Petrusbrüder: Papst Franziskus hat liturgisches Eigenrecht bestätigt (Update)

Papst Franziskus spricht im Apostolischen Palast des Vatikans
Foto: Vatican Media

Die Petrusbruderschaft kann auch nach Traditionis Custodes weiterhin die heilige Messe in der überlieferten Form feiern: Wie erst jetzt bekannt wurde, hat Papst Franziskus am Freitag, 4. Februar 2022, zwei Mitglieder der Priesterbruderschaft St. Petrus empfangen. Das teilte die Bruderschaft am heutigen Montag mit.

Pater Benoît Paul-Joseph, Oberer des französischen Distrikts, und Pater Vincent Ribeton, Regens des Priesterseminars St. Petrus in Wigratzbad, wurden in "fast einstündiger Privataudienz empfangen", so die FSSP.

Das Gespräch fand in einer guten und herzlichen Atmosphäre statt, so die Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri (FSSP).

Bei der Schilderung der Entstehungsgeschichte der Bruderschaft im Jahr 1988 zeigte sich der Papst beeindruckt vom mutigen Schritt der Gründer, von ihrem Vertrauen in die Kirche und ihrer Treue zum Römischen Pontifex. Er betonte, dass diese Gesinnung "bewahrt, geschützt und ermutigt" werden müsse.

Im Verlauf des Gesprächs war es dem Papst ein Anliegen, klarzustellen, dass Institute wie die Priesterbruderschaft St. Petrus nicht von den allgemeinen Bestimmungen des Motu Proprio Traditionis Custodes betroffen sind, da der Gebrauch der alten liturgischen Bücher an ihrem Ursprung stand und in ihren Konstitutionen verankert ist.

In den Tagen nach der Audienz bekräftigte dies der Pontifex in einem eigenhändig unterzeichneten Schreiben, datiert auf den 11. Februar, jenem Tag, an dem sich die Petrusbruderschaft feierlich dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht hat. Das Dekret bestätige den Mitgliedern der Bruderschaft das Recht, die liturgischen Bücher zu verwenden, die 1962 in Kraft waren, namentlich: Missale, Rituale, Pontifikale und Brevier, so die Mitteilung heute.

"Die Mitglieder der Priesterbruderschaft St. Petrus sind voller Dankbarkeit gegenüber dem Heiligen Vater für die Bestätigung ihrer kirchlichen Sendung. Alle Gläubigen, die sich der geistlichen Familie der Bruderschaft verbunden fühlen, sind herzlich eingeladen, am morgigen Thronfest des Apostels Petrus (22. Februar) der heiligen Messe beizuwohnen und für den Heiligen Vater zu beten", heißt es weiter.

Pater Benoît Paul-Joseph (l.) und Pater Vincent Ribeton (r.) bei Papst Franziskus – © Priesterbruderschaft St. Petrus
 

Die Priesterbruderschaft St. Petrus ist eine junge Gemeinschaft, die seit 1988 als Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechtes existiert. Zur Zeit gehören ihr weltweit etwa 290 Priester und Diakone an. In den beiden Priesterseminaren der Gemeinschaft im deutschen Wigratzbad und im amerikanischen Denton, bereiten sich derzeit rund 150 junge Männer auf das Priestertum vor.

Die FSSP hatte im vergangenen Juli mit Verwunderung auf das Papstschreiben Traditionis Custodes reagiert, wie CNA Deutsch berichtete.

Bischof Thomas Tobin von Providence, Rhode Island, schrieb am Montag auf seinem Twitter-Account, die Entwicklung sei "eine sehr gute und willkommene Nachricht für die FSSP in aller Welt".

Das Dekret gibt der FSSP die volle Erlaubnis, die traditionelle lateinische Messe zu feiern, die Sakramente zu spenden und das Offizium gemäß dem Missale, dem Rituale, dem Pontifikale und dem Römischen Brevier, die 1962 verwendet wurden, zu verrichten.

Die seit Jahrhunderten gefeierte traditionelle lateinische Messe (TLM) ist auch als "tridentinische" und "gregorianische" bekannt, als Feier im Usus Antiquior, als Messe in der außerordentlichen oder überlieferten Form sowie als "Messe aller Zeiten" und "Alte Messe" (Vetus Ordo), im Gegensatz zur in den 1970er Jahren eingeführten "Neuen Messe" (Novus Ordo).

Diese Befugnis ist auf die eigenen Kirchen und Oratorien der FSSP beschränkt, es sei denn, es liegt die Zustimmung des Ortsordinarius vor, mit Ausnahme von Privatmessen.

Die Pressestelle des Heiligen Stuhls hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage von CNA geantwortet, um den Text des Dekrets zu bestätigen.

CNA deutsch dokumentiert im Wortlaut das Dekret, wie es von der Petrusbruderschaft veröffentlicht wurde. 

Dekret des Heiligen Vaters

Der Heilige Vater Franziskus gewährt allen und jedem Mitglied der Gesellschaft apostolischen Lebens "Bruderschaft St. Petrus", die am 18. Juli 1988 gegründet und vom Heiligen Stuhl als "päpstlichen Rechts" erklärt wurde, die Befugnis, das Messopfer zu feiern, die Sakramente und andere heilige Riten zu spenden und das Offizium zu verrichten, gemäß der jeweiligen Editio typica der liturgischen Bücher, die im Jahr 1962 in Kraft waren, d.h. dem Missale, dem Rituale, dem Pontifikale und dem Brevier.

Sie können von dieser Befugnis in ihren eigenen Kirchen und Oratorien Gebrauch machen; an anderen Orten jedoch nur mit Zustimmung des Ortsordinarius, außer für die privat gefeierte Messe.

Ungeachtet dessen empfiehlt der Heilige Vater, so weit wie möglich auch die Bestimmungen des Motu proprio Traditionis Custodes zu berücksichtigen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 11. Februar, dem Fest Unserer Lieben Frau von Lourdes, im Jahr 2022, dem neunten Jahr meines Pontifikats.

Franziskus

 

Letztes Update am 21. Februar 2022 um 14:21 Uhr

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