Papst Franziskus: "Entehrt die alten Menschen nicht!"

Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 20. April 2022.
Foto: CNA Deutsch / Daniel Ibanez

Papst Franziskus hat in seiner Generalaudienz am heutigen Mittwoch hat Papst Franziskus seine Katechesereihe über das Alter fortgesetzt und die Gläubigen dazu aufgefordert, die "Zerbrechlichkeit des Alters" zu respektieren und den älteren Menschen mit "Zärtlichkeit und Respekt" zu begegnen.

Die Generalaudienz fand heute wieder auf dem Petersplatz in Rom statt, nachdem Papst Franziskus die Gläubigen letzte Woche noch in der Audienzhalle Paul VI empfangen hatte.

Verpflichtung zur Liebe

Papst Franziskus betonte, die Liebe zu den älteren Menschen, vor allem zu den eigenen Eltern, sei durch Gottes Gebot besiegelt. "Du sollst Vater und Mutter ehren" sei "eine feierliche Verpflichtung", bei der es nicht nur um Vater und Mutter gehe, sondern auch um frühere Generationen. Der Papst sagte wörtlich:

"Heute haben wir den Begriff 'Würde' wiederentdeckt, um den Wert der Achtung und des Respekts vor dem Leben eines jeden Menschen zu betonen. Würde ist hier im Wesentlichen gleichbedeutend mit Ehre. Denken wir genau über diese schöne Deklination der Liebe nach, die Ehre ist. Gerade die Pflege von Kranken, die Unterstützung von Menschen, die sich nicht selbst versorgen können, die Gewährleistung des Lebensunterhalts, kann ohne Ehre sein."

Heute fehle es oft an dieser Ehre, "wenn ein Übermaß an Vertrauen, das sich nicht in Zartheit und Zuneigung, Zärtlichkeit und Respekt ausdrückt, in Grobheit und Ausweichmanöver umschlägt", so Franziskus. Dies zeige sich vor allem, "wenn Schwäche vorgeworfen und sogar bestraft wird, als sei sie ein Fehler, wenn Fassungslosigkeit und Verwirrung zum Anlass für Spott und Aggression werden", fuhr der Papst fort, "sie kann sogar zu Hause, in Pflegeheimen, in Büros und auf den Freiflächen der Stadt auftreten."

Der Pontifex mahnte, dass "schreckliche Dinge" passieren, wenn man bei jungen Menschen – und sei es auch nur indirekt – eine "Haltung der Herablassung, ja sogar der Verachtung gegenüber dem Alter, seinen Schwächen und seiner Unsicherheit fördert". "Die Jugendlichen, die die Decke eines "Landstreichers" anzünden, weil sie ihn als menschlichen Abschaum betrachten, sind die Spitze des Eisbergs", klagte der Papst.

"Es ist eine schwere Sünde, ältere Menschen wegzuwerfen"

"Diese Verachtung, die die älteren Menschen entehrt, entehrt in Wirklichkeit uns alle", mahnte der Heilige Vater. Trotz aller materiellen Vorkehrungen, die die "reichsten und am besten organisierten Gesellschaften" für das Alter bereitstellen, wirke es, als sei der "Kampf um die Wiederherstellung dieser besonderen Form der Liebe, der Ehre, noch zerbrechlich und unreif". Franziskus wörtlich:

"Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um sie zu unterstützen und zu fördern, indem wir denjenigen, die für diese entscheidende Form der 'Zivilisation der Liebe' empfänglich sind, eine bessere soziale und kulturelle Unterstützung bieten. Es ist keine Frage von Kosmetik und plastischer Chirurgie. Es handelt sich vielmehr um eine Frage der Ehre, die die Erziehung der Jugendlichen über das Leben und seine Phasen verändern muss."

Es sei eine "schwere Sünde", ältere Menschen "wegzuwerfen", erklärte der Pontifex weiter. Die Liebe zum Menschen sei keine "Angelegenheit der Alten". "Möge die Weisheit des Geistes Gottes uns gewähren, den Horizont dieser wahren Kulturrevolution mit der notwendigen Energie zu öffnen", so Papst Franziskus. 

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