"Wichtig für die Gesellschaft von heute": Kardinal Marx predigt an KZ-Gedenkstätte Dachau

Baracken in Dachau: In einem eigenen "Priesterblock" wurden Geistliche eingesperrt. Vor allem polnische Priester wurden von den Nazis schikaniert, misshandelt, gefoltert, ermordet.
Foto: US Holocaust Museum via Wikimedia

Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, hat bei einem Gottesdienst auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau am Sonntag betont: "Ein solcher Ort und das Zeugnis der Märtyrer von Dachau sind wichtig für die Gesellschaft von heute, für unser Miteinander."

Dachau dürfe nicht zu einem bloß musealen Erinnerungsort werden, so der Kardinal, sondern müsse eine Ort sein, "wo begriffen wird, verstanden wird, wo wir in die Wahrheit geführt werden".

Im Priesterblock von Dachau waren während des Nazi-Regimes über 2.700 Geistliche inhaftiert. Mehr als 1.000 sind dort umgekommen.

Seit 1941 befand sich im KZ eine Kapelle, wo die Geistlichen unter Aufsicht der SS die Messe feiern konnten. Der Diakon Karl Leisner wurde dort am 17. Dezember 1944 von einem ebenfalls inhaftierten Bischof zum Priester geweiht.

Dachau sei wichtig, "um etwas über unsere Welt zu lernen und etwas über unseren Glauben zu lernen", sagte Marx. "Das ist Dachau: ein Ort, sich neu zu vergewissern über den Weg, den wir gehen, als Menschen und als gläubige Christen."

Nach dem Zweiten Weltkrieg müsse man "anders" über Gott spreche, so der Kardinal. Angesprochen werden müsse „nicht der allmächtige Gott – sondern der leidende Gott, der lebendige Gott, der Gott, der unser Bruder geworden ist, der Gott, der uns nicht allein lässt, der im Leben und Sterben mit uns geht, leidenschaftlich, liebend, nahe, ein Gott, der trotz allem und in allem auch in der Nacht der Hölle bei uns ist".

"Gott geht mit seiner ganzen Existenz in die Welt ein, und er wird diese ganze Welt mit ihren Leiden, mit ihren Wunden heilen, zu Ende führen, in sich aufnehmen", sagte Marx.

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