Papstbiograf Weigel beklagt "Kapitulation" der Moraltheologie "vor westlicher Dekadenz"

George Weigel
Foto: CNA/Petrik Bohumil

Der bekannte US-amerikanische Publizist und Papstbiograf George Weigel beklagte am Mittwoch die Rückkehr einer Moraltheologie, die keine in sich schlechten Handlungen anerkennt.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei es zu einer "Auflösung der katholischen Moraltheologie" gekommen, der Papst Johannes Paul II. sich gerade mit seiner Enzyklika Veritatis splendor entgegengestellt habe.

"Kreative Theologen" hätten die Lehre des Papstes aufgegriffen und weiter erklärt, so Weigel, "indem sie sich auf die der menschlichen Person innewohnende Würde beriefen, die unsere Fähigkeit einschließt, die Freiheit würdig zu leben".

Er müsse indes "zugeben, dass in den letzten neun Jahren die alten Irrtümer wieder aufgetaucht waren, und einige von ihnen waren jetzt an den römischen päpstlichen Universitäten vorherrschend", schrieb Weigel in seiner wöchentlichen Kolumne.

Der Biograf von Papst Johannes Paul II. zeigte sich erstaunt, dass diese falsche Moraltheologie "heute als etwas Frisches, Neues und Kreatives präsentiert wird, obwohl sie in Wirklichkeit abgestanden, intellektuell steril, pastoral unfruchtbar und gesellschaftlich unverantwortlich ist".

Es handle sich um "eine Kapitulation nach der anderen vor westlicher Dekadenz, gerade dann, wenn die westlichen Gesellschaften aufgrund eines Mangels an Nähe zur Wirklichkeit implodieren (und sich dadurch der 'Diktatur des Relativismus' gefährlich nähern, vor der Kardinal Joseph Ratzinger 2005 warnte)".

"Die rasch wachsende Kirche in Afrika ist nicht erpicht darauf, westliche Verdorbenheiten in Gesellschaften zu importieren, in denen die christlichen Wahrheiten über menschliche Liebe, Ehe und Familie als befreiende frohe Botschaft gelten", stellte Weigel fest. Und auch im Westen gedeihe die Kirche nur in Gemeinden, welche die volle katholische Lehre annehmen und leben.

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