"Die Stärke und Gabe der Frauen" besteht nicht im Weiheamt, sagt Papst Franziskus

"Querida Amazonia" betont, dass Frauen in Leitungspositionen der Kirche vertreten sein müssen, aber nicht zu Diakonen geweiht werden können

Vatikan, 7. Oktober 2019: Papst Franziskus führt die Eröffnungsprozession der Bischofssynode zum Amazonas-Gebiet von der Basilika St. Peter zur Synodenhalle, um dort das Eröffnungsgebet zu sprechen.
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

In einer Kirche, deren Bräutigam Jesus Christus ist, spielen Frauen eine eigene und unverzichtbare Rolle. In der Amazonas-Region sind sie zudem aufgerufen, gemeinsam mit Wandermissionaren, mit mehr ständigen Diakonen und Ordensleuten den Glauben zu verkünden. Das schreibt Papst Franziskus in "Querida Amazonia", dem heute veröffentlichten Nachsynodalen Schreiben zur Kirche im Amazonas-Gebiet. 

Sehr deutlich lehnt der Papst den "reduktionistischen Irrweg" einer "Klerikalisierung" von Frauen ab: Nur eine "verengte Sichtweise" komme überhaupt erst zu der irreführenden Meinung, dass es einer Weihe bedürfe, um Frauen auch "Status und Partizipation" in der Kirche zu ermöglichen, betont der Papst. 

"Bräutigam und Braut"

Was meint Franziskus mit "Kraft und Gabe" der Frauen? Und wie hängt seine Absage an eine Weihe von Frauen zu Diakonen oder gar Priestern mit der "exklusiven Identität" der Priester zusammen, von denen er in Querida Amazonia schreibt?

Der Papst begründet seine Abschnitte nicht nur mit der gelebten Erfahrung im Amazonas-Gebiet, wie sie bei der Synode thematisiert wurde. Er spricht auch über das katholische Verständnis des Verhältnisses von Mensch, Kirche und Gott

"Jesus Christus zeigt sich als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen Priesters. Dieser Dialog zwischen Bräutigam und Braut, der sich in der Anbetung vollzieht und die Gemeinschaft heiligt, sollte nicht auf einseitige Fragestellungen hinsichtlich der Macht in der Kirche verengt werden", betont der Papst, und erklärt weiter das katholische Verständnis – und christliche Menschenbild – einer Komplementarität der beiden Geschlechter von Mann und Frau.

"Der Herr wollte seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun: das seines göttlichen menschgewordenen Sohnes und das eines weiblichen Geschöpfes, Maria. Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben".

Auf diese Weise bleibe man auch nicht bei einem "funktionalen Ansatz" stehen, sondern trete ein "in die innere Struktur der Kirche", unterstreicht der Pontifex in Querida Amazonia.

"So verstehen wir in der Tiefe, warum sie ohne die Frauen zusammenbricht, so wie viele Gemeinschaften in Amazonien auseinandergefallen wären, wenn es dort keine Frauen gegeben hätte, die sie aufrechterhalten, bewahrt und sich ihrer angenommen hätten. Hier wird sichtbar, was ihre spezifische Macht ist."

Was bedeutet das konkret für die Amazonas-Region? Die "vom Volk geschätzten Fähigkeiten, welche die Frauen im Amazonasgebiet so in den Mittelpunkt gerückt haben" seien weiterhin zu fördern, stellt Franziskus fest, "auch wenn die Gemeinden heute neuen Gefahren ausgesetzt sind, die es zu anderen Zeiten nicht gab".

"Die gegenwärtige Situation verlangt, dass wir das Entstehen anderer spezifisch weiblicher Dienste und Charismen anregen, die auf die besonderen Bedürfnisse der Amazonasvölker in diesem Moment der Geschichte reagieren", so der Pontifex.

Tatsächlich sollten in "einer synodalen Kirche" die Frauen, die in der Tat eine zentrale Rolle in den Amazonasgemeinden spielen, Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben, die nicht die heiligen Weihen erfordern, und es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Platz besser zum Ausdruck zu bringen, erklärt der Papst. Ein solcher Dienst setze jedoch "Dauerhaftigkeit, öffentliche Anerkennung und eine Beauftragung durch den Bischof" voraus.

"Das bedeutet auch, dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften haben, ohne dabei jedoch ihren eigenen weiblichen Stil aufzugeben."

