Papst Franziskus: "Völlige Übereinstimmung" zu Priester und Zölibat mit Johannes Paul II.

St. Johannes Paul II. im Petersdom am 25. März 1983
Foto: L'Osservatore Romano

Er habe nicht nur viel von ihm gelernt, sondern stehe in "völliger Übereinstimmung" mit Johannes Paul II. beim Thema Priestertum. Dazu gehört auch der Zölibat, betont Papst Franziskus in einem neuen Interview-Buch, indem er Fragen zu seiner Person und zu dem Papst aus Polen beantwortet, den er selbst 2014 heiliggesprochen hat.

Gemeinsam mit Johannes Paul II. und Benedikt XVI. sehe er den Zölibat als "Gnade, nicht Grenze", betont Franziskus.  

Das berichtet die "Catholic News Agency" (CNA).

"Ich denke, dass die Freude das wichtigste Merkmal der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus ist", sagt Papst Franziskus in dem jetzt veröffentlichten Werk – und verweist auf die Freude und Barmherzigkeit des Pontifikats von Johannes Paul II.: "Ich habe von ihm gelernt", erklärt Franziskus.

Die Aussagen des amtierenden Pontifex Maximus über seinen heiligen Vorgänger – und anderen Themen – sind in dem italienischsprachigen Buch "Johannes Paul der Große" festgehalten, das am 11. Februar veröffentlicht wurde.

Das Buch besteht aus fünf Kapiteln, in denen der Autor, Pater Luigi Maria Epicoco, jeweils einen Aspekt des Lebens und Wirkens von Johannes Paul II. behandelt. Ergänzt werden diese Abschnitte durch einen Gesprächsteil des 39-jährigen Padres mit Papst Franziskus. Dabei konzentrieren sich die Interviews auf den Zeitraum von Juni 2019 bis Januar 2020.

"Dachte zuerst, ein Afrikaner"

In einem Abschnittl zitiert Epicoco ausführlich aus dem Brief Johannes Pauls II. "Geschenk und Geheimnis", den der polnische Heilige zum 50. Jahrestag seiner eigenen Priesterweihe schrieb.

Franziskus sagt, man könne anhand seiner eigenen Briefe erkennen, etwa jenen, die er am Gründonnerstag geschrieben habe, oder wenn man einige der Predigten liest, die er als Bischof in Buenos Aires gehalten hat, "dass es eine völlige Übereinstimmung mit dem Gedanken Johannes Pauls II. in Bezug auf das Priestertum gibt".

Papst Franziskus sagt weiter, er sei "überzeugt, dass der Zölibat ein Geschenk, eine Gnade ist, und auf den Spuren von Paul VI. und dann von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zu wandeln, bin ich überzeugt, dass der Zölibat eine entscheidende Gnade ist, die die lateinisch-katholische Kirche kennzeichnet. Ich wiederhole: Er ist eine Gnade, keine Grenze".

Papst Franziskus war ein Provinzoberer der Jesuiten, als Johannes Paul II. zum Bischof von Rom gewählt wurde. Im Buch erzählt er, die Nachricht von der Wahl des neuen Papstes gehört zu haben, als er gerade Auto fuhr. Als er den Namen "Wojtyla" hörte und ihn nicht kannte, sagte er, dass er zuerst dachte, der neue Papst sei Afrikaner.

"Ich hörte seine ersten Worte und hatte ein sehr gutes Gefühl", erinnert sich Franziskus. "Und dieser Eindruck verstärkte sich unmittelbar danach, als man mir erzählte, dass er ein Universitätskaplan war, ein Professor der Philosophie, ein Bergsteiger, ein Skifahrer, ein Sportler, ein Mann, der viel betete. Ich mochte ihn sehr. Ich fühlte sofort eine große Zuneigung zu ihm."

Die erste Begegnung zwischen den beiden Männern fand statt, als Johannes Paul II. im Jahr 1987 Argentinien besuchte. Es war "ein dunkler Moment in meinem Leben", sagte Franziskus. Damals noch P. Jorge Bergoglio, war er nach seinem Aufenthalt in Deutschland nach Argentinien zurückgekehrt, um seine Doktorarbeit zu schreiben "und um der angespannten Atmosphäre in meiner Ordensprovinz selbst zu entfliehen".

Ihr zweites Treffen fand dann 1994 während der Bischofssynode über das geweihte Leben statt, als Bergoglio Weihbischof von Buenos Aires war. Die beiden trafen sich auch bei späteren Synoden und Ad limina-Besuchen.

Im Jahr 2001 machte Papst Johannes Paul II. Erzbischof Bergoglio zum Kardinal.

"Ich spürte den starken Wunsch, mich, während ich niederkniete, um das Birett des Kardinals zu empfangen, nicht nur auf den Austausch des Friedenszeichens zu beschränken, sondern [Johannes Paul II.] die Hand zu küssen", erzählt Franziskus.

"Einige Leute haben mich für diese Geste kritisiert", fügt er hinzu, "aber für mich war es eine spontane Geste".

Papst Franziskus hat 2014 Johannes Paul II. heilig gesprochen.

"Es reicht, sein Leben zu betrachten", um zu sehen, dass Johannes Paul II. "den Geruch der Schafe" hatte, sagt Franziskus in dem Interviewbuch. "Er war ein Pastor, der die Menschen liebte, und die Menschen erwiderten dies mit immenser Liebe".

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