Traditionis Custodes: Katholiken wenden sich mit Petition an Bischof von Arlington

"Es geht auch um meine Kinder": Warum ein Konvertit vom Judentum mit seiner einst protestantischen Frau für die "alte" Messe kämpft

Eine Feier der heiligen Messe in der überlieferten Form.
Foto: Josh Applegate / Unsplash (CC0)

Anhänger der traditionellen lateinischen Messe bitten Bischof Michael Burbidge von Arlington, Virginia, um Aufhebung der Beschränkungen, die er kürzlich gegen die heilige Messe in der überlieferten Form verfügt hat.

Die seit Jahrhunderten gefeierte traditionelle lateinische Messe (TLM) ist auch als "tridentinische" und "gregorianische" bekannt, als Feier im Usus Antiquior, als Messe in der außerordentlichen oder überlieferten Form sowie als "Messe aller Zeiten" und "Alte Messe" (Vetus Ordo), im Gegensatz zur in den 1970er Jahren eingeführten "Neuen Messe" (Novus Ordo).

Hunderttausende Katholiken in aller Welt besuchen regelmäßig die TLM. Sie sind zwar nur eine kleine Minderheit, aber im Schnitt weitaus jünger und zeichnen sich durch kinderreiche, fromme Familien und dementsprechend auch einer großen Zahl an Berufungen aus. 

Über 1.500 Unterschriften binnen weniger Stunden

"Im Geiste des synodalen Kurses, den die Kirche eingeschlagen hat, bitten wir Sie in aller Demut, Konsultationen mit den Gläubigen jeder Pfarrkirche aufzunehmen, die potenziell von Einschränkungen der traditionellen lateinischen Messe betroffen sind", heißt es in der Petition, die am 14. Januar auf der Petitions-Website Change.org veröffentlicht wurde.

"Und wir beten inständig, dass Sie die Erlaubnis erteilen, die Außerordentliche Form und andere traditionelle Sakramente in der gesamten Diözese Arlington weiterhin zuzulassen."

Die Petition hatte binnen weniger Stunden mehr als 1.500 Unterschriften gesammelt.

Das Bistum Arlington ist eine der beiden katholischen Diözesen im Bundesstaat Virginia. Ihr Gebiet umfasst den nördlichen Teil des Staates. Einundzwanzig der 70 Pfarreien des Bistums bieten die lateinische Messe an, einer der höchsten Prozentsätze unter den Diözesen der USA.

Anfang Januar gab Burbidge eine Erklärung über die Feier der Messe in der außerordentlichen Form in der Diözese ab. Burbidge schränkte zwar keine der bestehenden lateinischen Messen im Bistum ein, verbot jedoch alle "neuen Feiern der Sakramente (wie Taufen und Hochzeiten) in der außerordentlichen Form".

Nur "diejenigen, die bereits geplant sind, dürfen wie geplant weitergeführt werden", verfügte Burbidge.

Neben pastoralen, theologischenrechtlichen, historischen Bedenken verstehen nicht nur Anhänger der TLM nicht, warum ausgerechnet liturgische Feiern verboten werden sollen, deren Unterstützer sagen, dass ihre Schönheit und Strahlkraft viele junge Familien anzieht, Berufungen zum Priestertum vorweist – und eine stetig wachsende Zahl von Konvertiten mit sich bringt.  

Kritiker wie Kardinal Müller warnen auch davor, die weitaus brisanteren Probleme der Kirche anzugehen, statt die kleine Minderheit frommer Katholiken, die der TLM anhängt.

Verbote kamen aus dem Vatikan

Burbidge erließ seine Verbote, nachdem der zuständige Liturgie-Chef des Vatikans, der britische Erzbischof Arthur Roche, die "responsa ad dubia" veröffentlichte.

Darin verbietet der Vatikan, gemäß Traditionis custodes, dass in den Bistümern der Weltkirche die Sakramente nicht mehr unter Verwendung der liturgischen Bücher Rituale Romanum und Pontificale Romanum gefeiert werden dürfen.

Mit dem Motu proprio, das am 16. Juli 2021 herausgegeben wurde, verfügte Papst Franziskus mit sofortiger Wirkung weitreichende Maßnahmen.

Papst Franziskus sieht dies kritisch. In einem Begleitbrief an die Bischöfe, in dem er seine Entscheidung darlegt, behauptet der Pontifex, er müsse gegen die TLM vorgehen: "Zur Verteidigung der Einheit des Leibes Christi sehe ich mich gezwungen, die von meinen Vorgängern gewährte Erlaubnis zu widerrufen. Der verzerrte Gebrauch, der von dieser Erlaubnis gemacht worden ist, steht im Widerspruch zu den Absichten, die zur Gewährung der Freiheit geführt haben, die Messe mit dem Missale Romanum von 1962 zu feiern."

Demut und Bekenntnis zum Glauben

In der Petition amerikanischer Gläubiger heißt es mit betonter Demut und Freundlichkeit, die Charakterisierungen des Papstes träfen auf die Realitäten und Menschen in der Diözese Arlington "in keiner Weise" zu.

