Petrusbruderschaft: Sind nicht direkt von neuen Einschränkungen betroffen

Priesterweihe der Petrusbruderschaft mit Bischof Vitus Huonder
Foto: Markus Rainer / Petrusbruderschaft

Eine der größten traditionellen Gesellschaften des apostolischen Lebens, die auch zahlreiche Gläubige im deutschsprachigen Europa betreut, hat auf das neue Dokument der Kongregation für den Gottesdienst reagiert, mit dem Papst Franziskus weitere Einschränkungen gegen die traditionelle lateinische Messe vornehmen lässt.

"Das jüngste Dokument der Kongregation für den Gottesdienst, das am 18. Dezember veröffentlicht wurde, geht nicht direkt auf die ehemaligen Ecclesia Dei-Gemeinschaften wie die Priesterbruderschaft St. Petrus ein, die über ein eigenes Eigenrecht verfügen", heißt es in einer öffentlichen Erklärung der Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP).

"Die Mitglieder der Priesterbruderschaft St. Petrus haben bei der Aufnahme in die Bruderschaft versprochen, unseren Konstitutionen treu zu sein, und wir bleiben genau dem verpflichtet: der Treue zum Nachfolger Petri und der treuen Befolgung der 'liturgischen und disziplinarischen Traditionen' der Kirche gemäß den Bestimmungen des Motu Proprio Ecclesia Dei vom 2. Juli 1988, das den Ursprung unserer Gründung bildet", so die Erklärung der Petrusbrüder.

"Die Oberen der Priesterbruderschaft werden das Dokument genauer studieren und gleichzeitig unseren Dienst an den uns anvertrauten Gläubigen aufrechterhalten", bestätigt die Priesterbruderschaft weiter.

Papst Franziskus hat seine Maßnahmen gegen die traditionelle lateinischen Messe am gestrigen Samstag klarstellen und noch einmal verschärfen lassen.

Auf das Papstschreiben Traditionis Custodes habe der Vatikan eine ganze Reihe von Dubia erhalten, schreibt der Liturgie-Präfekt des Vatikans, Erzbischof Arthur Roche, in seinen Responsa ad Dubia, die am 18. Dezember veröffentlicht wurden.  

So ist etwa die Feier der Firmung und Priesterweihe nach dem alten Messbuch verboten, teilt der Vatikan in seiner auch in deutscher Sprache veröffentlichten Mitteilung, die sowohl mehrere eingegangene Dubia beantwortet, als auch dazu Erläuterungen anbietet.

Bereits nach der Veröffentlichung von Traditionis Custodes gingen einige Diözesen dazu über, die Feier der traditionellen lateinischen Messe zu verbieten. Andere Bischöfe bekräftigten die gute Präsenz und seelsorgliche Notwendigkeit traditioneller Gemeinschaften in ihren Diözesen, wie CNA Deutsch berichtete. 

Die seit Jahrhunderten gefeierte traditionelle lateinische Messe (TLM) ist auch als "tridentinische" und "gregorianische" bekannt, als Feier im Usus Antiquior, als Messe in der außerordentlichen oder überlieferten Form sowie als "Messe aller Zeiten" und "Alte Messe" (Vetus Ordo), im Gegensatz zur in den 1970er Jahren eingeführten "Neuen Messe" (Novus Ordo). 

Die Entscheidung des Papstes, gegen die "alte" Messe vorzugehen, ist weltweit auf Kritik und Unverständnis, aber auch Unterstützung gestoßen. Im Juli teilte dazu die Petrusbruderschaft mit, man reagiere mit "Verwunderung" auf "Traditionis Custodes". 

Die Gemeinschaft erinnerte an die Früchte ihrer Arbeit und appellierte an die Bischöfe, die Gläubigen, die der TLM anhängen, nicht im Stich zu lassen. 

In einer offiziellen Stellungnahme betonte damals bereits die Priesterbruderschaft St. Petrus, "in keiner Weise" erkenne man sich in den von Papst Franziskus vorgebrachten Kritikpunkten (siehe unten) wieder.  

"Es ist erstaunlich, dass die vielen Früchte, die in jenen Apostolaten sichtbar werden, die mit dem Messbuch des hl. Johannes XXIII. verbunden sind, sowie die Freude der Gläubigen, die von dieser liturgischen Form profitieren, nicht erwähnt werden", so die damalige Stellungnahme.

"Viele Menschen haben dank dieser Liturgie den Glauben entdeckt oder sind zum Glauben zurückgekehrt. Es ist nicht zu übersehen, dass aus den oft jungen und blühenden Gemeinden viele christliche Familien, Priester- und Ordensberufungen hervorgegangen sind", stellt die Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri (FSSP) fest.

"Wir hoffen, auf das Verständnis der Bischöfe zählen zu können, deren Autorität wir immer respektiert und denen gegenüber wir uns stets loyal verhalten haben", erklärte das Kommuniqué im Sommer weiter.

Die FSSP ist seit vielen Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum präsent, darunter in den Bistümern Rottenburg-Stuttgart sowie München und Freising. Nach Angaben deutscher Bischöfe gegenüber CNA Deutsch wird sich daran nichts ändern; mehrere  Bischöfe bestätigten gegenüber dieser Agentur die guten Beziehungen und die Absicht, bestehende Regelungen beizubehalten.

Das Institut Christus König und Hohepriester, eine weitere Gesellschaft apostolischen Lebens, die ausschließlich die traditionelle lateinische Messe zelebriert und im deutschsprachigen Raum präsent ist, hat noch keine Stellungnahme zum neuen Dokument der Gottesdienstkongregation veröffentlicht. Im jüngsten Rundbrief meldet das Institut lediglich eine neue Generation angehender Priester und neue Apostolate in mehreren Ländern. 

Stichwort Traditionis Custodes

Mit dem Motu proprio, das wörtlich "Hüter der Tradition" heißt und am 16. Juli herausgegeben wurde, verfügte Papst Franziskus mit sofortiger Wirkung weitreichende und tiefgreifende Änderungen des Schreibens Summorum Pontificum seines Vorgängers Benedikt XVI. aus dem Jahr 2007. Dieses erkannte das Recht aller Priester an, die Messe unter Verwendung des Römischen Messbuchs von 1962 zu feiern.

In einem Begleitbrief an die Bischöfe, in dem er seine Entscheidung darlegt, schreibt Papst Franziskus: "Zur Verteidigung der Einheit des Leibes Christi sehe ich mich gezwungen, die von meinen Vorgängern gewährte Erlaubnis zu widerrufen. Der verzerrte Gebrauch, der von dieser Erlaubnis gemacht worden ist, steht im Widerspruch zu den Absichten, die zur Gewährung der Freiheit geführt haben, die Messe mit dem Missale Romanum von 1962 zu feiern."

Das neue Motu proprio, das mit sofortiger Wirkung herausgegeben wurde, besagt einerseits, dass ausschließlich der jeweilige Ortsbischof entscheiden kann, die Feier der lateinischen Messe in der überlieferten Form in seiner Diözese zu autorisieren. Andererseits setzt es fest, dass die Bischöfe keine Messen im usus antiquior in Pfarrkirchen feiern lassen dürfen, und jeder neu geweihte Priester, der die heilige Messe in dieser Form des römischen Ritus feiern will, muss nach diesen Maßgaben dafür einen Antrag in Rom stellen. 

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