Papst Franziskus: Geistliche Unterscheidung bedarf des Gebets

Papst Franziskus, 28. September 2022
Foto: Pablo Esparza / CNA Deutsch

Die Unterscheidung bedürfe des Gebets, hat Papst Franziskus am Mittwochmorgen bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom betont. Das Gebet sei „ein unverzichtbares Hilfsmittel für die geistliche Unterscheidung, vor allem wenn es die Zuneigung einbezieht und es uns ermöglicht, Gott mit Einfachheit und Vertrautheit anzusprechen, so wie man mit einem Freund sprechen würde“, so der Pontifex.

„Die Unterscheidung erhebt keinen Anspruch auf absolute Gewissheit, denn es geht um das Leben, und das Leben ist nicht immer logisch, es hat viele Aspekte, die sich nicht in eine Kategorie von Gedanken einordnen lassen“, sagte der Bischof von Rom. „Wir würden gerne genau wissen, was zu tun ist, doch selbst wenn es geschieht, handeln wir nicht immer danach.“

Papst Franziskus sprach von einer Versuchung für viele Gläubige: „Jesus mag zwar der Sohn Gottes sein, aber sie bezweifeln, dass er unser Glück will; manche fürchten sogar, dass die Annahme seines Vorschlags bedeutet, unser Leben zu ruinieren, unsere Wünsche, unsere stärksten Sehnsüchte zu kasteien. Diese Gedanken schleichen sich manchmal in uns ein: dass Gott zu viel von uns verlangt oder uns das wegnehmen will, was uns am meisten am Herzen liegt. Kurz gesagt, dass er uns nicht wirklich liebt.“

In Wirklichkeit sei „das Zeichen der Begegnung mit dem Herrn die Freude“. Demgegenüber seien „Traurigkeit oder Angst“ tatsächlichen „Zeichen der Entfernung von ihm“: „Diejenigen, die sich vom Herrn abwenden, sind niemals glücklich, auch wenn sie über eine Fülle von Besitztümern und Möglichkeiten verfügen.“

„Die Heiligen leuchten mit reflektiertem Licht und zeigen in den einfachen Gesten ihres Alltags die liebende Gegenwart Gottes, der das Unmögliche möglich macht“, so der Papst. „Man sagt, dass zwei Ehepartner, die so lange zusammen gelebt und sich geliebt haben, sich schließlich ähneln. Ähnliches lässt sich über das affektive Gebet sagen: Es macht uns allmählich, aber wirkungsvoll fähig, das, was zählt, als etwas zu erkennen, das aus der Tiefe unseres Wesens entspringt, als Konnaturalität.“

„Bitten wir um diese Gnade: eine Beziehung der Freundschaft mit dem Herrn zu leben, wie ein Freund zu einem Freund spricht“, schloss der Pontifex seine Katechese im Rahmen der Generalaudienz. „Es ist eine Gnade, die wir füreinander erbitten müssen: Jesus als unseren größten und treuesten Freund zu sehen, der uns nicht erpresst und der uns vor allem nie verlässt, auch wenn wir uns von ihm abwenden.“

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