Papst Franziskus spricht bei Generalaudienz über den Jesuiten-Gründer Ignatius von Loyola

Papst Franziskus, 7. September 2022
Foto: Daniel Ibáñez / CNA Deutsch
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Für Papst Franziskus ging es bei der Generalaudienz am Mittwoch, die sich erneut mit dem Thema geistliche Unterscheidung beschäftigte, zurück zu seinen jesuitischen Wurzeln. Im Leben des heiligen Ignatius von Loyola, des Gründers der Jesuiten, finde sich "eines der lehrreichsten Beispiele" zum Thema.

Nach einer Verletzung liegt der Soldat Ignatius im Bett. Die von ihm so geliebten Geschichten über Ritter sind nicht verfügbar, sodass er sich mit Geschichten über Heilige begnügen muss. In seiner Autobiografie schreibt er über sich selbst: "Wenn er an weltliche Dinge dachte, bereitete ihm das große Freude, aber danach fand er sich trocken und traurig. Wenn er aber daran dachte, nach Jerusalem zu reisen, sich nur von Kräutern zu ernähren und Enthaltsamkeit zu üben, fand er nicht nur Freude, wenn er daran dachte, sondern auch, wenn er damit aufgehört hatte."

Papst Franziskus erwähnte in diesem Zusammenhang vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz zwei Lektionen: Einerseits finde sich der Aspekt der Zeit – Gedanken über Gott "bringen einen unbekannten Frieden, der über die Zeit hinweg anhält". Andererseits hätten diese Gedanken auch einen "Endpunkt", sodass man verstehe, "was gut für uns ist, nicht auf abstrakte, allgemeine Art, sondern auf dem Weg unseres Lebens".

"Die großen Fragen tauchen auf, wenn wir bereits eine Strecke des Lebensweges zurückgelegt haben, und zu dieser Reise müssen wir zurückkehren, um zu verstehen, wonach wir suchen", hielt der Pontifex fest. "Als Ignatius sich verwundet im Haus seines Vaters wiederfand, dachte er überhaupt nicht an Gott oder daran, wie er sein eigenes Leben reformieren könnte. Er machte seine erste Erfahrung mit Gott, indem er auf sein eigenes Herz hörte, das ihm eine merkwürdige Umkehrung bot: Dinge, die auf den ersten Blick attraktiv waren, ließen ihn desillusioniert zurück, während er in anderen, weniger schillernden Dingen einen dauerhaften Frieden."

"Aus diesem Grund wird Ignatius später die Lektüre des Lebens der Heiligen empfehlen, denn sie zeigen den Denn sie zeigen den Stil Gottes im Leben von Menschen, die sich von uns nicht sehr unterscheiden, in einer erzählenden, verständlichen Weise", erläuterte Franziskus. "Ihre Handlungen sprechen zu den unseren, und sie helfen uns, ihren Sinn zu verstehen."

Abschließend verwies der Bischof von Rom auf "einen weiteren wichtigen Aspekt der Unterscheidung". Es gebe nämlich "eine scheinbare Zufälligkeit in den Ereignissen des Lebens". Alles scheine sich "aus einem banalen Missgeschick heraus" zu entwickeln: "Es gab keine Bücher über Ritter, sondern nur über das Leben von Heiligen. Ein Missgeschick, das dennoch einen möglichen Wendepunkt birgt."

"Gott wirkt durch unplanbare Ereignisse und auch durch Missgeschicke", betonte der Papst. Die Unterscheidung sei "die Hilfe, um die Signale zu erkennen, mit denen sich der Herr in unerwarteten, sogar unangenehmen Situationen zeigt, wie es die Beinwunde für Ignatius war. Eine lebensverändernde Begegnung kann daraus entstehen – für immer."

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