Papst Franziskus in der Silvesternacht: Jesus Christus gibt unserem Leben einen Sinn

Papst Franziskus küsst das Jesuskind in der Krippe im Petersdom am 6. Januar 2020
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

In der Silvesternacht hat Papst Franziskus alle eingeladen, auf Jesus Christus zu vertrauen, der den Höhen und Tiefen des täglichen Lebens einen Sinn geben kann.

Das Jesuskind "enttäuscht nicht", sagte der Papst am 31. Dezember im Petersdom. "Folgen wir ihm auf unserem täglichen Weg: Er bringt die Zeit zu ihrer Fülle, er gibt dem, was wir tun, und den Tagen, die wir leben, einen Sinn. Vertrauen wir ihm in frohen und in traurigen Zeiten: die Hoffnung, die er uns gibt, ist eine Hoffnung, die uns nie enttäuscht".

In seiner Ansprache während der ersten Vesper sagte Franziskus, dass Mutter Kirche und Mutter Maria uns heute das Jesuskind zeigen, und Maria sagt uns lächelnd: "Er ist der Weg. Folgt ihm, vertraut ihm."

Die erste Vesper wurde im Vatikan in Erwartung des Hochfestes der Gottesmutter Maria am 1. Januar gebetet. Der Gebetsgottesdienst umfasste auch die eucharistische Anbetung und den Segen sowie das Singen des "Te Deum", eines lateinischen Dankesliedes aus der frühen Kirche.

Papst Franziskus hielt die Predigt, doch gefeiert wurde die Liturgie von Kardinal Giovanni Battista Re, Diakon des Kardinalskollegiums. Re feierte auch die erste Vesper im Jahr 2020, als Papst Franziskus seine Teilnahme wegen eines Ischiasschmerzes absagte.

In seiner Predigt betonte Papst Franziskus das Wunder und das Staunen der Weihnachtszeit, die sich bis zum Fest der Taufe des Herrn am 9. Januar 2022 erstreckt.

Dieses Staunen, so der Papst, sei keine "oberflächliche Empfindung" und habe auch nichts mit den äußeren Aspekten des Festes zu tun, wie etwa dem Konsumverhalten.

"Wenn man Weihnachten darauf reduziert, ändert sich nichts: Morgen ist es wie gestern, nächstes Jahr ist es wie vergangenes Jahr, und so weiter", sagte er. "Das ist so, als würden wir uns für ein paar Sekunden an einem Strohfeuer wärmen, anstatt unser ganzes Wesen der Kraft des Ereignisses auszusetzen und den Kern des Geheimnisses der Geburt Christi nicht zu begreifen."

Franziskus erklärte, dass der Kern des Geheimnisses der Geburt Christi darin besteht, dass "das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat." Diese Worte, die während der ersten Vesper zum Hochfest Maria, Mutter Gottes, mehrmals wiederholt wurden, erinnern uns daran, dass Maria die erste Zeugin des Geheimnisses der Menschwerdung ist, sagte er.

"Sie ist die erste Zeugin, die erste und die größte und zugleich die demütigste - die größte, weil sie die demütigste ist", sagte er. "Ihr Herz ist erfüllt von Staunen, ohne den Schatten von Romantik, von Beschönigung, von Vergeistigung".

"Die Mutter bringt uns zurück zur Wirklichkeit, zur Wahrheit von Weihnachten, die in den wenigen Worten des Heiligen Paulus enthalten ist: 'von einer Frau geboren'", sagte er und betonte, dass das christliche Staunen das Ergebnis des "Geheimnisses der Wirklichkeit" sei.

"Es gibt nichts Erstaunlicheres und Verblüffenderes als die Wirklichkeit. Eine Blume, ein Erdklumpen, eine Lebensgeschichte, eine Begegnung, das faltige Gesicht eines alten Menschen oder das blühende Gesicht eines Neugeborenen, eine Mutter, die ein Kind in ihren Armen stillt. Dort leuchtet das Geheimnis", sagte er.

In seiner Predigt ging Papst Franziskus auch auf das "Gefühl des Verlorenseins" ein, das viele Menschen während der COVID-19-Pandemie empfunden haben, und auf die Verantwortung, die jeder gegenüber den anderen zu zeigen hat, eine Gnade, die nur von Gott kommen kann, sagte er.

Ferner betrachtete er die Situation der Stadt Rom, in der sich viele Menschen als Teil einer Familie fühlen, wie er feststellte.

Der neue Bürgermeister Roms, Roberto Gualtieri, war am Freitag beim Gebetsgottesdienst im Vatikan anwesend. Papst Franziskus hatte Gualtieri, der im Oktober 2021 gewählt wurde, vor Beginn der Liturgie willkommen geheißen.

"Jeder fühlt sich zu Hause, weil diese Stadt eine universelle Offenheit in sich bewahrt. Ich wage zu sagen: Sie ist die universelle Stadt", sagte Franziskus. "Sie kommt aus ihrer Geschichte, aus ihrer Kultur. Sie kommt vor allem vom Evangelium Christi, das hier tiefe Wurzeln geschlagen hat, fruchtbar gemacht durch das Blut der Märtyrer, angefangen bei Petrus und Paulus."

Der Papst mahnte, eine brüderliche Stadt entstehe nicht durch "schöne Reden" oder "bombastische Veranstaltungen", sondern "durch die tägliche, werktägliche Zuwendung zu denjenigen, die am meisten zu kämpfen haben, zu den Familien, die die Last der Krise am meisten spüren, zu den Menschen mit schweren Behinderungen und ihren Familien, zu all jenen, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen müssen, um zur Arbeit zu kommen, zu all jenen, die am Rande der Stadt leben, zu jenen, die von irgendeinem Misserfolg im Leben überwältigt wurden und soziale Dienste brauchen, und so weiter."

"Es ist die Stadt, die auf jedes ihrer Kinder, auf jeden ihrer Einwohner, ja auf jeden ihrer Gäste achtet. Rom ist eine wunderbare Stadt, die nie aufhört, zu verzaubern. Aber für diejenigen, die hier leben, ist es auch eine schwierige Stadt, leider nicht immer menschenwürdig für diejenigen, die hier leben, oder ihre Besucher, eine Stadt, die manchmal abweist", fuhr er fort.

"Die Hoffnung ist also, dass alle, die hier leben und arbeiten, Pilger oder Touristen sind, dass alle Rom immer mehr zu schätzen wissen, weil es sich um die Würde des Lebens, um unser gemeinsames Haus, um die Schwächsten und Verletzlichsten kümmert", so Franziskus. "Mögen alle staunen und in dieser Stadt eine Schönheit entdecken, die, wie ich sagen würde, 'beständig' ist und die Dankbarkeit hervorruft. Das ist mein Wunsch für dieses Jahr."

Es ist üblich, dass Papst Franziskus nach der ersten Vesper in der Silvesternacht die Weihnachtskrippe auf dem Petersplatz besucht, aber in diesem Jahr wurde sein Besuch abgesagt, um Menschenansammlungen während der Pandemie zu vermeiden.

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.