Bistum Münster zieht ein Jahr nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie Bilanz

Bischof Felix Genn
Bistum Münster

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie für das Bistum Münster hat Bischof Felix Genn in einem Brief an die Gläubigen Bilanz gezogen. Gleich zu Beginn betonte er: „Der Kampf gegen sexuellen Missbrauch ist keineswegs vorbei. Mein Ziel ist und bleibt es, Maßnahmen zu ergreifen, die sexuellen Missbrauch verhindern.“

„Betroffene haben neben dem Anspruch auf eine unabhängige Aufarbeitung vor allem einen Anspruch auf ein verändertes Verhalten kirchlicher Verantwortungsträger“, so Genn. „Sie haben einen Anspruch auf das Eingeständnis von Fehlern, auf ehrliche Reue und wirkliche Umkehr, die sich in der Haltung und im Verhalten kirchlicher Verantwortungsträger zeigen muss.“

„Und Täter sollen wissen, dass ich mich ihnen gegenüber von einer Haltung der Nulltoleranz leiten lasse“, erläuterte der Bischof von Münster. Dies gelte „nicht nur bei sexuellem Missbrauch im engeren juristischen Sinn, sondern es gilt auch, wenn es sich um sogenannte grenzüberschreitende und unangemessene Verhaltensweisen handelt. Gerade wenn ein solches Verhalten nicht mit rechtlichen Maßstäben zu messen ist, wird immer wieder deutlich, wie schwierig es ist, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und umzusetzen.“

Der Kirchensteuerrat habe im Mai die Mittel von 1,75 Millionen Euro für einen noch zu gründenden Trägerverein der Unabhängigen Aufarbeitungskommission im Bistum Münster bewilligt. „Ich habe großen Respekt vor den Frauen und Männern, die sich ehrenamtlich in dieser Kommission engagieren“, erklärte Genn. „Mir ist es im Blick auf die Kommission wichtig, dass diese völlig unabhängig von mir oder dem Bistum tätig sein wird. Ich habe die Mitglieder nicht berufen und diese sind an keinerlei Weisungen durch mich gebunden. Die Kommission ist für mich das klare Signal: Die unabhängige Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs geht im Bistum Münster weiter.“

Gegen Ende seines Schreibens ging Genn noch kurz auf den Synodalen Weg ein, der durch einen Synodalen Rat verstetigt werden soll – trotz einer ausdrücklichen Absage hochrangiger Kurienkardinäle mit Gutheißung von Papst Franziskus.

„In Rom gibt es in diesem Zusammenhang die Sorge, ich würde als Bischof meine Letzt-Verantwortung für Glaube, Sitte und Recht abgeben wollen“, räumte Genn ein. Darum gehe es aber gar nicht: „Ziel ist es vielmehr, einen guten Weg des Miteinanders von Bischöfen und Nicht-Bischöfen zu finden. Das ist auch ein deutliches Zeichen, dass Macht und Verantwortung in der katholischen Kirche neu verteilt werden. Wenn wir wissen, dass Machtkonzentrationen in der Vergangenheit sexuellen Missbrauch begünstigt haben, dann müssen wir das ändern.“