Christmette in Chicago: "Weihnachtsshow" sorgt für Empörung

Einige sagen, die spektakuläre Inszenierung der Christmette in der St. Sabina Kirche in Chicago ist zu weit gegangen.
Foto: Screenshot / St. Sabina YouTube video
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Neue Aufregung im Erzbistum Chicago: Mitten in der Weihnachtszeit hat Kardinal Blase Cupich angekündigt, die traditionelle lateinische Messe "im Dienst der Einheit der Kirche" reihenweise zu verbieten. Gleichzeitig sorgt eine Christmette, die wie ein "Weihnachtsspektal" aufgeführt wurde, für Empörung und skandalisierte Gläubige.

Entsetzte Katholiken fordern Cupich auf, nach der heiligen Messe mit Jazzmusikern, choreografierten Tänzen um den Altar und Lichter-Show, gegen liturgische Missbräuche in Novus-Ordo-Messen in der Erzdiözese Chicago vorzugehen, anstatt die ehrfürchtigen, traditionellen lateinischen Messen stark einzuschränken, wie die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch, berichtet.   

Predigte mit Peace-Symbol auf der Brust: Pfarrer Pfleger (72) an Heiligabend, 24. Dezember 2021

Ob das, was der Priester an Heiligabend mit einer kuriosen Halskette auf der Brust in der Pfarrei St. Sabina feierte, noch eine gültige "neue" Messe war, ist umstritten: Viele der entrüsteten Gläubigen sind der Meinung, dass hier die Grenze zwischen Gottesdienst und Unterhaltungsprogramm überschritten wurde. Nicht zuletzt, weil aus dem fast zweieinhalbstündigen Video des Gottesdienstes, der als "Heiligabend in Sabina" angekündigt wurde, nicht hervorgeht, wann die Liturgie beginnt: Es gibt keinen offensichtlichen Einzug und Liturgischen Gruß, kein Schuldbekenntnis und kein Tagesgebet, was zum Aufbau einer gültigen Messe im Novus Ordo gehören würde.

In dem auf YouTube veröffentlichten Video erscheint der Priester nach rund einer Stunde musikalischer und tänzerischer Darbietungen vor dem Altar. Eine Band spielt eine Mischung aus religiösen Liedern und weltlicher Musik, während bunt kostümierte Tänzerinnen und Tänzer um den Altar wirbeln.

In einem der aufsehenerregendsten Abschnitte des Videos liest eine Frau vor Pflegers Ankunft bei dem Event eine Betrachtung über Rassismus, Waffengewalt und andere soziale Missstände vor. Die Frau schreit laut an einigen Stellen, während Figuren in der Nähe des Altars, darunter einige in Kapuzenmänteln, die an Ku-Klux-Klan-Roben erinnern, ihre Worte dramatisieren. (Sie können den Beitrag ab der 38:00-Marke im untenstehenden Video sehen).

https://youtu.be/p0RRWJNNos0

Der Pfarrer, Michael L. Pfleger, ist seit 1981 in der Gemeinde an der "South Side" der Stadt im Dienst.  

Mehrere Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen ihn führten dazu, dass Pfleger, der zwei Kinder adoptiert hat, am 5. Januar 2021 vom Dienst in St. Sabina suspendiert wurde, nachdem sich ein Mann gemeldet und behauptet hatte, er sei vor mehr als 40 Jahren als Kind von Pfleger sexuell missbraucht worden. Zwei weitere Männer, von denen einer der Bruder des ersten Anklägers ist, behaupteten später, Pfleger habe sie ebenfalls missbraucht. Der Bschuldigte wies die Vorwürfe zurück.

Cupich setzte den Priester im Mai wieder ein und erklärte, dass der Prüfungsausschuss der Erzdiözese "zu dem Schluss gekommen ist, dass es keinen ausreichenden Grund gibt, Pfarrer Pfleger dieser Anschuldigungen zu verdächtigen". 

Im Jahr 2019 sorgte der als Friedensaktivist bekannte Pfleger für Aufregung, weil er den rassistischen Führer der Organisation "Nation of Islam" und Unterstützer der Sekte "Scientology", Louis Farrakhan, als Redner in die Pfarrei einlud. Kardinal Cupich kritisierte den Vorgang. Farrakahn ist ein bekannter Antisemit, der von "jüdischen Blutsaugern" spricht und unter anderem die Einreise nach Großbritannien verboten ist. 

Pfarrer Pfleger drohte zudem einem Vorgänger des aktuellen Erzbischofs, Kardinal Francis George, im Jahr 2011, sich laisieren zu lassen, wenn er ihn versetzen würde. Pfleger musste sich dafür öffentlich entschuldigen. 