"Die Teilnehmer an der traditionellen lateinischen Messe in dieser Diözese sind von tiefer Ehrfurcht und Liebe zur Kirche und dem brennenden Wunsch geprägt, unseren katholischen Glauben so vollständig wie möglich zu leben, und nicht von einem Gefühl der Uneinigkeit und Spaltung", heißt es weiter in Antwort auf die Vorwürfe des Papstes.

Die Petition fügt hinzu, dass die Laien über die neuen Beschränkungen "am Boden zerstört" seien und dass es ein "tiefes Gefühl des Verlustes und der Trauer angesichts der Aussicht gebe, die Möglichkeit zu verlieren, die Messe und andere Sakramente im Alten Ritus zu feiern".

"In einer Zeit, in der es so viel Dunkelheit und Verzweiflung in der Welt und in unserem Land gibt, empfinden wir die außerordentliche Form der Messe als einen Leuchtturm des Lichts und der Hoffnung – einen Leuchtturm, der unsere Herzen berührt und unseren katholischen Glauben nährt", heißt es in der Petition.

Nicht nur "Traddies" schätzen die TLM

Dass nicht nur vermeintliche "Traddies", als katholische Traditionalisten, den liturgischen Reichtum und katholische Vielfalt schätzen, der durch die "alte Messe" zum Schatz der Katholischen Kirche gehört: Das zeigen Kommentare zu der Initiative. So schreibt die Katholikin Rosanne Garvey aus Manassas (Virgina):  

"Ich denke, das TLM ist wunderschön und enthält unsere reiche Tradition. Obwohl ich normalerweise an der volkssprachlichen Novus-Ordo-Messe teilnehme, denke ich, dass es ein Geschenk für uns und unsere Kinder ist, die TLM als Option in unserer Gemeinde zu haben. Ich bin in den 70er Jahren aufgewachsen und habe nie eine TLM gesehen, bis ich erwachsen war. Berauben Sie nicht eine weitere Generation des Kontakts mit diesem Ritus, indem Sie ihn aus den Pfarreien entfernen und es den Priestern schwer machen, ihn zu beten, und den Laien, ihn zu besuchen."

Die Petition wurde von Noah Peters initiiert, einem Gemeindemitglied der Pfarrei St. John the Beloved in McLean, Virginia. Peters konvertierte 2020 vom Judentum zum Katholizismus, und seine Frau ist eine ehemalige Protestantin.

Wie manch anderer Konvertit entdeckte er die Schönheit der TLM aus Begeisterung zum Katholizismus – und versteht die Vorwürfe und das Vorgehen des Papstes gegen die Messe nicht, die ihn vielmehr zum Glauben brachte: Nachdem er gesehen hatte, wie "YouTube-Traditionalisten" über die lateinische Messe diskutierten, besuchte Peters, ein 36-jähriger Anwalt aus Fairfax, eine Gemeinde in der Diözese Arlington, um sich selbst ein Bild zu machen.

Was er dort erlebte, machte ihn katholisch: Seine erste Erfahrung mit der traditionellen lateinischen Messe im Jahr 2019 habe ihn "umgehauen", so Peters, und beseitigte "alle Zweifel, ob er konvertieren sollte".

Während er zuvor an "neuen Messen", also der Feier im Novus Ordo, teilgenommen hatte und diese natürlich "gut fand, wenn vielleicht auch bisweilen ein bisschen 'runtergespult", dachte er, "dass die TLM etwas Besonderes ist."

Als Traditionis Custodes im vergangenen Juli von Papst Franziskus verfügt wurde, befanden sich Peters und seine Frau gerade in der katholischen Ehevorbereitung. Er sagte gegenüber CNA, er sei von dem Motu Proprio einfach "schockiert" gewesen. Das Ehepaar Peters wurde im Oktober 2021 in der Außerordentlichen Form getraut, die nun verboten werden soll.

"[Meine Frau und ich] waren völlig verwirrt, warum der Vatikan sich zu einer Zeit darauf konzentriert, in der die katholische Kirche unter einem solchen Rückgang der Messbesucher und des Glaubens leidet", sagte er.

Dieses Gefühl wurde später zu einem Gefühl der Ohnmacht, sagt der Anwalt.

"Diese Petition ist aus dem Versuch entstanden, dieses schreckliche Gefühl zu überwinden", erklärt Peters. Er hofft, mit der Petition all den Menschen eine Stimme zu geben, die die traditionelle Messe in Arlington lieben".

Peters plant, seinem Bischof persönlich einen Ausdruck der unterzeichneten Petition zu überreichen.

"Ich habe Mitleid mit ihm, weil er in eine unmögliche Lage gebracht wird", betont er. Schließlich habe Burbidge, wie schon seine Vorgänger in der Diözese, ja dazu beigetragen, dass das Bistum ein Zentrum für die traditionelle Messe geworden ist.

"Jetzt steht er unter dem Druck, plötzlich den Rückwärtsgang einzulegen", sagte Peters. "Deshalb hat er um unser Gebet gebeten." Die Petition, so Peters, spiegelt diese Gebete der Katholiken in der Diözese wider.

Aber für Peters ist ein weiterer Grund, in die Zukunft zu blicken. Nämlich auf seine eigenen zukünftigen Generationen. 

"Letztendlich wollen wir, dass andere – vor allem unsere Kinder – den tiefen katholischen Glauben erfahren, den wir durch die TLM erfahren haben", sagte er. 

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.