Papst Franziskus ermutigt zu "vielen kleinen Gesten der Liebe" in Zeiten des Coronavirus

Papst Franziskus am Mittwoch, 18. November bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz.
Foto: CNA/Daniel Ibanez

Angesichts der Tatsache, dass viele während der Coronavirus-Pandemie zu Hause festsitzen, hat Papst Franziskus zu vielen "kleine Taten der Liebe und Freundlichkeit" aufgerufen – auch in den eigenen vier Wänden.

"Wir müssen die Konkretheit der kleinen Dinge wiederentdecken, kleine Gesten der Aufmerksamkeit, die wir den Menschen, die uns nahe stehen, unserer Familie, unseren Freunden, schenken können. Wir müssen verstehen, dass in den kleinen Dingen unser Schatz liegt", so der Papst Franziskus in einem Interview mit einer italienischen Zeitung, das am 18. März veröffentlicht wurde.

Egal ob eine spontane Umarmung, ein Anruf oder eine warme Mahlzeit: "Es sind vertraute Gesten der Aufmerksamkeit für die Details des Alltags, die dem Leben einen Sinn geben und die Gemeinschaft und Kommunikation unter uns schaffen", sagte der Papst.

Papst Franziskus sagte auch, dass die Quarantäne, die viele Menschen gerade jetzt durchleben, eine besondere Gelegenheit bietet: Daheim die persönlichen Beziehungen zu pflegen.

"Daheim essen manche Familien in großer Stille. Aber nicht, weil sie einander zuhören, sondern weil die Eltern beim Essen fernsehen und die Kinder am Handy sind", sagte der Papst. "Da gibt es keine Kommunikation. Dabei ist es wichtigt, einander zuzuhören, denn so können wir die Bedürfnisse, Anstrengungen und Wünsche des anderen verstehen", fuhr Franziskus.

Was aber mit den vielen Alleinstehenden? Der Papst forderte die Gläubigen auf, sich an diejenigen zu wenden, die allein sind – und sich um alle zu kümmern, die geliebte Menschen verloren haben.

Im Interview mit dem italienischen Journalisten Paolo Rodari, das in "La Repubblica" veröffentlicht wurde, erklärte Papst Franziskus, was ihm durch den Kopf ging, als er am Sonntag durch die leeren Straßen Roms pilgerte, um vor einer Marienikone in der Basilika St. Maria Major und einem Kruzifix in einer anderen Kirche zu beten, das bei Gebetsprozessionen während der Pest verwendet wurde.

"Ich bat den Herrn, die Epidemie zu stoppen: 'Herr, halte sie mit deiner Hand auf'. Dafür habe ich gebetet", sagte er.

Laut der Johns Hopkins University sind aktuell fast 200.000 Menschen mit COVID-19 infiziert, einer Atemwegserkrankung, die den Tod von 7.954 Menschen weltweit verursacht oder mitverursacht hat (Stand 18. März).

Italien ist mit über 31.500 dokumentierten Coronavirus-Fällen und 2.941 Todesfällen, vor allem im Norden des Landes, das am stärksten betroffene Land außerhalb Chinas.

Franziskus forderte die Menschen auf, sich daran zu erinnern, dass die eigenen Entscheidungen und Handlungen Konsequenzen für das Leben anderer haben.

Der Papst zitierte einen Artikel des italienischen Journalisten Fabio Fazio, der sagte, dass das Versäumnis der Menschen, ihre Steuern in Italien zu zahlen, die Fähigkeit des Landes, für alle Kranken zu sorgen, beeinträchtigt habe.

"Er [Fazio] hat zum Beispiel Recht, wenn er sagt: 'Es ist offensichtlich geworden, dass diejenigen, die keine Steuern zahlen, nicht nur ein Unrecht begehen, sondern auch ein Verbrechen: Wenn es nicht genügend Krankenhausbetten und künstliche Beatmungsgeräte gibt, ist es auch ihre Schuld'. Das hat mich sehr beeindruckt", sagte Papst Franziskus.

Papst Franziskus sagte auch, dass Menschen in ihren Familien und in der Gemeinschaft Kraft finden können, auch wenn sie noch nicht die Gabe des Glaubens haben.

"Sie alle sind Kinder Gottes und werden von ihm angesehen. Selbst diejenigen, die Gott noch nicht begegnet sind, die nicht die Gabe des Glaubens haben, können ihren Weg finden". 

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