ein weiteres Versäumnis ist, das einige der Schwierigkeiten, die wir erlebt haben, vermieden hätte."

"Ich erkenne jede Kritik an und weiß, dass ich mich geirrt habe, aber wenn man mich korrigiert, möchte ich, dass dies mit Nächstenliebe und Respekt geschieht", sagte der Kirchenmann weiter.

Pater Ferrer hatte am 8. Oktober gesagt, dass "das Video die Geschichte einer Bekehrung durch menschliche Liebe darstellt. Der Text des Liedes ist präzise: 'Ich war ein Atheist, aber jetzt glaube ich, weil ein Wunder wie du vom Himmel kommen musste.'"

Darüber hinaus kritisierte der Dekan seinerseits die Kritik und monierte "bestimmte Haltungen der Intoleranz", denen, wie er sagte, "das Verständnis und die Akzeptanz der Kirche entgegensteht, wie es in den letzten Szenen des Videos zum Ausdruck kommt."

Die Erzdiözese Toledo teilte am 8. Oktober mit, dass der Erzbischof "von der Existenz dieses Projekts, seinem Inhalt und dem Endergebnis absolut nichts wusste" und dass er "diese Ereignisse zutiefst bedauert und die in der Kathedrale aufgenommenen Bilder missbilligt".

Der Erzbischof von Toledo bat "demütig und aufrichtig um Vergebung bei allen Laien, Geweihten und Priestern, die sich durch diesen Missbrauch eines heiligen Ortes zu Recht verletzt fühlten".

"Von diesem Moment an wird die Erzdiözese daran arbeiten, das angewandte Verfahren zu überprüfen, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert", heißt es in der Erklärung weiter.

"Zu diesem Zweck wird unverzüglich ein Protokoll für die Aufnahme von Bildern für die öffentliche Übertragung in allen Kirchen der Erzdiözese erstellt."

Etwa 30 Personen versammelten sich am 10. Oktober vor der Kathedrale, um einen Rosenkranz zu beten.

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der Partneragentur von CNA Deutsch.