Papst Franziskus zum Holocaust-Gedenktag: "Diese Dinge können wieder geschehen"

Papst Franziskus bei der Übertragung der Generalaudienz aus dem Vatikan am 27. Januar 2020
Foto: Vatican Media / CNA Deutsch

Papst Franziskus hat an diesem Mittwoch gesagt, dass das Gedenken an den Holocaust bedeutet, sich bewusst zu sein, dass "diese Dinge wieder geschehen können".

In seiner Rede am Ende der Generalaudienz wies der Papst darauf hin, dass der 27. Januar, der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, der Internationale Holocaust-Gedenktag ist.

Er sagte: "Wir gedenken der Opfer des Holocausts und all derer, die vom Naziregime verfolgt und deportiert wurden. Sich zu erinnern ist ein Ausdruck von Menschlichkeit. Erinnern ist ein Zeichen von Zivilisation. Sich zu erinnern ist eine Voraussetzung für eine bessere Zukunft in Frieden und Brüderlichkeit."

"Erinnern bedeutet auch, vorsichtig zu sein, weil diese Dinge wieder geschehen können, beginnend mit ideologischen Vorschlägen, die ein Volk retten sollen und am Ende ein Volk und die Menschheit zerstören. Machen wir uns bewusst, wie dieser Weg des Todes, der Ausrottung und der Brutalität begonnen hat."

In seiner Katechese zur Generalaudienz, die aus dem Apostolischen Palast per Video übertragen wurde, sprach der Pontifex am 27. Januar über das Beten mit der Heiligen Schrift. 

Der Papst sagte, es ärgere ihn, wenn er Christen höre, die Bibelverse "wie Papageien" rezitierten. Er betonte, dass es wichtig sei, nicht nur Verse zu zitieren, sondern auch Jesus in ihnen begegnet zu sein. 

"Die Worte der Bibel sollen im Leben des Lesers Frucht bringen. Dazu ist es gut, Abschnitt für Abschnitt betend zu betrachten", erklärte der Papst.

"Für ein hörendes Herz wird die Heilige Schrift so zu Gottes lebendigem Wort. Und wie wir die Bibel lesen, so liest sie auch uns: Der biblische Text ist wie ein Spiegel, in dem der Beter sich selber erkennt".

Um den reichen Schatz des Wortes Gottes zu heben, hat sich in der monastischen Tradition die Methode der geistlichen Schriftlesung – der lectio divina – entwickelt, erklärte der Pontifex seinen Zuhörern.

Diese bestehe aus vier Schritten: "Im aufmerksamen Lesen nähert sich der Beter dem Text. In der Meditation, etwa im Wiederholen eines Satzes, versucht er einzelne Gedanken tiefer zu verstehen. Im Gebet fragt er, was Gott ihm damit sagen will. In der Kontemplation schließlich sucht er das Schöne und Gute in Gottes Wirken zu schauen und tritt in einen liebenden Dialog mit dem Schöpfer ein".

Die Heilige Schrift rufe auf, Gott Gehör zu schenken und das Gehörte in die Tat umzusetzen, fuhr Franziskus fort. "So haben sich viele Heilige in ihrem Leben vom Wort Gottes führen lassen".

In seinem Gruß an die polnischen Sprecher erinnerte der Papst daran, dass der 27. Januar der Festtag der heiligen Angela Merici ist, die 1535 die Gesellschaft der heiligen Ursula gründete.

Er sagte: "Aus ihrer Spiritualität sind zahlreiche Ursulinen-Kongregationen erblüht, auch in Polen. Inspiriert durch das Wort Gottes wünschte sich die heilige Angela, dass die Schwestern, die sich vorbehaltlos Gott und den Armen widmen, mutig die Arbeit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen übernehmen würden. Sie riet: "Haltet fest an dem alten Weg (...) und schafft neues Leben!"

In seinem Grußwort an die italienischen Gläubigen wies der Papst darauf hin, dass der 28. Januar der liturgische Gedenktag des heiligen Thomas von Aquin ist, des Patrons der katholischen Schulen.

"Möge sein Beispiel alle, besonders die Schüler, ermutigen, Jesus als den einzigen Lehrer des Lebens zu sehen; und möge seine Lehre euch ermutigen, euch der Weisheit des Herzens anzuvertrauen, um eure Mission zu erfüllen", sagte er.

An die Zuhörer deutscher Sprache sagte der Papst: "Einen herzlichen Gruß richte ich an die Gläubigen deutscher Sprache. Wählen wir jeden Morgen ein Wort der Bibel als unseren Begleiter für den Tag. Es wird uns helfen, Gottes Willen besser zu verstehen und zu leben. Der Heilige Geist leite euch auf euren Wegen."

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