„Ungehörige Indiskretion“: Kardinal Schönborn über neues Buch von Erzbischof Gänswein

Kardinal Christoph Schönborn OP
Foto: CNA / Bohumil Petrik

Kardinal Christoph Schönborn hat das neue Buch von Erzbischof Georg Gänswein, in dem er sich mit seiner Zeit als Privatsekretär von Papst Benedikt XVI. befasst, als „ungehörige Indiskretion“ bezeichnet, wie Kathpress am Mittwoch berichtete.

„Ich finde es nicht richtig, dass so vertrauliche Dinge veröffentlicht werden, zumal vom persönlichen Sekretär“, hielt Schönborn fest. Gleichzeitig bestätigte der Erzbischof von Wien eine Anekdote, die Gänswein in seinem vor wenigen Tagen erschienenen Buch „Nient’altro che la verità“ (Nichts als die Wahrheit) beschrieben hatte.

Papst Benedikt hatte kurz nach seiner Wahl bei einer Audienz für Pilger aus Deutschland erklärt, ihn habe beim Konklave „ein kleiner Brief sehr berührt, den mir ein Mitbruder aus dem Kardinalskollegium geschrieben hat. Er erinnerte mich daran, daß ich die Predigt beim Gottesdienst für Johannes Paul II. vom Evangelium her unter das Wort gestellt hatte, das der Herr am See von Genezareth zu Petrus gesagt hat: Folge mir nach! Ich hatte dargestellt, wie Karol Wojtyła immer wieder vom Herrn diesen Anruf erhielt und immer neu viel aufgeben und einfach sagen mußte: Ja, ich folge dir, auch wenn du mich führst, wohin ich nicht wollte.“

„Der Mitbruder schrieb mir: Wenn der Herr nun zu Dir sagen sollte ‚Folge mir‘, dann erinnere Dich, was Du gepredigt hast. Verweigere Dich nicht! Sei gehorsam, wie Du es vom großen heimgegangenen Papst gesagt hast. Das fiel mir ins Herz. Bequem sind die Wege des Herrn nicht, aber wir sind ja auch nicht für die Bequemlichkeit, sondern für das Große, für das Gute geschaffen.“

Gänswein hatte in seinem Buch den Namen des Kardinals erwähnt, nämlich Schönborn. Dieser bestätigte: „Ja, das war so. Ich habe aber bisher bewusst darüber geschwiegen, obwohl es im Rahmen der Kardinalsversammlung geschehen ist, und nicht beim Konklave selbst.“

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