Redaktion - Freitag, 16. Januar 2026, 11:00 Uhr.
Der Familienbund der Katholiken hat vor einer möglichen Grundsicherungsreform gewarnt, wie sie am Donnerstag im Bundestag erstmals debattiert wurde. Konkret ging es der katholischen Interessenvertretung um die Regelung, „die Eltern im Grundsicherungsbezug bereits ab dem ersten Geburtstag ihres Kindes zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zwingt, sobald ein Kitaplatz zur Verfügung steht“.
Die neue Grundsicherung soll das bisherige Bürgergeld ablösen. Unterstützt wird die Reform von CDU/CSU sowie von der SPD – zumindest in Teilen –, die gemeinsam die Bundesregierung bilden.
Ulrich Hoffmann, der Präsident des Familienbundes, erklärte mit Blick auf die von seiner Organisation kritisierte Regelung, sie setze Familien „in einer besonders sensiblen Phase unter erheblichen zusätzlichen Druck“. Außerdem stehe sie „im Widerspruch zur Elternzeitregelung, die Eltern in den ersten drei Lebensjahren des Kindes einen Schonraum und Wahlfreiheit hinsichtlich ihres Familienmodells garantiert“.
„Nach dem Grundgesetz obliegt es den Eltern zu entscheiden, welche Kinderbetreuung dem Kindeswohl am besten dient“, unterstrich Hoffmann. „Statt faktischem Zwang und fragwürdigen Erwerbsanreizen brauchen Familien wirksame Unterstützung beim beruflichen Wiedereinstieg und verlässliche Rahmenbedingungen, die es Müttern und Vätern ermöglichen, selbst zu entscheiden, wann ihr Kind für die Kita bereit ist und wie sie Betreuung und Beruf verantwortlich miteinander verbinden.“
Es müsse durchaus „flächendeckend verlässliche frühkindliche Betreuungsmöglichkeiten in guter Qualität“ geben, stellte er dennoch klar. „Für Familien im unteren Einkommensbereich sollten diese beitragsfrei sein. Zudem müssen die Sozialleistungen besser aufeinander abgestimmt sein, damit sich die Erhöhung der Erwerbstätigkeit für Familien in jedem Fall finanziell lohnt.“
Erhalten Sie Top-Nachrichten von CNA Deutsch direkt via WhatsApp und Telegram.
Schluss mit der Suche nach katholischen Nachrichten – Hier kommen sie zu Ihnen.
Der Familienbund betonte am Donnerstag, „dass Familien durch Sorgeverantwortung gebunden sind und damit bereits eine gesellschaftlich wichtige Arbeit leisten. An Familien sollten daher andere Maßstäbe angelegt werden als an Alleinstehende, was Zumutbarkeitskriterien, Erwerbsaufnahme, Erwerbsumfang sowie vollständige Leistungskürzungen oder den Wegfall von Wohnkosten betrifft.“
Es brauche also „verhältnismäßige Sanktionen, die vor allem Missbrauch und gravierende Versäumnisse adressieren. Bei Familien darf es keine Sanktionen auf Wohnkosten geben.“
Kritik an der geplanten Grundsicherungsreform – aber nicht unbedingt am der vom Familienbund der Katholiken hervorgehobenen Stelle – kam am Donnerstag nicht nur aus den Oppositionsfraktionen im Bundestag, die teils mehrere Anträge in die Debatte einbrachte.
Die Tagesschau berichtete: „Wohlfahrts- und Sozialverbände sowie Gewerkschaften forderten Nachbesserungen. Die Verschärfungen brächten kaum Einsparungen, könnten Betroffene im schlimmsten Fall aber ihr Zuhause kosten, so das Bündnis bei einer Protestkundgebung in Berlin.





