Papst Franziskus warnt: Gewissensfreiheit in Europa auf dem Rückmarsch

Papst Franziskus an Bord des Fliegers seiner Reise nach Schweden vom 31. Oktober bis 1. November 2016.
Foto: National Catholic Register/Edward Pentin
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Vor der Gefahr einer Abschaffung der Gewissensfreiheit in "christlichen Ländern" hat Papst Franziskus auf dem Rückflug aus Marokko gewarnt. Statt muslimischen Ländern Vorwürfe zu machen, sollte man sich Vorwürfe machen, dass sich christliche Länder in dieser Frage rückwärts entwickelten. 

"Man denke an die Ärzte und christlichen Krankenhauseinrichtungen, die kein Recht auf die Verweigerung aus Gewissensgründen haben, zum Beispiel bei Euthanasie", sagte Papst Franziskus.

Die Kirche habe sich in der Frage der Religionsfreiheit weiter entwickelt, doch "christliche Länder" gingen offenbar rückwärts, fuhr Franziskus fort.

"Darüber muss man nachdenken, weil das eine Wahrheit ist. Heute laufen wir Christen Gefahr, dass uns einige Regierungen die Gewissensfreiheit wegnehmen, die der erste Schritt zur Religionsfreiheit ist." 

Der Papst äußerte sich gegenüber Journalisten bei einer "fliegenden Pressekonferenz" auf dem Rückflug aus Marokko - hier der volle Wortlaut

Religionsfreiheit im Islam

Auf die Frage, ob er sich Sorgen um Männer und Frauen mache, die sich zum Christentum bekehren und dadurch in muslimischen Ländern, die der Papst besucht hat, verhaftet oder getötet zu werden, sagte Franziskus, dass sich muslimische Länder in dieser Hinsicht unterschiedlich verhielten und auch entwickelten. 

So verhalte es sich auch mit dem Christentum, sagte Papst Franziskus weiter.

"Man denke an uns Christen vor 300 Jahren, ob es damals die Freiheit gab, die wir heute haben." 

Die Kirche sei in ihrem moralischen Bewusstsein gewachsen, in ihrer Achtung vor der Person, und der Freiheit der Glaubensausübung. "Auch wir müssen weiter wachsen", so Papst Franziskus.

"Aber machen wir Muslimen keine Vorwürfe. Machen wir uns selber Vorwürfe" betonte er mit Blick auf westliche Länder, in denen die Gewissensfreiheit abgeschafft wird.

Im Dialog in Marokko habe man gesehen, "dass Brücken gebaut werden müssen", betonte Papst Franziskus.

"Es schmerzt uns, wenn wir Menschen sehen, die lieber Mauern bauen. Warum schmerzt uns das? Weil diejenigen, die Mauern bauen, zu Gefangenen der Mauern werden, die sie bauen. Stattdessen werden diejenigen, die Brücken bauen, vorwärts gehen."

Brücken bauen: Das sei etwas, das fast über den Menschen hinausgeht, weil es viel Mühe erfordert, so der Pontifex gegenüber Journalisten.

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