Prinz Hassan Bin Talal: "Fratelli tutti" auch für den Nahen Osten gültig

Papst Franziskus und Prinz Hassan Bin Talal von Jordanien
Foto: Vatican Media

Angesichts der Krisen im Nahen Osten, der Wiege der drei abrahamitischen Religionen, ist eine neue "Sozialcharta" hilfreich, welche die Schwachen unterstützt und allen den Weg der universellen Solidarität aufzeigt. Das hat Prinz Hassan Bin Talal von Jordanien mit Blick auf die Enzyklika "Fratelli Tutti" von Papst Franziskus gesagt.

Das am 3. Oktober in Assisi vor dem Grab des heiligen Franziskus unterzeichnete Schreiben entspreche "dieser Dringlichkeit für die Völker des Nahen Ostens und für die gesamte Menschheit", so Bin Talal, und erkenne die Brüderlichkeit an, die alle Menschen verbindet, die von dem einen Gott geschaffen wurden.

Diese Anerkennung sei die Grundlage für neue soziale Beziehungen, so der Prinz weite in einem Kommentar, der von der in London veröffentlichten arabischen Zeitung "al-Arab" veröffentlicht wurde.

Das hochrangige Mitglied des haschemitischen Königshauses, Onkel von König Abdallah II. von Jordanien, setze sich seit jeher für den islamisch-christlichen Dialog ein, unter anderem als Präsident des Königlichen Instituts für Interreligiöse Studien in Amman.

In seinem Beitrag betont der islamische Prinz, dass "Fratelli Tutti" mit dem 2018 in Abu Dhabi von Papst Franziskus und Scheich Ahmed al-Tayyeb, Großimam der Moschee und Universität al Azhar, unterzeichneten Dokuments über "Menschliche Brüderlichkeit" stehe. In dem neuen Dokument fordere der Papst alle auf, anzuerkennen, dass "Gott alle Menschen geschaffen und sie in Bezug auf Rechte, Pflichten und Menschenwürde gleichgestellt hat".

Das Band der Brüderlichkeit, das alle Menschen vereine, sei das wahre Gegenmittel gegen jede Form von Aggression und jeden Wunsch, diejenigen zu unterdrücken, die anderen sozialen oder religiösen Gruppen angehörten. In diesem Zusammenhang erinnert Hassan Bin Talal – wie auch der Papst in seinem Schreiben – an das Treffen zwischen dem heiligen Franziskus und Sultan Malik al Kamil, das 1219 in der ägyptischen Stadt Damietta stattfand.

Der jordanische Prinz betonte, dass der in der päpstlichen Enzyklika enthaltene Appell an die Brüderlichkeit nicht auf eine vage sentimentale Rhetorik reduziert werden dürfe, da er einen Weg aufzeige, wie die Armen, Kranken und Behinderten wirksam unterstützt werden können. "Die Welt wurde für alle geschaffen", so der Prinz, "und wir Menschen wurden alle mit der gleichen Würde auf dieser Erde geboren".

Hassan Bin Talal fügte hinzu, dass der Wunsch, in Frieden und Harmonie mit allen Menschen zu leben, in vielen Hadithen des Propheten Mohammad zum Ausdruck komme. So sage Mohammed, dass "der Gläubige der Spiegel des Gläubigen ist". Dieses Bestreben - so der jordanische Prinz – umfasse alle Unterschiede und wolle nicht alles auf eine undeutlichen Einheitsbrei reduzieren: "Wir wurden alle ausgehend von Adam geschaffen, und wir wurden aufgerufen, einander als Brüder zu akzeptieren".

Diese "himmlischen Botschaften" forderten Respekt für den Einzelnen ein und legten diesen Respekt als Grundlage für soziale Beziehungen fest. "Eine Tatsache, die durch die Covid-19-Pandemie noch deutlicher wurde, die die ganze Welt, starke Nationen und fragile Nationen erfasste und zweifelsfrei zeigte, dass nur menschliche Brüderlichkeit und soziale Freundschaft eine solide Grundlage dafür darstellen können, sich den Bedrohungen stellen, die die gesamte Menschheit betreffen", so der Prinz abschließend.

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