Fragen der Relevanz? Der "Synodale Weg" setzt seine Diskussionen fort

Thomas Sternberg (links) und Bischof Georg Bätzing
Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch // Bistum Limburg

An fünf verschiedenen Orten wurde heute über die Fortsetzung des "Synodalen Weges" diskutiert. In Berlin, Dortmund, Frankfurt am Main, Ludwigshafen und München trafen sich am Freitag die Teilnehmer, um nach der langen Coronavirus-Pause über erste Zwischenergebnisse aus den einzelnen Synodalforen zu sprechen. Dabei war auch das Verhalten der Kirche in Deutschland während der Hochphase der Covid-19-Pandemie ein Thema.

Nach der ersten Synodalversammlung Ende Januar in Frankfurt am Main (CNA Deutsch hat berichtet), sollte die zweite Versammlung ursprünglich vom 3. bis 5. September 2020 wieder in Frankfurt stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Teilnehmer auf die fünf Regionenkonferenzen verteilt. 

In Dortmund brachte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, seine Hoffnung darüber zum Ausdruck, dass "der gute Geist von Frankfurt" seine Fortsetzung finde. "Manche glaubten bereits ein Versanden des 'Synodalen Weges' festgestellt zu haben", berichtete der Gremienvorsitzende. Dies sei jedoch nicht der Fall. Stattdessen herrsche unter den Mitwirkenden ein "Geist des Miteinander", trotz gegenteiliger Presseberichte gebe es "keine zwei Lager" innerhalb der jeweilgen Arbeitsgruppen.

So zumindest der CDU-Politiker.

Bereits am Donnerstag äußerte sich der ZdK-Vorsitzende zudem in einem Beitrag für "Christ & Welt" dahingehend, dass beim "Synodalen Weg" seiner Ansicht nach "leider" weiterhin mit "Störfeuer" aus dem Vatikan zu rechnen sei. Im Ausland - nicht nur in Rom - wird der als "Reformprozess" deklarierte "Synodalen Weg" kritisch beobachtet. Ausländische Beobachter befürchten, dass am Ende der "Reformdebatten" ein deutscher Sonderweg entstehen könnte, der sich vom restlichen Teil der Weltkirche abspalte (CNA Deutsch hat berichtet).

Lehre der Kirche: Veränderung als "Weiterentwicklung"?

Insgesamt wurde erneut deutlich, dass ein großer Teil der teilnehmenden Bischöfe und Laienvertreter unter den mehrfach geforderten "Strukturreformen" vor allem eine Änderung in der überlieferten Lehre der Kirche anstreben. So etwa bei der Vorstellung der beiden Arbeitstexte aus den Synodalforen "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche" und "Leben in gelingenden Beziehungen - Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft".

Darin sind zum Beispiel die Forderungen aufgeführt, Frauen "den Weg zum Weiheamt zu öffnen" unter dem Gesichtspunkt einer "Gleichberechtigung" oder die kirchliche Anerkennung / Segnung homosexueller Partnerschaften. Im Zuge eines Rückblicks auf die Maßnahmen der Kirche zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie wurden auch die Sonntagspflicht und die an Priester gebundene Feier der Eucharistie zur Diskussion gestellt.

Ein Priester kritisierte in einem Wortbeitrag die Praxis, dass ausschließlich getaufte Männer nach intensiver Prüfung und Ausbildung zu Priestern geweiht würden. Auch Frauen sollten diese Möglichkeit haben. "Die Glaubwürdigkeit der Kirche hängt davon ab", behauptete der Geistliche. Mehr noch: Jesus habe damals mit "patriarchalen Strukturen" gebrochen, die Kirche habe jedoch in diesem Punkt noch Nachholbedarf.

Auch die katholische Sexualmoral sei in der heutigen Zeit kaum noch vermittelbar und müsse deshalb geändert werden, so die vorherrschende Meinung in den meisten Wortbeiträgen. Es gehe nun darum, auch "gelebte Sexualität außerhalb der Ehe" anzuerkennen und der Sexualität "weitere Sinndimensionen" hinzuzufügen. Genauso gelte es, die "verschiedenen sexuellen Identitätem" zu "würdigen", die "nicht in die Ehe führen".

Die Sexualmoral habe zwar noch "Elemente", auf die man sich "einigen" könne wie "Treue, Verbindlichkeit, Verantwortlichkeit", doch brauche die Lehre der Kirche "dringend eine Weiterentwicklung".

