Todesurteil aufgehoben: Asia Bibi kommt frei

Ashiq Mesih und Eisham Ashiq, Asia Bibis Ehemann und Tochter, im Gespräch mit CNA in Rom am 15. April 15, 2015.
Foto: Petrik Bohumil / CNA Deutsch
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Der Oberste Gerichtshof Pakistans hat das Todesurteil gegen Asia Bibi aufgehoben. Das gab Oberrichter Saqib Nisarm am heutigen Mittwoch bei der Verlesung des Urteils bekannt. 

Die Katholikin war im Jahr 2010 der "Blasphemie" für schuldig befunden worden, auf die in der islamischen Nation die Todesstrafe steht.

Nun stehe Bibi frei, das Gefängnis in Sheikhupura zu verlassen, indem sie bis heute inhaftiert gewesen sei, so der der Richter bei der Verküdnung des Urteils.

Die "AFP"-Nachrichtenagentur zitierte Bibis telefonische Reaktion auf das Urteil:

"Ich kann nicht glauben, was ich höre, werde ich jetzt freikommen? Werden sie mich wirklich rauslassen?"

Dem richtungsweisenden Urteil folgten sofort Proteste islamischer Hardliner. Sie fordern ein "starkes" Blasphemiegesetz im Land. Die Behörden sorgten durch eine starke Polizeipräsenz für Schutz vor gewaltsamen Eskalation durch radikalisierte Muslime.

Asia Bibis 18 Jahre alte Tochter, Eisham Ashiq, sagte gegenüber dem Hilfswerk "Kirche in Not":

"Ich bin so glücklich. Ich möchte Gott danken. Das ist der schönste Moment. Ich kann es kaum erwarten, meine Mutter zu umarmen und dann mit meiner Familie zu feiern. Ich bin Gott dankbar, dass er unsere Gebete gehört hat."

Ähnlich äußerte sich Asia Bibis Ehemann, Ashiq Masih.

"Wir sind sehr glücklich. Das sind wunderbare Nachrichten. Wir danken Gott sehr, dass er unsere Gebete gehört hat - und die Gebete so vieler Menschen, die sich in all den Jahren des Leidens und der Qual nach der Freilassung von Asia Bibi gesehnt haben."

Im Jahr 2009 wurde Bibi beschuldigt, nach einem Streit aus einem Becher Wasser herabwürdigende Bemerkungen über den islamischen Propheten Mohammed gemacht zu haben. Bibi sammelte Beeren mit anderen Landarbeitern, als sie gebeten wurde, Wasser aus einem Brunnen zu holen.

Eine andere Person sah ihr Trinkwasser aus einem Becher, der zuvor von Muslimen benutzt worden war, und informierte Bibi, dass es für einen Christen nicht angemessen sei, diesen Becher zu benutzen, da sie unrein sei. Ein Streit folgte, und Bibi wurde fünf Tage später einer muslimischen Geistlichen wegen ihrer angeblichen Blasphemie gemeldet. Bibi und ihre Familie waren die einzigen Christen in der Gegend und standen unter Druck, sich zum Islam zu bekehren.

Sie wurde 2010 der "Blasphemie" schuldig befunden und durch Erhängen zum Tode verurteilt. Sie legte sofort Berufung ein. Der High Court von Lahore bestätigte 2014 as Urteil. Der Oberste Gerichtshof stimmte zu, ihre Berufung im Jahr 2015 zu prüfen.

Seit ihrer Verhaftung hat Bibi internationale Unterstützung von zahlreichen Weltführern erhalten, die ihre sofortige Freilassung forderten, darunter die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus.

Im Februar 2018 traf sich Franziskus mit ihrer Tochter – CNA Deutsch berichtete – und betete mit ihr und weiteren Familienmitgliedern.

In Pakistan fordern islamische Hardliner seit ihrer ersten Verurteilung ihre Hinrichtung.

Auch Pakistans neuer Premierminister Imran Khan – ein ehemaliger weltlicher Cricket-Star – sagte, dass er die harten Blasphemiegesetze des Landes unterstütze.

Pakistans Blasphemie-Gesetze verhängen strenge Strafen gegen Personen, die den Koran "entweihen" oder Mohammed diffamieren oder beleidigen. Pakistans Staatsreligion ist der Islam, und rund 97 Prozent der Bevölkerung sind Muslime.

Obwohl die Regierung nie eine Person offiziell nach dem Blasphemiegesetz hingerichtet hat, haben Anschuldigungen allein zu islamisch motivierter Gewalt und Fällen von Selbstjustiz geführt – bis hin zu Lynchmorden.

Blasphemiegesetze werden einerseits missbraucht, um private Rechnungen zu begleichen.

Doch sie sind auch eine von vielen Mitteln, mit denen die muslimische Mehrheit religiöse Minderheiten systematisch diskriminiert, unterdrückt und immer wieder verfolgt werden; während Nicht-Muslime nur drei Prozent der pakistanischen Bevölkerung ausmachen, wurden 14 Prozent der Blasphemie–Anklagen gegen diese erhoben.

Viele Menschen, die der Blasphemie beschuldigten werden, werden ermordet. Selbst Befürworter einer Gesetzesänderung werden von radikalen Muslimen bedroht und attackiert.

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