"Synodaler Weg": Vatikan hat "Notbremse" gezogen, sagt Publizist Bernhard Meuser

Bernhard Meuser
Foto: privat

Der katholische Publizist Bernhard Meuser hat erklärt, mit der jüngsten Erklärung habe der Vatikan beim deutschen "Synodalen Weg" die "Notbremse" gezogen. "Die Gefahr eines Schismas ist beendet", zeigte sich der Mitgründer der Initiative Neuer Anfang, die den "Synodalen Weg" kritisch begleitet, überzeugt.

Am Donnerstagnachmittag hatte der Vatikan eine "Erklärung" veröffentlicht, wonach der "Synodale Weg" "nicht befugt" sei, "die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten".

"Es wäre nicht zulässig, in den Diözesen vor einer auf Ebene der Universalkirche abgestimmten Übereinkunft neue amtliche Strukturen oder Lehren einzuführen, welche eine Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und eine Bedrohung der Einheit der Kirche darstellen würden", hieß es in der Erklärung weiter.

Meuser fasste in seiner ersten Reaktion zusammen: "Kein Katholik ist in irgendeiner Weise an Beschlüsse des 'Synodalen Weges' gebunden. Das Präsidium könnte den „Synodalen Weg“ nur gegen die explizite Weisung des Heiligen Vaters aufrechterhalten."

Der Publizist zeigte sich dankbar für die Weltsynode zur Synodalität, wo "realistisch Bilanz" gezogen werden könne, um die Kirche auf eine richtige Weise zu reformieren: "Man wird noch einmal nachschauen müssen, was der Kirche wirklich vom Zweiten Vatikanischen Konzil ins Hausaufgabenbuch geschrieben wurde."

Meuser erwähnte drei Kritikpunkte am "Synodalen Weg", die seiner Ansicht nach aus der vatikanischen Erklärung hervorgingen.

Zunächst sei problematisch, "dass sich eine willkürlich konstituierte Gruppe von Reformwilligen einer Lokalkirche das Recht nimmt, selbst zu bestimmen, wie die Kirche geht und was sie zu lehren hat, das ist ein eklatanter Verstoß gegen die Einheit. Dagegen musste der Papst einschreiten!"

"Der Versuch des Synodalen Weges, Bischöfe unter Kuratel zu stellen und eine Art 'Obersten Sowjet' (so bezeichnete es Kardinal Kasper) einzurichten, musste den entschiedenen Widerspruch des Heiligen Stuhles auslösen", so Meuser mit Blick auf die anvisierte Einführung eines Synodalrats.

Drittens habe sich die Vermessenheit des "Synodalen Wegs" gezeigt, "mit einseitiger Theologenexpertise und Mehrheitsbeschlüssen die Lehren und sittliche Verpflichtungen einer Weltkirche" neu definieren zu wollen, "als hätte man die Weisheit mit Löffeln gefressen".

Reaktion der Publizistin Birgit Kelle

Die Publizistin Birgit Kelle zeigte sich ähnlich euphorisch wie Meuser. Rom habe den "Synodalen Weg" "faktisch beendet. Und um es mal so zu sagen: Das ist auch gut so."

"Nichts hatte dieser Weg noch mit der ursprünglichen Forderung nach Aufarbeitung der Missbrauchskrise zu tun, stattdessen ging es erkennbar und offen darum, in diese Krise hinein an einer Entmachtung der Bischöfe zu arbeiten und alte Forderungen" durchzusetzen, so Kelle auf Facebook. "Und sei es durch die neuerdings grassierende Selbstverpflichtung mancher Bischöfe, auf katholische Ansichten zu verzichten bei jenen, die im Namen der Kirche handeln und für sie arbeiten."

Gegenteilige Sicht des Priesters Wolfgang Rothe

Der umstrittene Münchner Priester Wolfgang Rothe, der zuletzt durch seine Teilnahme an der Christopher Street Day genannten LGBT-Kundgebung in der bayerischen Hauptstadt Aufsehen erregte, sieht durch die Erklärung des Heiligen Stuhls den Kurs des "Synodalen Wegs" bestätigt.

Rothe kommentierte auf Facebook: "In der heute veröffentlichten Erklärung des Heiligen Stuhls heißt es wörtlich, der Synodale Weg dürfe 'die Bischöfe und Gläubigen' nicht 'zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtung der Lehre und Moral VERPFLICHTEN'."

Seiner Ansicht nach bedeute dies "im Umkehrschluss, dass neue Formen der Leitung und eine neue ausgerichtete Lehre und Moral überall dort legitim sind, wo sie FREIWILLIG angenommen wird. Damit hat der Heilige Stuhl die Möglichkeit eröffnet, auf teilkirchlicher Ebene Erfahrungen zu sammeln, die dann in den gesamtkirchlichen synodalen Prozess einfließen können."

Weder der "Synodale Weg" selbst noch die beiden Organisatoren – die deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) – haben sich bislang zur Erklärung des Heiligen Stuhls geäußert.

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