In der "Die Tagespost" hat Helmut Hoping den breit diskutierten Ansatz seines Freiburger Kollegen Magnus Striet erwidert und einige analytische Einschätzungen des Fundamentaltheologen erwogen. Es gebe, so stellt auch Hoping fest, "tiefgreifende Spaltungen (schismata) in der Kirche", und diese werden – so lässt sich sagen – von Bischöfen aus Europa sowie aus aller Welt oft deutlicher wahrgenommen als von etlichen Diözesanbischöfen in Deutschland. Spaltungen gibt es in den Bistümern, ja in den Pfarreien, in denen kirchenpolitische Diskussionen stattfinden oder von einer Minderheit geführt oder inszeniert werden. Das alles ist nicht neu. Ich erinnere mich, dass vor mehr als zwanzig Jahren der Diözesanbischof bei der Visitation einer Pfarrei von einer Vertreterin des Pfarrgemeinderats gefragt wurde, welche Möglichkeiten er für das Priestertum der Frau sehe und ob Deutschland hier nicht vorangehen könne. Nach der Sitzung berichteten etliche Mitglieder, die auch respektvoll geschwiegen hatten, dass sie diese Diskussionen und Beiträge nicht mehr hören mögen, weder in Sitzungen mit einem Bischof noch in Sitzungen ohne Bischof. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Warum – so fragen sich auch heute immer noch Katholiken vor Ort – wird in der Kirche eigentlich über alles Mögliche gesprochen, aber nicht über Gott? Warum werden kaum Ideen zur Neuevangelisierung gesucht, jedoch immer wieder müßige Fragen aufgeworfen? Warum maßen sich deutsche Katholiken an, ob Bischöfe, Kleriker, Funktionäre oder Weltchristen, Stimmen aus der Kirche in aller Welt zu ignorieren oder, schlimmer noch, hochmütig abzuweisen?

Hoping berichtet weiter: "Ein deutscher Bischof hat einmal sinngemäß erklärt: Diejenigen, die den Weg der Reformen, wie sie in der katholischen Kirche gefordert werden, nicht mitgehen können oder wollen, auf die können wir keine Rücksicht nehmen, sie müssen zurückbleiben. Für sie bleibt, würde Striet sagen, am Ende nur die Option der Sekte." 

Ins Sektierertum begeben sich aber faktisch die Protagonisten und Apologeten des "Synodalen Wegs". So kennzeichnet Hoping ganz richtig die gegenwärtigen Kommentare und Debatten, die auf dem Synodalen Weg geführt werden, ob in den Versammlungen oder in den Medien: "Wer sich gegenüber der Illusionsblase des Synodalen Weges noch ein wenig Gespür für Realismus bewahrt hat, der wird erkennen, dass der Synodale Weg Spaltungen nicht nur offenlegt, sondern weiter vertiefen wird – in der katholischen Kirche in Deutschland wie in ihrem Verhältnis zu den anderen Orts- und Teilkirchen der Catholica. Und da ist es nicht hilfreich, wenn Bischöfe als intellektuell nicht auf der Höhe der Zeit abgekanzelt werden, ob nun von Mitbrüdern oder von Theologen. Ein kultureller Überheblichkeitsgestus ist hier ganz fehl am Platz. Spätestens bei der Weltbischofssynode 2023 wird sich zeigen, dass sich die aus allen Kontinenten der Erde kommenden Oberhirten nicht von Vertretern des deutschen Episkopats vorgeben lassen werden, was es heißt, authentisch katholische Kirche zu sein." Überheblichkeit und Stolz sind eng miteinander verwandt. Ist Überheblichkeit ein Laster? Stolz ist in jedem Fall eine "Hauptsünde".

Im verbindlich gültigen Katechismus der römisch-katholischen Kirche wird dieser in jeder Weise der schon menschlich unangenehme und ungemäße "Stolz" zu den Hauptsünden gezählt. In Abschnitt 1866 lesen wir: "Die Laster lassen sich nach den Tugenden ordnen, deren Gegensatz sie sind, oder auch mit den Hauptsünden in Verbindung bringen, welche die christliche Erfahrung in Anlehnung an den hl. Johannes Cassian und den hl. Gregor d. Gr [Vgl. mor. 31,45] unterschieden hat. Als Hauptsünden werden sie deshalb bezeichnet, weil sie weitere Sünden, weitere Laster erzeugen. Hauptsünden sind: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit oder Überdruß [acedia]." 

Zudem, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, sind viele Katholiken, auch und gerade in Deutschland, der pedantischen, mitunter blasierten und dezidiert kirchenkritischen Schulmeisterei mitten im Raum der Kirche auch schlicht weltlich so müde – geht das Ihnen vielleicht auch so? Dann haben wir etwas gemeinsam. 

Hinweis: Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln die Ansichten der jeweiligen Gast-Autoren wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.  

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