Papst Franziskus leistet in seinem Schreiben so die Erklärung zweier Punkte, die in der oft polemisch geführten, von politischen Anliegen getriebenen Debatte untergehen, von ihm aber immer wieder thematisiert worden sind.

Das eine ist die Warnung vor Versuchen, Klerikalismus durch mehr Klerikalismus zu bekämpfen. Franziskus sieht darin ein reduktionistisches Verständnis – vor allem des Weiheamtes – als Ursache, betont er im heute veröffentlichten Schreiben. Das andere ist der immer wieder betonte Hinweis auf das christliche Menschenbild: Ein komplementäres – aus kritischer Sicht "traditionelles" – Verständnis von Mann und Frau. 

So widmet Maria, der "Mutter Amazoniens", der Papst denn auch den Schluss seines Schreibens: Er endet mit einem tief empfundenen "Gebet zur Gottesmutter", angesichts der "Schönheit des Amazonasgebiets".

Mutter des Lebens,

in deinem mütterlichen Schoß nahm Jesus Gestalt an,

er, der Herrscher über alles Seiende.

Als der Auferstandene hat er dich mit seinem Licht verwandelt

und zur Königin der ganzen Schöpfung gemacht.

Deshalb bitten wir dich, Maria,

herrsche im pochenden Herzen Amazoniens.

 

Zeige dich als Mutter aller Kreatur,

in der Schönheit der Blumen, der Flüsse,

des großen Flusses, der dieses Gebiet durchzieht,

und all dessen, was sich in seinen Wäldern regt.

Beschütze mit deiner Liebe diese überbordende Schönheit.

 

Bitte Jesus, dass er seine ganze Liebe ausgieße

über die Männer und Frauen, die dort leben,

damit sie fähig werden,

diese Schönheit zu bewundern und zu bewahren.

 

Gib, dass dein Sohn in ihren Herzen geboren wird,

damit er in Amazonien,

in seinen Völkern und Kulturen erstrahle

mit dem Licht seines Wortes, mit dem Trost seiner Liebe,

mit seiner Botschaft der Brüderlichkeit und Gerechtigkeit.

 

Gib, dass auch bei jeder Eucharistiefeier

sich in uns so großes Staunen regt

über die Herrlichkeit des Vaters.

 

Mutter, sieh auf die Armen Amazoniens,

denn ihre Heimat wird weiter zerstört

für schäbige Interessen.

Wie viel Schmerz und Elend,

wie viel Verwahrlosung und Rücksichtslosigkeit

in diesem reich gesegneten Land

übervoll von Leben!

 

Rühre die Mächtigen in ihrem Empfinden an,

denn, obgleich wir das Gefühl haben, es sei zu spät,

rufst du uns zu retten,

was noch am Leben ist.

 

Mutter mit durchbohrtem Herzen,

die du in deinen gedemütigten Kindern

und in der verwundeten Natur leidest,

herrsche du in Amazonien

zusammen mit deinem Sohn.

Herrsche du, auf dass sich keiner mehr

als Herr des Werkes Gottes fühle.

 

Auf dich vertrauen wir, Mutter des Lebens,

verlass uns nicht

in dieser dunklen Stunde.

Amen.

Stichwort: Amazonas-Synode

Der offizielle Titel der "Panamazonas-Synode", die vom 6. bis 27 Oktober 2019 in Rom stattfand, war "Neue Wege für die Kirche und die integrale Ökologie". Drei Wochen lang wurde dabei über die Lage im Amazonas-Großraum gesprochen – einer Region, deren Menschen mehrheitlich nicht mehr katholisch sind, sondern Freikirchen anhängen.

Die 181 stimmberechtigten Mitglieder der Synode diskutierten zusammen mit Vertretern indigener Gemeinschaften, Orden, Laiengruppen und anderen über die Lage der Region.

An der Synode nahmen Bischöfe aus den neun Ländern teil, deren Territorium zum Teil zum Amazonasgebiet gehören: 4 Bischöfe aus den Antillen, 12 aus Bolivien, 58 aus Brasilien, 15 aus Kolumbien, 7 aus Ecuador, 11 aus Peru und 7 aus Venezuela.

Dazu kamen 13 Präfekten aus Dikasterien der römischen Kurie, 33 direkt vom Papst ernannte Mitglieder, 15 von der Vereinigung der Generaloberen gewählte Mitglieder, 19 Mitglieder des Präsynodalen Rates, 25 Experten, 55 Hörer, 6 Delegaten anderer Kirchen sowie 12 weitere geladene Gäste.

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