Holodomor: Papst betet für Opfer des Hungerterrors der Sowjetzeit in der Ukraine

Papst Franziskus
Foto: Daniel Ibáñez / CNA
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Am Ende des Angelus-Gebets auf dem Petersplatz hat Papst Franziskus am gestrigen Sonntag der Opfer jener Hungersnot gedacht, die aufgrund der Politik der Sowjetunion ab 1932 in der Ukraine Millionen Todesopfer gefordert hat.

Dem "Holodomor" (übersetzt: Tötung durch Hunger) wird jedes Jahr am 24. November gedacht. 

Verübt haben den Hungerterror die Kommunisten unter dem Sowjet-Diktator Stalin, der einen Prozess der Zwangskollektivierung von Bauernhöfen mit Vieh und Anbauland in Gang gesetzt hatte.

"Gestern gedachte man in der Ukraine des ´Holodomors´, dieser schrecklichen Hungersnot, die vom Sowjetregime verursacht worden war und Millionen Opfer gefordert hat. Diese immense Wunde der Vergangenheit möge ein Anfruf an alle sein, auf dass sich solche Tragödien niemals wiederholen. Beten wir für dieses geliebte Land und für den so ersehnten Frieden", so Franziskus.

Der "Holodomor" begann 1932, als sich zahlreiche ukrainische Bauern dem Zwang zur Kollektivierung verweigerten, die den Verlust ihres Eigentums an Land, Höfen und Vieh bedeutete.

Die sowjetischen Behörden waren weit davon entfernt, nach einer Lösung zu suchen, die den Vorstellungen der Bauern entsprochen hätte, und führten durch Beschlagahmung, Bestrafung, Ermordung und Zwangsarbeit einen Prozess der Unterdrückung durch.

Bolschewistische Brigaden suchten nach versteckten Lebensmitteln. Dörfer wurden systematisch ausgeplündert. Bauern wurden zu obdachlosen Bettlern. Ernten wurden verkauft, um Devisen heranzuschaffen für Stalins Industrialisierungspläne. 

Das Ergebnis dieser massiven Enteignung, Plünderung und der Zwangsvertreibung ganzer Gemeinden war der Tod zahlreicher Menschen. 

Wie hoch die Opferzahl ist, wird immer wieder diskutiert: Historiker berechnen sie auf zwischen 3,5 bis 14,5 Millionen Menschen.

Neben der Ukraine haben Australien, Ecuador, Estland, Georgien, Kanada, Kolumbien, Lettland, Litauen, Mexiko, Paraguay, Peru, Polen, Portugal, Ungarn, und der Vatikan den Holodomor offiziell als Völkermord anerkannt.

Am 23. September 2008 erkannte auch das Repräsentantenhaus des Kongresses der USA den Genozid am ukrainischen Volk an. Einen Monat später erkannte das Europäische Parlament den Holodomor als Verbrechen gegen die Menschheit an. 

Übersetzt von Susanne Finner.

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