Nach Kritik von Voderholzer: Verantwortliche rudern zurück

Nach dem Streit um das Arbeitspapier des Synodalforums "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche", der durch einen offenen Brief des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer ausgelöst wurde, ruderten am heutigen Freitag die Verantwortlichen zurück. Die beiden Vorsitzenden des Synodalforums, der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und die Theologieprofessorin Dorothea Sattler (Bistum Münster) baten um Verzeihung und bekundeten, die Verantwortung für die Unstimmigkeiten zu übernehmen. 

Voderholzer hatte in einem offenen Brief (CNA Deutsch hat den Text hier im Wortlaut dokumentiert) beklagt, dass bei der Erstellung des Arbeitspapiers Absprachen nicht eingehalten wurden und "theologisches Niveau" fehle. Er stelle sich die Frage, so Voderholzer, ob "versucht wird, mit einer einseitig verfälschten Bibeltheologie die Teilnehmer der Regionalkonferenzen in eine bestimmte Richtung zu lenken".

Der Regensburger Hirte und Dogmatik-Professor warf den Verantwortlichen außerdem vor, bei der Erstellung des Arbeitstextes übergangen worden zu sein. Voderholzer wörtlich:

"Nachdem aus 'zeitlichen Gründen' die vereinbarte erneute Abstimmungsrunde nach der Einarbeitung der Änderungen durch die Redaktionsgruppe ausfiel, hatte ich (...) keinerlei Möglichkeit, mich zu diesem Textteil zu verhalten. Ich protestiere gegen dieses Vorgehen!"

Bereits gestern hatte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing, erklärt, dass das Schreiben beim Synodalpräsidium angekommen und "zur Kenntnis genommen" worden sei. Ob es Verfahrensfehler gegeben habe, müsse "man" prüfen und gegebenfalls korrigieren.

Heute bedauerten die Verantwortlichen die "Missachtung der Absprache" öffentlich. Man habe nicht versucht zu manipulieren, beteuerten Bischof Bode und Sattler: die Veröffentlichung sei lediglich "aus Zeitgründen" geschehen.

Der Kritik Voderholzers an der fehlenden theologischen Substanz des Schreibens entgegnete Bode, dass es darin durchaus Sätze gebe, die "sehr angreifbar" seien. Bischof Bätzing mahnte unterdessen an, dass das Arbeitspapier eine "saubere Theologie" brauche, die auch die Tradition der Kirche "berücksichtige". 

Jugendnetzwerk "Pontifex" und Systemirrelevanz

Das von Jugendlichen und jungen Erwachsenen geführte Mediennetzwerk "Pontifex" forderte zu Beginn der Regionenkonferenzen eine "Konzentration auf Wege der Verkündigung statt einer Vertiefung der eigenen Systemirrelevanz durch selbstzentrierte Destruktion der kirchlichen Lehre". Angesichts der Coronavirus-Pandemie müsse sich die Kirche auf ihren Kern - nämlich der Verkündigung des Evangeliums - zurückbesinnen. In einer Pressemitteilung heißt es dazu:

"Der der Not geschuldete Rückzug der Kirche ins Digitale muss in einen Weg der Verkündigung umgewandelt werden. Schon jetzt ist abzusehen, dass der ohnehin sehr niedrige Messbesuch sich noch stärker verringern wird. Der menschgewordene und in der Eucharistie körperlich gegenwärtige Gott lässt sich nicht einfach digitalisieren, seine Verkündigung aber schon. Es sollte immer das erste Bemühen der Kirche und daher auch des 'Synodalen Weges' sein, die Menschen in und mit Christus zusammenzubringen."

Gerade die Begrenzung des kirchlichen Lebens auf den privaten und digitalen Bereich habe in den letzten Monaten noch deutlicher gemacht, wie notwendig eine moderne und überzeugende Präsenz des katholischen Glaubens im digitalen Raum sei.

Ein Sprecher der Initiative betonte, dass die Lehre der Kirche nicht "neu erfunden" werden müsse, da sie schon da sei und den Menschen "frei und froh". "Wir sollten uns vielmehr darum bemühen, Wege zu finden, diese Botschaft für die Menschen heute zugänglich und verständlich zu machen. Hier liegt die eigentlich spannende Herausforderung", so der Sprecher.

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