Synodaler Sonderweg – oder nicht?

Ein Gastkommentar von Thorsten Paprotny

Papst Franziskus mit den deutschen Bischöfen, 17. November 2022
Foto: Vatican Media
21 November, 2022 / 9:00 AM

Dass manche Bischöfe und Beteiligte auf dem deutschen Synodalen Weg erwägen, „anders katholisch“ sein zu wollen, ist bereits aufgegriffen worden. Das ist auch nicht überraschend, denn die Beschlüsse, Texte und Diskurse des Synodalen Wegs stehen vielfach der verbindlich gültigen Lehre der Kirche aller Zeiten und Orte diametral entgegen.

Im offiziellen Pressestatement erklärte Bischof Dr. Georg Bätzing zudem: „Die Kirche in Deutschland geht keinen Sonderweg und sie wird auch keine Entscheidungen treffen, die nur im universalkirchlichen Kontext möglich wären. Aber die Kirche in Deutschland will und muss Antworten geben auf jene Fragen, die die Gläubigen stellen.“ Immer wieder hören Gläubige dieses beschwichtigende episkopale Bekenntnis. Es werde kein „Sonderweg“ gegangen – höchstens ein Weg, um anders katholisch zu sein?

Ganz einfach lässt sich darauf auch erwidern: Spaltungen sind möglich, ebenso Häresie und Apostasie. Wer sich vom Weg der Kirche Gottes lösen möchte und eine nationale Sackgasse wählt, der entfremdet sich konsequent vom Glauben der römisch-katholischen Kirche, ob gewollt oder nicht. Der Weg der Bekehrung bleibt offen, aber nicht die hochgemuten Bekenntnisse sind entscheidend, sondern die Treue zum Evangelium Jesu Christi, zum Credo, zum Papst und zur Kirche aller Zeiten und Orte. Die Abwendung bleibt Abwendung, ganz gleich, wie diese tituliert wird. Man kann es auch anders ausdrücken: Ich kann die Abwendung von Gott als „kleinen Fehler“ bezeichnen, aber Sünde bleibt Sünde.

Bischof Bätzing erklärte weiter: „Aber die Kirche in Deutschland will und muss Antworten geben auf jene Fragen, die die Gläubigen stellen.“ Ich behaupte im Gegenteil, dass die Mehrheit der Synodalisten – ob Kleriker, Funktionäre oder Laien – an den Fragen der Mehrheit der Gläubigen und an den Fragen derer, die Gott suchen, überhaupt nicht interessiert sind. Wir erleben in der medialen Berichterstattung und in den Reden des Synodalpräsidiums kirchenpolitische Parteitage. Die Agenda des deutschen Synodalen Weges enthält eine Programmatik, die für eine säkulare Erneuerung oder zeitgeistliche Neuerfindung der Kirche plädiert – ohne Berücksichtigung des Evangeliums Jesu Christi. Gläubige sind bewegt von der Frage nach Gott, Zweifelnde ringen mit Gott und Suchende strecken sich aus nach dem Brot des Lebens, nicht aber nach den schwerblütigen oder kunterbunten Phrasen einer deutschkatholischen Fortschrittspartei.

Wenn die „Kirche in Deutschland“ – wer immer das nach Bischof Bätzings Wort auch sein mag – „Antworten“ gibt „auf jene Fragen, die die Gläubigen stellen“, dann sollten sich die Bischöfe am Brief von Papst Franziskus orientieren und über Neuevangelisierung sprechen. Die Gläubigen möchten, dass in der Kirche nicht von allem Möglichen, sondern von Gott die Rede ist. Was der Heilige Vater 2019 wünschte und eindringlich forderte, bleibt weiterhin nötig. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp meldet sich offensiv wie selbstgewiss zu Wort und wirft der Kurie vor, „die Ungeduld vieler Katholik*innen mit ihrer Kirche“ zu missachten. Das Gegenteil ist der Fall.

Der Papst, die Kardinäle in Rom, einfach gläubige Katholiken und Suchende wissen wie der heilige Augustinus: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.“ Wir brauchen weiterhin also keine deutschsynodalen Sonderwege – nicht im Leben und nicht im Sterben –, sondern einfach nur den Weg der Kirche.

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