Bischof Bode: Priesterweihe für Frauen "kaum möglich"

Bischof Franz-Josef Bode
Bistum Osnabrück

Bischof Franz-Josef Bode hat gesagt, er sehe "kaum Möglichkeiten", dass "in absehbarer Zeit" die Priesterweihe für Frauen eingeführt wird. Im Interview mit dem Kölner "Domradio" plädiert der Osnabrücker Bischof, der innerhalb der deutschen Bischofskonferenz die Frauenkommission leitet, gleichzeitig für die Einführung eines "Frauendiakonats".

Zum Abschluss der Amazonas-Synode im Oktober 2019 hatte Papst Franziskus bekanntgegeben, dass eine Theologische Kommission erneut Aspekte dieser Frage prüfen werde.

Mehrere Untersuchungen haben zuvor gezeigt, dass in der Frühkirche zwar Frauen diakonale Dienste leisteten, aber es selbst nach Meinung der Befürworter eines "Frauendiakonats" keinen Befund einer Weihe gibt.

Bode hatte nun an einem digitalen Diskussionsabend des "Bundes der deutschen katholischen Jugend" (BDKJ) teilgenommen, an dem erneut über die Rolle der Frau in der Kirche diskutiert werden sollte. Der Bischof berichtete am Dienstag dem "Domradio", dass 150 Leute teilnahmen, die sich in 30 Kleingruppen aufteilten. Man sei bemüht gewesen, "auch sachlich an die Fragen heranzugehen". Eine "Zuspitzung allein auf die Weihe-Frage" habe man vermeiden wollen. Gestellt wurde sie trotzdem.

Laut Bode habe ihm gerade die Coronavirus-Krise deutlich gemacht, "was Frauen auch alles einsetzen und leisten und dass das mehr gewürdigt wird: Vielleicht sogar bis in die Sakramente hinein". Er "hoffe" deshalb, dass weiterhin über das Verkündigungsamt von Frauen oder Leitungspositionen "vielleicht auch die Frage nach dem Diakonat der Frauen weitergeführt wird", so der Bischof. Dort sehe er "eigentlich ganz gute Chancen", wenngleich die Forderung nach Frauenordination nach Ansicht des Onsabrücker Bischofs wenig Aussicht auf Erfolg hat:

"Wenn einer natürlich von vornherein erwartet, dass das in absehbarer Zeit zur Priesterweihe der Frauen führt, dann meine ich, wird das kaum möglich sein."

Der heilige Papst Johannes Paul II. hat – wie zahlreiche andere – festgestellt, dass Frauen nicht zu Priestern geweiht werden können. Auch Papst Franziskus hat das endgültige "Nein" immer wieder bestätigt, unter anderem auch in seinem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia". Dort betonte der Pontifex die besondere Rolle der Frau, die eben außerhalb des Priestertums liege (CNA Deutsch hat berichtet).

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Bischof Bode sagte am 16. Juni gegenüber dem "Domradio", dass seiner Ansicht nach "viele" Jugendlichen die theologische Argumentation und die Endgültigkeit der Entscheidung nicht "annehmen" wollten. Deshalb – so Bode weiter – müsse "man" die "Diskussion" weiterhin führen. "Ob die Kirche jetzt schon reif ist für eine solche Frage der Weihe", so der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz wörtlich weiter, "ist eine ganz andere Frage."

Bode räumte ein, dass selbst in der Veranstaltung des BDKJ nicht alle Jugendliche die Forderung vertraten, dass die Kirche sich von ihrer 2000-jährigen Lehre in diesem Punkt verabschieden kann – oder sollte:

"Es waren auch eine Reihe von jungen Leuten da, die ganz strikt anderer Meinung sind und der Meinung sind, dass das von der Tradition und vom kirchlichen Glauben her völlig unmöglich ist, das irgendwie infrage zu stellen. Das hat die Diskussion durchaus auch geschärft. Aber das ist eben auch eine besondere Herausforderung, die sein muss", so Bode wörtlich.

Warum er als Bischof nicht die Lehre der Kirche erläuterte, statt diese in "Frage" zu stellen, erklärte Bode nicht. Papst Franziskus hat dazu angesichts des "Glaubensverfalls" in Deutschland die deutschen Bischöfe wiederholt – etwa im November 2015 – aufgefordert.

Papst Franziskus warnt in seinem Brief an alle deutschen Katholiken mit Blick auf den umstrittenen "Synodalen Prozess" vor der "Versuchung der Förderer des Gnostizismus", die "versucht haben, immer etwas Neues und Anderes zu sagen als das, was das Wort Gottes ihnen geschenkt hat".

Der Papst schreibt in dem im Juni 2019 veröffentlichten Brandbrief wörtlich: "gemeint ist damit derjenige, der voraus sein will, der Fortgeschrittene, der vorgibt über das 'kirchliche Wir' hinauszugehen, das jedoch vor den Exzessen bewahrt, die die Gemeinschaft bedrohen".

Franziskus legt mahnend den deutschen Katholiken eine Stelle aus dem Zweiten Johannesbrief (2 Joh 9) ans Herz: "Jeder, der darüber hinausgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat Gott nicht."

Der sogenannte "Synodale Weg" indessen soll auch wieder die Rolle von Frauen in Strukturen und Ämtern, vor allem mit Blick auf das Weiheamt diskutieren – und will darüber für die Katholische Kirche abstimmen.