Auf Anfrage von CNA lehnte es Pfleger ab, Fragen zur Heiligabend-Liturgie zu beantworten. Stattdessen versuchte der Priester, dies als "Angriff" darzustellen: "Dies sind einige der gleichen Leute, die Papst Franziskus und Kardinal Cupich angreifen und das Geschenk und den Wert des schwarzen Katholizismus (sic) in der katholischen Kirche ignoriert haben, daher reagiere ich nicht auf ihre Angriffe", so Pfleger in einer E-Mail.

Auf die eigentliche Kritik, die empörte Katholiken auch in den Sozialen Medien direkt an seine Person geäußert haben, geht der Priester nicht ein. 

"Wenn dem Bischof wirklich etwas an seinen Gläubigen liegt", schrieb ein Kommentator auf YouTube, "würde er dieser Abscheulichkeit Einhalt gebieten, nicht der lateinischen Messe".

"Ich bin ein ehemaliger evangelischer Protestant, der jetzt katholisch ist, und dieser Gottesdienst erinnert mich so sehr an die Gottesdienste, die ich früher als evangelischer Protestant viele Jahre lang besucht habe", heißt es in einem anderen Beitrag.

Die Erzdiözese Chicago hat vor der Veröffentlichung nicht auf eine Bitte um Stellungnahme reagiert.

Blick auf die Eucharistie

Ein führender katholischer Liturgiker, der von CNA kontaktiert wurde, sagte, er sei an die Worte des Papstes erinnert worden, als er das Video der Christmette von St. Sabina sah.

"Viele der Missbräuche in der Messfeier rühren von einem falschen Verständnis des Wesens und des Nutzens der Eucharistiefeier her, und insbesondere von einer verzerrten Anwendung des Konzepts der aktiven Teilnahme an der Liturgie", so Pater Daniel Cardó, Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft am Theologischen Seminar St. John Vianney in Denver, in einem schriftlichen Kommentar.

Das Zweite Vatikanische Konzil schrieb: "Die Mutter Kirche wünscht sehr, alle Gläubigen möchten zu der vollen, bewußten und tätigen Teilnahme an den liturgischen Feiern geführt werden" (Sacrosanctum Concilium, 14).

"Die Ironie besteht darin, dass die tatsächliche Beteiligung nicht zunimmt, wenn in die Messe Aktivitäten eingefügt werden, die der liturgischen Feier fremd sind - die meisten Menschen bleiben Zuschauer von Tänzen oder anderen kulturellen Ausdrucksformen, die nicht von allen ausgeführt werden können", erklärte der Priester und Professor mit Blick auf die Veranstaltung in Chicago.

"Die Tänze, Lieder, Reden und Lichteffekte zeigen eine lebendige Feier einer christlichen Gemeinschaft, aber nicht die Eucharistie, wie sie seit den Anfängen beschrieben und ununterbrochen gefeiert wird, wie sie schon in der Passage von den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus (Lk 24,13-35) oder in den Beschreibungen des heiligen Justin (Mitte des zweiten Jahrhunderts) wahrgenommen wird", so Cardó.

"Was die Kirche für alle will, ist die Teilnahme an den Riten selbst, und dafür haben wir einen sicheren Weg: die anerkannten Riten und Rubriken der liturgischen Feiern".

Cardó wollte die Frage, ob die Weihnachtsveranstaltung eine gültige Messe war, nicht beantworten. Diesen Vorwurf hatten mehrere Katholiken in den sozialen Medien erhoben. Der Professor betonte, dass Pfleger die Wandlungsworte in der Eucharistiefeier gesprochen hat. 

Dennoch, so Cardó weiter, liefen solche Liturgien Gefahr, die Eucharistie als zentralen Punkt der Messe zu verdrängen.

"Wenn in der Messfeier so viel Neues und Kreatives stattfindet, kann die Gemeinde an Selbstdarstellung und menschlicher Bequemlichkeit wachsen, aber sie könnte die 'wirkliche Gegenwart' Jesu Christi verlieren, die sicherlich weniger spektakulär ist als Konzerte und Choreographien, aber die ehrfurchtgebietende Kraft des menschgewordenen Gottes, der in Brot und Wein gegenwärtig wird", sagte er.

"Es gibt kein größeres pastorales Gut für die Gläubigen, als Gott einfach durch die Riten der Kirche zu seinem Volk kommen zu lassen. Das relative Gut der Selbstdarstellung einer bestimmten Gemeinschaft kann niemals gleichwertig sein mit dem höchsten Gut, Christus selbst im Sakrament zu empfangen", so Cardó weiter.

"Bethlehem erinnert uns daran, dass Gott die Einfachheit des Verborgenen wählt, um der Welt gegenwärtig zu werden. In gleicher Weise kommt Jesus in der Messe durch die Einfachheit einiger weniger Worte und Gesten zur Welt, die den Aposteln gegeben und von der Kirche treu weitergegeben wurden", erklärte er. "Wenn Kreativität zu Missbrauch und Verzerrungen führt, dann sind wir sehr weit entfernt von der liturgischen Reform, die das Zweite Vatikanische Konzil beabsichtigt hat".

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