Neue Unterlagen widersprechen Angaben des Vatikans im Fall von Gustavo Zanchetta

Die Kuppel des Petersdoms im Vatikan, gesehen vom Augustinianum.
Foto: CNA/Petrik Bohumil
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Eine argentinische Zeitung hat Unterlagen veröffentlicht, denen zufolge der Vatikan von den Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs durch Bischof Gustavo Oscar Zanchetta vor seiner Versetzung auf einen Posten im Vatikan im Dezember 2017 wusste – ein Vorwurf, den der Vatikan wiederholt bestritten hat.

Zanchetta, 54, war im August 2017 als Bischof von Orán zurückgetreten und wurde vier Monate später von Papst Franziskus auf einen eigens geschaffenen Posten in der Güterverwaltung des Vatikans (APSA) versetzt, wie CNA Deutsch berichtete.

Die Unterlagen, auf die am 21. Februar von "El Tribuno" verwiesen wurde, einer Zeitung in der argentinischen Region Salta, sollen nun beweisen, dass der Vatikan im Jahr 2015 eine Beschwerde über Zanchetta erhielt und dass Papst Franziskus daraufhin persönlich mit Zanchetta gesprochen habe. Die Unterlagen behaupten auch, dass Zanchetta es versäumt habe, den Verkauf von zwei Kirchenimmobilien im Wert von Millionen von Dollar zu melden.

Die Unterlagen bestätigen – falls zutreffend – somit auch die frühere Berichterstattung der "Associated Press". Gegen Zanchetta ermitteln auch die Behörden in Argentinien wegen einer Beschwerde wegen sexuellen Missbrauchs.

Der ehemalige Generalvikar Zanchettas, Juan Jose Manzano, sagt, der Vatikan sei nicht nur zweimal informiert worden, nämlich bereits 2015 wie auch 2017. Er - und andere Mitarbeiter der Diözese - hätten im Jahr 2015 dem Vatikan belastendes Material zukommen lassen, darunter anstößige "Selfies" und Bilder "junger Menschen beim Sex" vom Handy des Bischofs, zusammen mit den Beschwerden wegen obszönen Verhaltens. Auch Zanchettas Umgang mit Seminaristen war Gegenstand der Beschwerde. 

Dies wiederholt nun der Bericht von "El Tribuno" .

Papst Franziskus bestellte Zanchetta im Oktober 2015 für fünf Tage nach Rom. Der Papst schien Zanchettas Ausrede akzeptiert zu haben, dass sein Handy gehackt worden sei, und er die Vorwürfe zurückweise.

Nachdem erneut – im Jahr 2017 – eine weitere Beschwerde von hochrangigen Kirchenvertretern gegen Zanchetta eingereicht wurde, darunter auch der Vorwurf, Zanchetta habe Seminaristen sexuell missbraucht, trat der Beschuldigte ab.

Als Begründung wurden gesundheitliche Probleme und Schwierigkeit im Umgang mit dem Klerus angegeben. Eine Untersuchung leitete der Vatikan nicht ein.

Manzano sagte unter anderem, dass die Anschuldigungen gegen Zanchetta vom Vatikan nicht ernst genommen worden seien, weil der Bischof eine enge Beziehung zu Papst Franziskus habe, der ihn 2013 zum Bischof von Orán ernannt habe. Dennoch sagte Manzano, er glaube nicht, dass der Vatikan etwas über Zanchetta lügen oder verbergen wolle. Er sagte, er glaube, dass Franziskus und andere Vatikanbeamte ebenfalls Opfer der "Manipulation" des Bischofs geworden seien.

Warum hat der Vatikan die Beschwerden gegen Zanchetta offenbar nicht ernstgenommen? Manzano vermutete gegenüber "AP", dass dies an der engen Beziehung Zanchettas zu Papst Franziskus liegen könnte.

Franziskus hatte Zanchetta im Jahr 2013 zum Bischof von Oran ernannt. Davor war dieser unter anderem geschäftsführender Sekretär der Argentinischen Bischofskonferenz - deren Vorsitz von 2005 bis 2011 der damalige Kardinal Jorge Mario Bergoglio innehielt.

Dennoch sagte Manzano, er glaube nicht, dass der Vatikan im Fall Zanchetta lügen oder etwas vertuschen wollte. Er glaube, dass Papst Franziskus und andere Verantwortliche im Vatikan ebenfalls Opfer der "Manipulation" des Bischofs geworden seien.

Alessandro Gisotti, kommissarischer Pressesprecher des Heiligen Stuhls, sagte am 3. Januar, dass es zum Zeitpunkt seines Rücktritts gegen Zanchetta Vorwürfe autoritären Verhaltens gegeben habe, aber keine Vorwürfe sexuellen Missbrauchs; diese seien erst im Herbst vergangenen Jahres erhoben worden, so Gisotti.

Auf Nachfrage bei einer Pressekonferenz am 24. Februar über den Fall Zanchetta bekräftigte Gisotti, dass eine Untersuchung laufe.

Erzbischof Charles Scicluna von Malta sagte dabei gegenüber Reportern, dass er keine Einzelheiten über den Fall Zanchetta kenne, aber dass "wenn jemand einen Fall untersucht", dann werde nichts vertuscht.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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