Im November 2016 hatte Papst Franziskus noch einmal die Unmöglichkeit weiblicher Priester erläutert.

"Was die Weihe von Frauen in der Katholischen Kirche betrifft, ist das letzte Wort klar gefallen. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat es gesprochen, und so bleibt es", sagte Franziskus auf der Heimreise von seinem Besuch des Reformationsgedenkens, das gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund begangen wurde.

Der Anlass war aktuell: Franziskus hatte zusammen mit Vertretern der evangelischen Kirche gebetet und Gespräche geführt, darunter mit der ersten Erzbischöfin des Landes, Antje Jackelén. Die 1955 im deutschen Herdecke als Antje Zöllner geborene zweifache Mutter ist seit 2014 Oberhaupt der Schwedischen Kirche.

Im Flugzeug hatte eine schwedische Journalistin den Papst gefragt:  "Was meinen Sie: Ist es realistisch, in den kommenden Jahrzehnten auch an weibliche Priester in der Katholischen Kirche zu denken? Und wenn nicht, warum haben katholische Priester Angst vor Konkurrenz?"

Der Papst antwortete darauf:

"Als ich ein wenig die Geschichte der Gegend studierte, in der wir waren, sah ich, dass es eine Königin gab, die dreimal verwitwet wurde. Und ich sagte: Diese Frau ist aber stark, und sie sagten mir: Schwedische Frauen sind sehr stark, sehr gut. Und aus diesem Grund würden manche schwedische Männer Frauen anderer Nationalität suchen...Ich weiß nicht, ob das stimmt...Was die Weihe von Frauen in der Katholischen Kirche betrifft, ist das letzte Wort klar gefallen. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat es gesprochen, und so bleibt es. Was die Konkurrenz betrifft, das weiß ich nicht…."

Auf eine kurze Nachfrage sagte der Papst weiter:

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"Aber Frauen können so viele Dinge besser als Männer, selbst im Bereich der Dogmatik: Zu erklären, vielleicht Klarheit zu schaffen, nicht nur mit Verweis auf ein Dokument. In der Katholischen Ekklesiologie gibt es zwei Dimensionen zu bedenken. Die Petrinische Dimension, die vom Apostel Petrus kommt, sowie die Marianische Dimension, welche die weibliche Dimension der Kirche ist, und das habe ich schon mehrfach gesagt. Ich frage mich: Wer ist am wichtigsten in der Theologie und dem Mysterium der Kirche: Die Apostel oder Maria am Pfingsttag? Es ist Maria! ...es ist 'la Chiesa' und die Kirche ist die Braut Christi. Es ist ein Brautmysterium. Und im Licht dieses Mysteriums verstehst Du den Grund für diese beiden Dimensionen. Die Petrinische Dimension, welche die Bischöfe sind, und die Marianische Dimension, welche die Mutterschaft der Kirche ist...aber im profundesten Sinn. Kirche existiert nicht ohne eine weibliche Dimension, denn sie ist selbst weiblich."

Frühe Diakonissen dienten nur Frauen

Im Jahr 2003 kam die Internationale Theologische Kommission bereits zu dem Schluss, dass es kein Diakonat der Frau in der Urkirche in dem Sinn gegeben hat, wie es heute von Aktivisten und einzelnen Bischöfen trotzdem weiter gefordert wird:

Das Vorbild ist die Diakonie Christi, der seinen Jüngern die Füße gewaschen hat. Es gibt allerdings zwischen den beiden Zweigen des Diakonats hinsichtlich der ausgeübten Funktionen keinen strikten Parallelismus. Die Diakone werden vom Bischof ausgewählt, damit sie "viele notwendige Aufgaben verrichten", die Diakonissen nur "zum Dienst an den Frauen" (...) Die Diakonisse soll die Salbung des Körpers der Frauen anlässlich der Taufe vornehmen, die neugetauften Frauen belehren, die gläubigen Frauen und vor allem die Kranken zu Hause besuchen. Es ist ihr verboten, selbst zu taufen oder bei der Darbringung der Eucharistie eine Rolle zu spielen".

Deshalb, so die Autoren der Studie, könne niemand die "Diakonissen" in der Tradition der alten Kirche als geweihte Diakone bewerten. Darüber hinaus unterstrichen die Experten, dass sowohl die kirchliche Tradition als auch das Lehramt den diakonischen Dienst als ein Element heiliger Weihen betrachten.

Auf Grundlage dieser beiden Punkte schlug das Dokument des Jahres 2002 vor, dass Frauen nicht zum männlichen Diakonat geweiht werden können.

Im Mai 2016 gründete Papst Franziskus eine neue Untersuchungskommission, die zu "keinem eindeutigen Urteil" gekommen sei. Kardinal Luis Ladaria, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, war Vorsitzender der Studienkommission für das Projekt, das aus 12 Mitgliedern bestand - 6 Männern und 6 Frauen. Die - offensichtlich längst vorliegenden - Ergebnisse wurden bislang nicht vorgestellt.

Nun soll sich eine dritte Kommission dem Thema erneut widmen, angesichts dessen die Ratzinger-Schülerkreise zeitgleich mit dem Auftakt der Amazonas-Synode öffentlich zu einem sakramentalen Weiheverständnis aufgerufen hatten – und dabei eine sehr klare und differenzierte Absage an ein falsches Verständnis von Priestertum, Sakramenten und den Zölibat leisteten, wie CNA Deutsch berichtete.

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